Ein Schild an einem Zaun bei einem Fischweiher weist auf die Gefahren durch die Biberschäden hin.

Im Moos

Der ewige Kampf im Allinger Biber-Paradies

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Mehr als 100 Jahre galt er als ausgerottet – mittlerweile fühlt sich der Biber im Landkreis wieder pudelwohl. Im Allinger Moos scheint es den Tieren besonders gut zu gefallen. Dort trifft ihr Wille, die Landschaft umzugestalten, allerdings auf die Interessen von Bauern, Anglern und Reitern.

Alling – Als Franz Heiß vor 14 Jahren die Stelle als Chef des Allinger Bauhofs antrat, ahnte er nicht, dass zu diesem Zeitpunkt auch ein anderer die Starzelbachgemeinde als Arbeitsplatz auserkoren hatte. Und noch weniger ahnte Heiß, dass ihm dieser Neubürger einmal jede Menge Arbeit bescheren würde. Seit etwa der Mitte der Nuller Jahre lebt der Biber wieder bei Alling und tut, was ihm sein Instinkt befiehlt: Er baut Dämme, staut Wasser, gräbt Tunnel, errichtet Wohnbauten und fällt Bäume.

Idealer Lebensraum für Biber

Das Areal im Südwesten Allings ist ein idealer Lebensraum für den Biber. Neben dem Starzelbach durchziehen Gräben das Gebiet. An dem Bach reiht sich ein Fischweiher an den anderen. Und es gibt viele Bäume und Sträucher, die dem Biber als Baumaterial und Futter dienen. Seit einiger Zeit nehmen die Aktivitäten der Nagetiere – zumindest aus menschlicher Sicht – aber überhand.

Bürgermeister Stefan Joachimsthaler (r.) und Bauhofleiter Franz Heiß begutachten einen der Biberdämme im Starzelbach.

Unter einem Weg zwischen dem Starzelbach und einem Fischweiher haben die possierlichen Tiere Tunnelsysteme angelegt. Das blieb an der Oberfläche nicht ohne Folgen. Der Weg brach ein. Das war vor allem für die Reiter und ihre Pferde, die den Weg oft benutzen, eine Gefahr. Die Besitzer des Weihers schütteten die Tunnel zu und sicherten das Ufer.

Unterstützung bekamen sie dabei von Sven Bartschat von der Unteren Naturschutzbehörde. Denn der Biber ist streng geschützt. Eingriffe in seinen Lebensraum müssen abgesegnet werden. „Wir beraten, entschädigen und zeigen Lösungen auf“, sagt Bartschat.

Biber-Dämme entfernen

So läuft das auch, wenn Franz Heiß und seine Mitarbeiter dem Biber Einhalt gebieten müssen. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Dämme des Bibers zurückzubauen, wenn das aufgestaute Wasser zu größeren Problemen führt. Das kann der Fall sein, wenn landwirtschaftliche Flächen zu stark vernässen. Ein weiteres Problem bringt der Staudamm für die Fischweiher mit sich: Das Wasser kann die Weiher schlechter durchfließen, der Sauerstoffgehalt sinkt. „Allein in den letzten sechs Wochen mussten wir drei Dämme abbauen“, sagt Heiß. Das passiere stets in Kooperation mit der Naturschutzbehörde.

Allings Bürgermeister Stefan Joachimsthaler empfindet diese Vorgehensweise als guten Kompromiss. Er sieht sich als Vermittler zwischen den Interessen von Naturschützern, Landwirten und Fischern. Die Kooperation zwischen den einzelnen Akteuren beschreibt er als gut. „Anders ginge es auch gar nicht“, sagt der Rathaus-Chef.

Bisher zwei Biber-Familien

Warum die Aktivitäten der Biber in jüngster Zeit zugenommen haben, weiß man in Alling noch nicht genau. Bisher gab es nach den Erkenntnissen der verschiedenen Akteure zwei Biber-Familien. Franz Heiß vermutet, dass es mittlerweile drei sind. Das wäre plausibel. Denn irgendwann wird der Nachwuchs von den Elterntieren vor die Tür gesetzt – und sucht sich dann ein neues Revier um eine eigene Familie zu gründen. Der tierische Baumeister ist dem Menschen eben sehr ähnlich.

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