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Oberhalb von Allings Ortskern buchen Hochzeitsgäste aus Nah und Fern die Wiese für die Zeremonie unter freiem Himmel.

Trauungen unter freiem Himmel

Hochzeitswiese offen für Auswärtige

Auf der populären Hochzeitswiese hoch über Alling können sich auch künftig Auswärtige trauen lassen. Der Gemeinderat lehnte einen Antrag von Hans Schröder (CSU) ab, der das Gelände nur noch Einheimischen, ehemaligen Gemeindebürgern oder Brautpaaren mit einem Bezug zum Ort zur Verfügung stellen wollte.

Vize-Bürgermeister Hans Schröder hatte darauf gedrängt, nur noch in Ausnahmefällen Eheschließungen am Samstag zuzulassen und anderenfalls eine „maximale Verweildauer“ auf der Trauungswiese festzulegen. Auch im Sinne der Beschäftigten in Rathaus und Bauhof sollte das Dienstleistungsangebot des Standesamtes reduziert werden, fand Schröder. Alling sollte sich auf die „Kernaufgaben einer kleinen Gemeinde mit rund 4000 Einwohnern beschränken“.

Wie die Ausführungen der Verwaltung zeigten, war zumindest ein Hochzeitsverbot für Auswärtige nicht möglich. In der Bundesrepublik könne man heiraten, wo man wolle, den Trauungswunsch abzulehnen, sei unzulässig, erläuterte Carina Pförtsch, die in ihrer Funktion als Standesbeamtin nicht einmal dem Weisungsrecht des Bürgermeisters unterliegt. Laut ihrer Statistik kamen von den 19 Brautpaaren in diesem Jahr acht aus Alling, sieben kehrten an ihren ehemaligen Wohnort zurück, nur vier lockte demzufolge die ungewöhnliche Location auf den alten Burghügel.

Übermäßig lange dauere die Zeremonie nicht, insofern würden auch die Bauhof-Mitarbeiter für Auf- und Abbau von Bänken und Tischen nicht übermäßig in Anspruch genommen. Die „Verweildauer“ von durchschnittlich 90 Minuten – die Hälfte davon Sektempfang – hielt Pförtsch für angemessen. Man sei schließlich nicht in München, wo die Brautleute im Viertelstunden-Rhythmus durch die Zeremonie gejagt würden.

Auch Schröders geäußerter Verdacht, das Areal werde als „Festwiese“ missbraucht, konnte das Standesamt nicht bestätigen: „Uns ist kein Fall von Feier bekannt, jedenfalls keine Lärmbelästigung.“ Auch auf dem Fußweg am Friedhof vorbei unterhielten sich die Gäste nur „in angemessener Lautstärke“. Und: Die Gemeinde verdient am Heiraten im Grünen: Für einen Samstagstermin auf der Wiese werden 280 Euro fällig, bei Unkosten von nur 150 Euro.

Dass es dort oben manchmal lauter zugeht, fand allerdings auch ein anderes Gemeinderatsmitglied. Laut der in der Nähe lebenden Ingrid Schilling (Bürgerschaft) gebe es „schon Unruhe am Samstag“, insbesondere durch das Stromaggregat, das wiederum zur Wiedergabe von ebenfalls nicht in Zimmerlautstärke abgespielten Hochzeitsliedern gebraucht wird. Lautere Kritik daran verbiete sich allerdings auch: „Ich weiß, das ist ein besonderer Tag. Da geht man nicht hoch und bittet um Ruhe.“

Weil die Rechtsgrundlage fehlt, wurde Schröders Antrag einstimmig abgelehnt. Alling kann weiterhin damit werben, Brautpaare „an einem idyllischen Ort mit romantischem Ambiente“ zu verheiraten. Die Trauung nimmt entweder der Bürgermeister selbst oder die Standesbeamtin oder ein Vertreter vor.

von Olf Paschen

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