Thomas Halt ist seit 25 Jahren Kreisfeuerwehrdoktor. 

Er kümmert sich um die Lebensretter

Der Feuerwehr-Arzt sagt Servus

Dass die Feuerwehr Brände löscht und bei Unfällen technische Hilfe leistet, ist bekannt. Dass die Wehr auch einen Arzt braucht, der bei den Einsätzen vor Ort ist, wissen wenige. Seit 25 Jahren heißt der Mediziner Dr. Halt – und er hat immer ein Auge auf seine Kameraden.

Alling – Seine Patienten kennen das schon. Wenn in Alling die Feuerwehrsirene ertönt, leert sich automatisch das Wartezimmer in Thomas Halts Praxis. Die Menschen wissen, dass der Mediziner jetzt zum Einsatz fährt. Denn er ist nicht nur der langjährige Hausdoktor vieler Allinger, sondern auch Kreisfeuerwehrarzt – und das seit 25 Jahren.

„Später rufen die Leute dann an und fragen, ob ich wieder da bin“, erzählt der 62-Jährige. Dann füllt sich das Wartezimmer wieder. Keiner regt sich auf.

Dass der Mediziner einen Bezug zur Feuerwehr hat, ist selbst für den Uneingeweihten klar, sobald er das Sprechzimmer betritt. An der Wand hängen ein historischer Feuerwehrhelm und ein Löscheimer neben einem Glasschrank voller Modelle von Feuerwehrautos. „Ich bin ein Flohmarktgänger und sammle gern“, sagt Halt. „Das ist ein bisschen mein Spleen.“

Mit der Feuerwehr hatte er schon in seiner Zeit als Notarzt viel zu tun. Eines Abends sprach ihn der damalige Allinger Kommandant an und fragte, ob er nicht dazukommen wolle. Von der Ortswehr zum Engagement für den gesamten Landkreis war es nur noch ein kleiner Schritt. 1998 wurde Halt, der nie eine Feuerwehrsausbildung durchlaufen hat, zum Kreisbrandrat für den medizinischen Bereich ernannt. Zweimal im Jahr leitet der Allgemeinarzt in Eichenau die 16-stündigen Erste-Hilfe-Kurse, die der Feuerwehr-Nachwuchs vor der Truppmannausbildung absolviert.

Als Notfallmediziner mit Palliativausbildung hat der Allinger schon viel gesehen. Er ist bei Großschadensereignissen dabei und hilft den Kameraden, die schlimmen Eindrücke zu verarbeiten, die sie in solchen Momenten erleben. Dramen wie die Explosion eines Wohnhauses in Germering vor einigen Jahren oder Verkehrsunfälle mit Todesopfern – „das sind Bilder, die einem nachlaufen“, sagt er. Mit seiner groß gewachsenen Statur, dem grauen Bart und dem gelassenen Auftreten kann man sich Halt gut als Fels in der Brandung vorstellen. „Ich bin der, der ruhig ist. Ich mag keine Hektik“, sagt er.

Wenn er mit der Feuerwehr am Einsatzort ist, wacht er über seine Kameraden. Das Wohl der Feuerwehrleute liegt dem vierfachen Vater am Herzen. Er sieht, wie es ihnen geht, und sorgt dafür, dass sie abgezogen werden, wenn es zu viel wird. „Wenn man schon freiwillig diesen Dienst leistet, sollte man wenigstens Schutz haben“, sagt er.

Auch der Schutz vor ansteckenden Krankheiten wie Hepatitis gehört dazu. Diesem Risiko sind Ersthelfer ausgesetzt, wenn sie mit Blut in Kontakt kommen. In einer groß angelegten Aktion hat Halt vor Jahren 1600 Feuerwehrleute gegen die Leberentzündung geimpft. Die Kosten dafür übernahmen die Gemeinden, wenn auch ungern.

Seitdem sei das Thema auf kommunaler Seite aber eingeschlafen, sagt Halt. Darum rät er den Jugendlichen in seinen Erste-Hilfe-Kursen, die Impfung über ihre Krankenkassen zu finanzieren. In diesem Alter würden die Kosten noch übernommen.

Im Mai feiert Halt seinen 63. Geburtstag und hat damit die Altersgrenze für aktive Feuerwehrleute erreicht. Seinen Posten als Kreisbrandrat muss er dann aufgeben. Doch er will sich um seine Allinger Wehr weiterhin kümmern. Und um seine Patienten in Alling freilich auch, die ihn als Landarzt vom alten Schlag schätzen – als einen, der auch außerhalb der Sprechzeiten zu erreichen ist, der Hausbesuche macht und Familien über Generationen betreut. Halt sagt: „Ich bin so ein altes Faktotum.“ (os)

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