Gebürtige Amerikanerin lebt in Biburg

Im Universum der Barbie-Sammlerin

Biburg – Peggy Gerling aus Biburg hat eine der größten Barbie-Sammlungen in ganz Deutschland. Vor allem die wertvollen Vintage-Puppen liebt die 66-Jährige. Seit fast 30 Jahren beschäftigt sie sich mit den begehrten Frauen aus Plastik. Ein Blick in ihr Reich.

 Peggy Gerling hat recht gehabt. Ihr Barbie-Zimmer zeigt sie Besuchern nicht sofort, sondern erst nach einer kleinen Einführung ins Thema. „Wenn wir dort hineingehen, werden Sie garantiert nicht mehr zuhören“, sagt sie und lacht.

Und das stimmt. Man betritt den kleinen Raum mit dem rosa Doppelbett und landet in einem Barbie-Kosmos, der einen umhaut. Puppen über Puppen stehen dort, vor-, hinter-, neben- und übereinander, in Glasschränken und Regalen, in den tollsten Outfits, mit winzigen, perfekten Accessoires. Man bräuchte Stunden, vielleicht Tage, um alles gebührend zu würdigen. Peggy Gerlings Barbie-Sammlung ist eine der größten in Deutschland. Wie viele Puppen sie hat, weiß die 66-Jährige – zierlich, makelloses Make-up, perfekte Frisur – gar nicht so genau. Es sind auf jeden Fall „nicht genug“. Ja, sicher sei sie süchtig, gibt die gebürtige Amerikanerin gut gelaunt zu. „Aber es ist die gleiche Sucht, die ein Golfer hat, wenn er zum Golfplatz geht. Das ist doch besser als Tabletten, Alkohol oder Computer.“

Seit fast 30 Jahren sammelt sie die berühmten Anziehpuppen des US-Spielzeugherstellers Mattel. Kurz zuvor war sie mit ihrem bayerischen Mann, den sie bei einem Studienaufenthalt in Europa kennengelernt hatte, und den beiden Kindern nach Biburg (Gemeinde Alling) gezogen. Als Spielzeug für ihre Tochter ließ sie sich von daheim ihre eigene Barbie-Puppe schicken. So hat alles angefangen.

Es sind aber nicht alle Barbies, die Peggy Gerlings Sammlerherz höher schlagen lassen, sondern ausschließlich die so genannten Vintage-Modelle. So bezeichnet man die ersten Generationen der Kultpuppe, die zwischen 1959 und 1972 hergestellt wurde. „Deren Kleidung wurde damals von japanischen Hausfrauen in Heimarbeit handgenäht.“

Heraus kam Haute Couture im Miniaturformat – die klassische Barbie-Garderobe aus flotten Kostümen, sagenhaften Abendroben, unzähligen Hosen, Blusen, Jacken, und dazu natürlich den passenden Hüten, Schuhen und Handtaschen. Sogar eine winzige aufklappbare Puderdose gibt es, kleiner als ein kleiner Zehnagel, einen niedlichen Plattenspieler und einen Mini-Toaster, aus dem kleine Brotscheiben hüpfen.

Es ist all dieses Zubehör, das es der Biburgerin mindestens ebenso angetan hat wie die Puppe selbst. „Die Sachen sind so schön. Sie in dieser Qualität herzustellen, wäre heute gar nicht mehr zu bezahlen.“ Die Stola eines Ballkleids ist mit echtem Pelz besetzt. „Auch das könnte man heute nicht mehr machen.“ Die Puppe kommt im Schneewittchen-Look daher, als Stewardess oder Astronautin – Barbie, die Super-Frau.

Ihre Sammlung hat die Amerikanerin über die Jahrzehnte von Privatleuten und Händlern, auf Spielzeugbörsen und aus dem Internet zusammengekauft, wobei die Herausforderung immer darin bestand, absolut unbeschädigte Teile zu finden. „Hierzulande haben die Mütter gut aufgepasst“, hat sie festgestellt. „Kein Wunder, denn Barbie war in Deutschland nicht billig.“

Unbespielte, originalverpackte Puppen sind logischerweise extrem selten. Doch Peggy Gerling besitzt auch eine Barbie im Originalkarton. Und an dem sieht man, wie gut sich die Firma Mattel aufs Marketing verstand. Beim Kauf trug die Puppe stets nur einen Badeanzug, während der Karton mit all den Anziehsachen bedruckt war, die man noch dazukaufen konnte.

Peggy Gerling hat dank ihres Hobbys „weltweit tolle Leute kennengelernt und viele Freundschaften geschlossen“ – und wenn auch Demi Moore oder Caroline von Monaco nicht darunter waren, so weiß sie doch, dass beide der gleichen Sammelleidenschaft verfallen sind.

Den Vorwurf, dass Barbie kleinen Mädchen ein unrealistisches Schönheitsideal einimpft, kann die Amerikanerin nicht nachvollziehen. „Wenn ein Kind mit einem Teddybären spielt, will es doch deshalb auch nicht aussehen wie ein Teddybär.“

Inzwischen hat Barbie im Leben der 66-Jährigen übrigens Konkurrenz bekommen – in Gestalt einer knapp zweijährigen Enkelin. „Sie ist mein Ein und Alles“, sagt Peggy Gerling und schmunzelt. „Es ist das erste Mal, dass Barbie an die zweite Stelle tritt.“ (os)

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