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Am Sonntagabend wird die Frage geklärt sein: Stellt die CSU oder die ABV den Bürgermeister in Alling?

Kommunalwahl 2020

Stichwahlkampf während der Corona-Krise

Für die beiden Stichwahl-Kontrahenten aus Alling ist die Corona-Krise alles beherrschend. Sie erschwert nicht nur den Wahlkampf, sondern wirkt sich wohl auch auf die Arbeit des zukünftigen Bürgermeisters aus.

Alling – Nur eines ist gewiss: Am Sonntagabend wird der neue Bürgermeister von Alling feststehen. Schon letzte Woche wurden alle Haushalte mit Briefwahl-Unterlagen versorgt, Engpässe – wie in anderen Kommunen befürchtet – gab es nicht. Vor der Stichwahl führt CSU-Kandidat Stefan Joachimsthaler, der im ersten Wahlgang auf 47,3 Prozent der Stimmen gekommen war. Sein Gegner ist Hans Schröder von der Allinger Bürgervereinigung (ABV), der vor zwei Wochen 38,1 Prozent erreicht hatte. Stefan Diemling von der Bürgerschaft Alling (BsA) war mit 14,6 Prozent ausgeschieden.

Corona stellt Bürgermeister-Wahl in den Hintergrund

Der öffentliche Wahlkampf ist zum Erliegen gekommen, vergangene Woche – noch vor den Ausgangsbeschränkungen – wurden die letzten Plakate geklebt und die letzten Flyer verteilt. Nur in den Netzwerken wird vereinzelt noch Stimmung gemacht. Die beiden Kandidaten verweisen unisono darauf, dass es derzeit ein alles bestimmendes Thema gibt – das Coronavirus – und die Bürgermeister-Wahl in den Hintergrund tritt. Wenngleich der neue Rathaus-Chef auch prompt als Krisenmanager gefragt sein könnte.

Schröder macht sich zwar „Sorgen in alle Richtungen“ – um die Bevölkerung, die Gemeinde, auch um seinen eigenen Elektro- und Sanitär-Betrieb, der mit Notbesetzung läuft. Aber wenn die Krise lange andauere, werde sich das über die Gewerbesteuer auch auf die Gemeinde-Finanzen auswirken: Kann man dann noch Aufträge vergeben wie bisher oder sollte man es gerade deshalb tun und lässt die Kommunalaufsicht eine höhere Verschuldung zu?

Wähler sollen noch einmal motiviert werden

Joachimsthaler, der ein Nachbarschaftshilfsprogramm initiiert hat, sieht in der Krise auch eine Chance, denn der Zusammenhalt der Menschen könnte gestärkt werden. Aber das örtliche Gewerbe werde sicher Unterstützung brauchen, vielleicht könne er als Bürgermeister da informierend und vermittelnd helfen.

Ein Ziel, auf das man monatelang hingearbeitet hat, bleibt trotz allem wichtig. Und so wirbt Joachimsthaler, der die absolute Mehrheit knapp verfehlte, aber auch keinen haushohen Vorsprung eingefahren hat, vor allem darum, zu wählen. Einige Anhänger, so die Sorge, könnten das Rennen schon für gelaufen halten.

Steigt die Wahlbeteiligung durch die reine Briefwahl?

Gegen den CSU-Mann, der nur sechs Jahre Gemeinderatserfahrung hat und in den Sitzungen auch nicht zu den Wortführern gehörte, baut Schröder auf seine jahrzehntelange Routine: 24 Jahre Gemeinderat, sechs Jahre davon Zweiter Bürgermeister und eigentlicher CSU-Nachfolgekandidat des scheidenden Bürgermeisters Frederik Röder, hätten sich nicht beide überworfen und Schröder seine eigene Gruppierung aus dem Hut zaubern müssen. Auch Zukunft brauche Erfahrung ist sein Slogan. Wobei er damit warb, dass er seit 28 Jahren Mitarbeiter in seinem Betrieb zu führen verstehe.

Dass es nur Briefwahl gibt, macht Prognosen für den Sonntag nicht einfacher. Wenn jeder die Unterlagen frei Haus kriegt, könnte die Wahlbeteiligung steigen –falls denn die Wähler auch zum Briefkasten oder zum Rathaus gehen. Schröder kann sich vorstellen, dass traditionelle CSU-Wähler schon vor zwei Wochen ihr Kreuzchen machten, Unentschlossene könnten dagegen jetzt erst eingreifen.

Andere Parteien geben keine Wahlempfehlung ab

Alle anderen wichtigen politischen Gruppierungen haben sich vor der Stichwahl herausgehalten. Die Bürgerschaft Alling wird den 14 Prozent Diemling-Wählern keinen Rat geben. Jeder der beiden Kandidaten habe seine Kompetenzen, findet die Vorsitzende Ingrid Schilling. Die Freien Wähler (FW) sind sich laut ihrem Chef Hans Friedl „sicher, dass die Wähler die richtige Entscheidung treffen“. Die Mitglieder tendierten bei einer telefonischen Umfrage dazu, keine Empfehlung abzugeben. Ebenso neutral bleibt die Dorfgemeinschaft Biburg-Holzhausen. Kein Geheimnis ist aber, dass die Sympathien eher bei dem ehemaligen Kollegen Joachimsthaler liegen.

Umgekehrt ist schwer vorstellbar, dass bisherige Grünen-Wähler zur CSU überlaufen, aber auch die für Alling neue Partei hat sich nicht geäußert. Nur die seit der Wahl unbedeutendste politische Gruppierung glaubte, eine Wahlempfehlung abgeben zu müssen: Hubert Winkler (SPD), demnächst einziger Gemeinderat einer 3,5-Prozent-Partei, sprach sich per Flugblatt für Schröder aus. In dessen Betrieb arbeitet sein Sohn.

von Olf Paschen

Hier finden Sie noch einmal alle Wahlergebnisse aus allen Kommunen im Landkreis. Auch der neue Gemeinderat in Alling steht bereits.

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