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Ein Platz der Ruhe und Erholung: Im Allinger Ortsteil Holzkirchen geht Frederik Röder gern spazieren. 

Interview mit Frederik Röder

Ex-Rathauschef: „Es gab Phasen, in denen es schwierig war“

Nach 18 Jahren hat sich Frederik Röder (CSU) als Bürgermeister von Alling verabschiedet. Im Tagblatt-Interview blickt er zurück. 

Alling/EmmeringAls die Bedienung hört, dass die beiden maskierten Gäste per Sie sind, bittet sie doch darum, sich in die Anwesenheitsliste einzutragen. In Corona-Zeiten weiß man ja nie. Sie hat Allings früheren Bürgermeister offenbar nicht erkannt, aber das Gespräch fand ja auch einige Kilometer von Frederik Röders Heimatgemeinde statt – in einem Emmeringer Biergarten. Dort, an einem Tisch etwas abseits, gab der ehemalige Rathaus-Chef dann ohne Mundschutz Auskunft über seine 18-jährige Amtszeit und die ersten Erfahrungen im Ruhestand.

Herr Röder, wie fühlt sich der Ruhestand an?

Ungewohnt, aber durchaus gut.

Was ist gut daran?

Dass man nicht mehr in dem straffen Zeitplan ist, dass man Zeit für Dinge hat, die man sonst weg geschoben hat. Ich hab tatsächlich mal wieder ein Buch gelesen, das lange gelegen ist.

Welches?

Von Robotham, der schreibt Kriminalromane mit einem Inspektor Ruiz und einem Psychologen. Ganz spannend.

Fahren Sie manchmal aus Versehen zum Rathaus?

Nein. Ich hab mich allerdings gefreut, dass ich mal zum Kaffeetrinken eingeladen worden bin. Von Herrn Joachimsthaler (Anm. d. Red. Stefan Joachimsthaler ist Röders Nachfolger). Ich hab aber versprochen, dass ich als Rentner nicht die ehemaligen Mitarbeiter besuche.

Geht Ihnen nichts ab?

Es geht mir tatsächlich nichts ab. Es liegt auch daran, dass ich den Amperverband noch habe und im Kreistag bin. Von daher bin ich noch gut eingespannt.

Wie lange haben Sie noch den Amperverbands-Vorsitz?

Bis Spätsommer. Im September ist die Versammlung.

Wie fällt Ihre Bilanz nach 18 Jahren Amtszeit aus?

Es ist überraschend viel geschehen. Ich hab von den Rathaus-Kollegen ein Fotobuch bekommen mit 18 Jahren Rückschau. Ich war überrascht, wie viel man bewegen kann, wenn man eine gute Mannschaft hinter sich hat. Das war bei einer abgespeckten Abschiedsfeier im Bürgerhaus, mit Abstand und gelieferter Pizza.

Was haben Sie erreicht, was abgeschlossen?

Abgeschlossen ist die Kinderbetreuung mit Krippe und Hort, die Neustrukturierung des Bauhofs. Den gab es vorher so nicht. Das Vereinsheim und das Feuerwehr-Haus in Biburg. Und ich nehme für mich in Anspruch, durch das Tal der Tränen gegangen zu sein beim Thema Wasserversorgung. Zu einer Zeit, als es viele noch nicht hören wollten, hab’ ich reinen Wein eingeschenkt und gesagt, wir müssen investieren.

Wo sind Sie gescheitert?

Beim Beitritt zum Zweckverband zur Wasserversorgung der Ampergruppe (WVA). Das ist mir nicht gelungen. Und die Sanierung der Straßen ist auch nicht fertig geworden.

Dafür können Sie nichts, aber war der versuchte WVA-Beitritt übereilt?

Es war zwar einfach gedacht, ich habe aber nicht mit den politischen Widerständen gerechnet. Ich war nicht wie bei anderen Themen entsprechend vorbereitet.

Das Klima im Gemeinderat war nicht immer das Beste. Hatten Sie Ihren Anteil daran?

Ich hab das so nicht empfunden. Es gab Phasen, in denen es schwierig war. In den letzten eineinhalb Jahren war es schwierig zwischen Röder und Schröder. Aber selbst zwischen Röder und Friedl ist es immer sachlicher geworden. Man hat auch Rituale nach außen gepflegt. Intern, wenn ich die Gemeinderats-Klausuren ansehe, hat es durchaus konstruktive Ergebnisse gegeben.

Hätten Sie im persönlichen Umgang etwas anders machen können?

Nein. Ich habe immer versucht, einen fairen und sachlichen Stil zu pflegen. Ich wüsste nicht, wie ich es anders hätte anpacken müssen.

Ihr alter Kontrahent Hans Friedl ist jetzt Zweiter Bürgermeister. Eine richtige Entscheidung?

Auf jeden Fall, es ist auch eine gute Entscheidung für Alling. Auch die Befriedung zwischen CSU und Freien Wählern ist so auf gutem Weg. Ich denke, dass Hans Friedl ein guter Zweiter Bürgermeister sein wird.

Ihr Nachfolger und Parteifreund Stefan Joachimsthaler hat auch mit der Parole „Kein weiter so“ geworben. Klingt nicht nach einem Kompliment für Sie.

Ich hab mich auch etwas gewundert über den Slogan. Ich glaub aber nicht, dass das persönlich gemeint war, wir haben ein gutes Verhältnis. Nach 18 Jahren bringt man automatisch einen Neuanfang. Ich hab 2001 auch gesagt, dieses und jenes muss man anders machen, aber das Verhältnis zu Eberhard Boerboom war gut.

Die letzten anderthalb Jahre Ihrer Amtszeit waren etwas überschattet. Ihr Vize verlässt die CSU, wirft Ihnen Mobbing vor und gründet eine eigene Wählergruppe. Musste es soweit kommen?

Ob es nötig war, weiß ich nicht. Aber nachdem er einen Führungsanspruch angemeldet hat, der ihm nicht zustand, entstanden die Meinungsdifferenzen. Wir haben es nicht miteinander ausräumen können, da waren sicher beide daran beteiligt. Ich glaube aber, für die CSU war es durchaus ein heilsamer Erneuerungsprozess. Ungeachtet dessen hätte man gern einen Sitz mehr gehabt.

Ihre langjährige rechte Hand im Rathaus hat Sie sogar angezeigt.

Die Dienstaufsichtsbeschwerde ist von der Kommunalaufsicht zurückgewiesen worden. Bei der Staatsanwaltschaft warte ich auf eine Einstellung des Verfahrens, weil auch keine Anhaltspunkte da waren.

Gibt es einen Röder, den die Öffentlichkeit nicht kennt? Nicht nur höflich und freundlich?

Nein, das glaub ich nicht. Sonst wär ich auch im Kreistag nicht einstimmig zum Personalreferenten gewählt worden. Ich glaube nicht, dass ich nach außen der Charmante bin und nach innen der Treter. Insgesamt glaube ich, hatte ich einen fairen Führungsstil.

Kritikfähig?

Ja, außer bei meiner Frau.

Sind Sie heute auch erleichtert?

Ja auch, das ist aber dem Alter geschuldet, dass man ungeduldiger wird. In der Politik ist manches nicht so schnell umsetzbar wie man es gern hätte. Aber die nicht fremdbestimmte Terminplanung ist schon ein Luxus, den ich genieße.

Was macht der Rentner Röder?

Ich werde sicherlich in der CSU-Kreistagsfraktion weiter aktiv sein, ich bin ja auch stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Und dann ist das Thema Seminargestaltung. Ich hab mein erstes „Webinar“ gehalten, einen Einführungskurs für neue Bürgermeister und Gemeinderäte mit über 100 Teilnehmern. Und Reisen würd ich gerne wieder und ein bisschen mehr kulturelle Veranstaltungen besuchen.

Und ganz an den Gardasee ziehen?

Nein. Wir renovieren gerade zuhause. Ich bin da gerne im Urlaub, aber nicht für immer.

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