Eine professionelle Kinderbetreuung wünschen sich viele Eltern. Doch in den Randzeiten wird es schwierig: Mit Blick auf den Erziehermangel setzen Kitas ihr knappes Personal lieber in den Kernzeiten ein.
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Eine professionelle Kinderbetreuung wünschen sich viele Eltern.

Alling

Kita-Container: Kirche will Pacht für Areal

Die Gemeinde Alling muss künftig für die Aufstellung von Containern für die Kinder- und Schülerbetreuung auf der Pfarrwiese Miete zahlen. Dieser Entscheidung der Kirchenverwaltung hat sich der Gemeinderat notgedrungen gebeugt. Intern gab es aber Kritik – schließlich sei man Partner beim Bau des neuen Kinderhauses.

Alling – Die Pacht für gut 800 Quadratmeter Grund beträgt jährlich rund 6500 Euro. Sollte die provisorische Unterbringung nicht nur für eine Kindergarten- und eine Hort-Gruppe gebraucht werden, sondern auch die private Mittagsbetreuung einziehen, erhöht sich die Summe auf über 10 000 Euro. Träger aller Kitas in der Gemeinde, samt ausgelagerten Gruppen, ist die Kirchenstiftung des Pfarrverbandes Eichenau-Alling. Bisher war die Nutzung kostenlos.

Unter dem damaligen Bürgermeister Frederik Röder war vor drei Jahren eine Vereinbarung mit der Kirche getroffen worden. Zwar hatten die Planungen für ein neues Kinderhaus bereits begonnen. Doch dann war die Nachfrage nach Kita-Plätzen stark gestiegen, und so musste sich die Gemeinde mit einer Zwischenlösung behelfen. Und da kein eigener Grund zur Verfügung stand, erlaubte die Kirche die Container-Aufstellung auf der Pfarrwiese. Dort gab es gelegentlich Feste, auch die Fronleichnamsprozession endet dort, aber ansonsten war die Wiese ungenutzt.

Immer teurer

Teils wegen Corona, vor allem aber aufgrund von Ausschreibungen, deren Ergebnisse weit über den Baukosten-Schätzungen lagen, wird das geplante Kinderhaus immer teurer. Und die Fertigstellung verzögert sich. Pessimisten reden schon vom Jahr 2024. So hätte man erwarten können, dass es bis auf Weiteres bei einer kostenfreien Nutzung der Wiese bleibt. Schließlich kann die politische Gemeinde nichts für die Verzögerungen – und schließlich sind beide Seiten Partner. Vom neuen, großen und modernen Kinderhaus profitieren nicht zuletzt der Träger der Kitas und seine Beschäftigten. Auch in den Containern arbeitet ja kirchliches Personal.

Die Stiftungsaufsicht, die erzbischöfliche Finanzkammer, sah das aber offenbar anders und forderte eine angemessene Erstattung für die Nutzung von Stiftungsvermögen. Und diese Sicht wird im örtlichen Verwaltungsrat durchaus geteilt. Zwar will sich Mitglied Brigitte Naßl, früher Gemeinderatsmitglied in Alling, nicht öffentlich äußern – „da halte ich mich raus“. Aber Kollege Walter Herz, heute CSU-Fraktionschef im Gemeinderat, sagt etwas. Und zwar Folgendes: „Ich halte die verlangte Pacht für einen maßvollen Beitrag.“ Errechnen soll sie sich aus dem Bodenrichtwert abzüglich eines „Nachlasses“ von zwei Dritteln.

Der Verwaltungsleiter des Pfarrverbands Eichenau-Alling, Dieter Rubenbauer, spricht von einem „ganz normalen Vorgang“. Schließlich sei es gemeindliche Pflichtaufgabe, die Kinderbetreuung entweder selbst zu übernehmen oder dem gewählten Träger die Gebäude zur Verfügung zu stellen. „Unser Verschulden ist es auch nicht“, sagt er zum verzögerten Kinderhaus-Bau. Er habe in seiner Zeit als Gröbenzeller Bürgermeister schon einmal „in drei Jahren einen Kindergarten von der Planung bis zum Bezug fertig gehabt“.

Kritik

Der Gemeinderat hatte die Vereinbarung in nicht öffentlicher Sitzung beraten und beschlossen. Dass die Neuregelung dort „von niemandem für anstößig gehalten“ wurde, wie Herz dem Tagblatt sagte, können andere Gemeinderatsmitglieder nicht bestätigen. Die Grünen kritisierten das kirchliche Vorgehen, ein Landwirt aus Biburg soll angesichts solcher Quadratmeterpreise eigene Wiesen für ein Kinderhaus angeboten haben. „Guter Stil war es mit Sicherheit nicht“, meint ein Altgedienter aus der Runde.

Allein, was wären die Alternativen? Die Gemeinde hat über 100 000 Euro für Fundament und Anschlüsse ausgegeben, die dann umsonst investiert wären. Andere erschlossene Grundstücke sind auch nicht in Sicht.

Der neue Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren. Eine vorzeitige Kündigung – sollte das Kinderhaus doch früher fertig werden – ist laut Herz nicht möglich. Rubenbauer spricht jedoch von „Vorkehrungen, dass niemand übervorteilt wird“.

Im vergangenen Jahr machten Hort, Kindergarten und Krippe ein Betriebskosten-Defizit von insgesamt über 80 000 Euro. Die Gemeinde ist vertraglich verpflichtet, das Minus auszugleichen. Über andere Träger für die Kinderbetreuung als nur die Kirchenstiftung wurde in Alling in den vergangenen Jahren nicht diskutiert. (op)

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