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So sah die Villa damals aus: Lieselotte Heinisch und ihr Mann Hermann kauften sie 1956 .

Erholungsheim in den 1950er-Jahren

In dieser Germannsberger Villa wurden Kinder aufgepäppelt

Lieselotte Heinisch, heute 86 Jahre alt, werden viele als Altbürgermeisterin von Alling kennen. Nur die wenigsten wissen aber, dass sie im heimatlichen Germannsberg für knapp drei Jahre ein Kinderheim leitete. Bis zu 76  junge Menschen von sechs bis zwölf Jahren durften dort für ein paar Wochen Urlaub machen.

Alling – Sie half im elterlichen Kies- und Sandwerk mit, heiratete in eine Landwirtschaft ein und baute eine Brennerei für Industriealkohol: Das ist Lieselotte Heinisch. Sie war erste Bürgermeisterin Allings, pflegt noch heute Kontakte zu den Schützen und geht einmal die Woche zum Schafkopfen mit drei ebenfalls etwas älteren Herren. Gerne erzählt sie von früher. Auch von ihrem Kindererholungsheim Gut Germannsberg.

Die Villa mit dem phantastischen Blick über das Allinger und Gilchinger Moos kauften die damalige Lieselotte Zehetmair und ihr Mann Hermann 1956. Erbaut worden war sie schon Anfang der 1930er-Jahre für einen Pelzhändler, der dort Silberfüchse und Nutrias gehalten hatte. Inzwischen war aus dem ehemaligen Gutsherrenhaus schon ein Heim für vier Kinder und vier Bedienstete geworden. Die neue Eigentümerin übernahm nicht nur Kinder und Personal, sondern baute die Villa zu einer großen Unterkunft mit mehreren Acht-Zimmer-Betten aus. Im Garten entstanden eine Rutsche und ein kleiner Pool.

Anfangs waren es vor allem Kinder aus Ostbayern, die im „Erholungsheim Germannsberg“ ein paar Pfunde zulegen sollten. „Wie es halt im Bayerischen Wald früher war“, sagt Heinisch heute. Die Eltern waren nur an Nachwuchs reich, Mangelernährung war noch kein exotischer Begriff aus der Dritten Welt. Später, die Mauer war noch nicht gebaut, kamen im Rahmen einer „Aktion Hilfswerk Berlin“ auch ostdeutsche Kinder auf die Anhöhe über Alling.

Drei bis vier Pfund nahmen die Urlauber durch die Vollpension in gewöhnlich drei Wochen zu, amtlich bestätigt von einer Brucker Kinderärztin, die zu Beginn und am Ende eines solchen Kuraufenthalts das Gewicht abnahm. Bei manchem Krisperl wurde noch eine Woche Verlängerung empfohlen.

Vom benachbarten Bauernhof kam täglich frische Milch, laibeweise Brot vom Bäcker in Alling, ein oder zwei Mal die Woche gab es Fleisch oder Wurst. In der Küche stand meist die Chefin selber. „Da ham’s schon solche Töpf braucht“, sagt sie heute und umreißt mit den Händen die Ausmaße des damaligen Kochgeschirrs. Bei großem Andrang diente auch der Hof als Unterkunft.

Heinisch erzählt von einer Dankesurkunde des frühen Berliner Bürgermeisters Otto Suhr. Vor allem ostdeutsche Kinder hielten noch lange nach ihrer Zeit im Heim Briefkontakt. Finanziell soll sich das Ganze kaum rentiert haben. Zwischen 3,90 und 4,25 Mark pro Tag und Nase wurden für Unterkunft, Verpflegung und Betreuung erstattet. „Übergeblieben ist nichts“, sagt die Landheimleiterin von damals. Für die Kinder sammelten sogar die Offiziersschüler auf dem Fliegerhorst, ein Brucker Modehaus spendete mitunter ein neues Gewand für die oft auch ärmlich gekleideten Gäste.

Nachts am Bett der Kleinen gesessen

Die kinderlosen Zehetmairs hatten noch größere Ideen für ihr Domizil, sogar eine Art Schullandheim hätte entstehen sollen. Ein Autounfall, bei dem der Mann schwer verletzt wurde, zerstörte alle Pläne. 1958 wurde die Villa weiterverkauft. Heute ist sie ein privates Wohnhaus.

Kinderlandheime oder Kindererholungsheime, wie sie in den 1950er- und 1660er-Jahren florierten, haben heute einen durchwachsenen Ruf. Nicht für jede kleine Seele war die Trennung von der Mutter so ohne weiteres zu verkraften. Manche Betreuer hatten zudem den Umgang mit Kindern in der Nazi-Zeit gelernt. Noch heute tauschen sich traumatisierte, ehemalige Besucher in Internet-Foren über ihre Erlebnisse aus. Aber wenn man Lieselotte Heinisch von früher berichten hört, ist schwer vorstellbar, dass in Germannsberg über den rustikalen Erziehungsstil der 1950er-Jahre hinaus Zucht gepflegt wurde. „Ich bin oft nachts an einem Bett gesessen“, erzählt sie. „So ein Kind hat ja auch Zeitlang.“ (Olf Paschen)

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