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„150 Jahre MKG“: Dieses Acrylbild hat Martin Cambeis zum Jubiläum der Künstlergenossenschaft gemalt.

150 Jahre Münchner Künstlergenossenschaft

Heimische Kunst bei Jubiläumsschau

Ihr 150-jähriges Bestehen feiert die Münchner Künstlergenossenschaft heuer mit einer Jubiläumsausstellung. Auch vier Künstler aus dem Landkreis zeigen in diesem Rahmen ihre Werke.

Martin Cambeis aus Puchheim ist seit einem Jahr Chef der Münchner Künstlergenossenschaft.

Landkreis – Es ist das Gemälde des Puchheimers Paul Martin Cambeis, das die Münchner Künstlergenossenschaft (MKG) als Logobild für ihre Ausstellung gewählt hat. Eine Anspielung auf „Die Freiheit führt das Volk“, das weltberühmte Bild von Eugène Delacroix. Und in ein neues Zeitalter – etwa in das der Digitalisierung – will Martin Cambeis die Genossenschaft führen. Er ist seit einem Jahr ihr Präsident und kürzlich nach Puchheim gezogen.

Einen Blick zurück soll nun aber erst einmal die Jubiläumsausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft werfen. Als sich die Gruppe 1868 gründete, wurde Bayern noch von König Ludwig II. regiert. Nun feiert sie ihr 150-jähriges Bestehen. Neben Cambeis (53) präsentieren drei weitere Künstler aus dem Landkreis ab morgigem Freitag, 2. Februar, ihre Werke im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München.

Rund 100 Mitglieder zählt die Genossenschaft. „Sie war und ist ein Zusammenschluss realistisch arbeitender Künstler“, sagt Paul Cambeis. Namhafte Künstler wie Carl Spitzweg oder Franz von Lenbach gehörten dazu. Wer heute dabei sein will, muss einen Aufnahmetest bestehen und sich einer Jury stellen.

Auch Gastkünstler zeigen bei der Ausstellung ihre Werke

Der neue Präsident möchte die Münchener Künstlergenossenschaft ins digitale Zeitalter führen. Er hat in seiner kurzen Amtszeit bereits einige Veränderungen auf den Weg gebracht: Die Genossenschaft hat jetzt eine moderne Homepage und versendet regelmäßig Newsletter. „Das ist viel Arbeit für ein Ehrenamt“, sagt Cambeis. Er zeichnet schon seit seiner Kindheit. Nach einem Studium an der Münchner Akademie der bildenden Künste arbeitet er als freiberuflicher Künstler, Illustrator und Schauspieler.

Auch Arbeiten von Gastkünstlern sind in der Jubiläumsschau ausgestellt. Von ihnen stammt rund ein Drittel der Werke“, sagt Cambeis. Mit dabei sind der Präsident des Münchner Künstlerhaus-Vereins, Matthias Gangkofner, sowie Yongbo Zhao, von der Künstlervereinigung Münchner Secession. In der Ausstellung stehen 169 Exponate von 111 Künstlern, alle aus den Bereichen Malerei, Grafik und Skulptur.

Seit 30 Jahren ist Monika Seltner (77) bei der Münchener Künstlergenossenschaft, ihre Bilder waren schon auf mehreren Jahresausstellungen zu sehen. „Dieses Jahr bin ich mit einem Gemälde des botanischen Gartens und mit zwei Blumenbildern vertreten“, sagt die Eichenauerin. Seltner führt eine Malschule in Biburg. „Bei meinen Gemälden kommt mir heute noch der Aquarellunterricht während meiner Ausbildung zur Porzellanmalerin in Meißen zu Gute“, sagt sie.

„Wir waren immer eine gute Mannschaft.“

Carola Brand ist Autodidaktin und heuer erstmals bei der Jahresausstellung dabei.

Monika Seltner schätzt Traditionsvereine wie die Münchener Künstlergenossenschaft. „Wenn man altes Kunsthandwerk wie die Porzellanmalerei nicht unterstützt, würde es in der Versenkung verschwinden“, sagt sie. Allerdings wird Porzellanmalerei zum Kunsthandwerk gezählt, daher darf sie ihre fein bemalten Teller und Tassen nicht ausstellen.

Der Vorteil einer Mitgliedschaft bei der Genossenschaft sei der Austausch untereinander, sagt Paul Cambeis. „Man gehört zu einem großen Netzwerk und erfährt viel mehr. Zudem erweitert man natürlich so auch seinen eigenen Bekanntheitsgrad“, sagt er. Eine Ausbildung oder ein Kunststudium sei aber nicht erforderlich. „Wir haben auch viele Autodidakten unter unseren Mitgliedern.“

Dazu zählt auch Carola Brand (75). Die Münchnerin wohnt seit 45 Jahren in Mittelstetten. „Eine Teilnahme bei der Jahresausstellung der war schon immer mein Wunschtraum“, erzählt sie. Seit 2010 ist sie Mitglied, heuer hat die Jury sie zum ersten Mal zugelassen. „Mit zehn Jahren hab ich angefangen zu zeichnen und mir nach und nach alles selbst beigebracht.“ Besonders gerne malt Carola Brand landschaftliche und architektonische Motive. „Ich bin im ganzen Landkreis bekannt dafür, dass ich alte Häuser male“, sagt sie. Manche Landwirte haben mich sogar eingeladen, damit ich ihr Haus für sie auf der Leinwand festhalte.“

Joachim Oberländer hat sich als Ingenieur der Malerei anfangs nur in seiner Freizeit gewidmet.

Auch Joachim Oberländer aus Eichenau malt Landschaften. „Wir haben einen großen Garten. Von Lavendel bis Malven habe ich schon fast alle Blumen gezeichnet, die im Laufe des Jahres dort blühen“, erzählt der 75-Jährige. Oberländer leitete bis zu seiner Rente ein Ingenieurbüro und widmete sich der Malerei nur in seiner Freizeit. Seit 1987 gehört er zur Künstlergenossenschaft, von 2003 bis 2014 war er ihr Präsident. „Ich habe mitgeholfen, sie wieder auf eine gute finanzielle Grundlage zu stellen“, sagt er. „Wir waren immer eine gute Mannschaft.“

Die Ausstellung „150 Jahre Münchner Künstlergenossenschaft“

kann man von Freitag, 2., bis Sonntag, 25. Februar, im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst, Gabelsbergerstraße 35 in München, besuchen. Geöffnet ist sie täglich zwischen 10 und 18 Uhr, dienstags bis 20 Uhr. Montags ist die Ausstellung geschlossen. Der Eintritt kostet drei Euro.

von Katharina Wohlfart

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