13 der 16 in Alling lebenden Asylbewerber, die zur langen Anhörungs-Tortur nach Manching mussten. tb-foto

Helferkreis kritisiert Anhörungs-Wirrwarr der in Alling lebenden Asylbewerber

Nach der Flucht auf Behörden-Odyssee

Alling – Frühe Anfahrt, lange Wartezeiten und eine angespannte Atmosphäre: Für 16 in Alling lebende Flüchtlinge wurde die erste Anhörung zum Asylverfahren zu einer wahren Odyssee. Verständnis von den Behörden gab es keine, kritisiert Astrid Jäger vom Helferkreis.

Die Freude über den Interview-Termin wich schnell einer gewissen Ernüchterung. Um 8 Uhr morgens sollen die 16 Asylbewerber in Manching bei Ingolstadt sein. Und zwar alle 16 – darunter sechs Kleinkinder und zwei Neugeborene. Eine Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt nicht in Frage. „So früh geht kein Bus“, sagt Jäger.

Der Versuch, den Termin zu verlegen, wurde von den zuständigen Behörden regelrecht niedergebügelt, wie die Asylhelferin beschreibt. So hieß es, die Flüchtlinge müssten die sechs Kilometer zur S-Bahn eben zu Fuß gehen – auch die Wöchnerinnen und eine alte Frau. „Die haben schon Schlimmeres erlebt“, habe sie als Aussage bekommen, sagt Jäger. Und: „Fahren Sie doch die Leute zur S-Bahn, wenn Sie schon so engagiert sind.“

Jägers Kommentar dazu: „Es gibt Momente, in denen man sich als Ehrenamtlicher ausgenützt fühlt – allerdings nicht von den Flüchtlingen.“ Bei den Betreuern habe großes Unverständnis geherrscht, bei den Asylbewerbern gar Verzweiflung.

Nach langem hin und her konnte der Helferkreis schließlich privat einen Kleinbus, zwei Pkw und acht Kindersitze organisieren. Um 6 Uhr ging es los zur Kaserne in Manching. Doch da war die Odyssee noch lange nicht beendet. Jäger berichtet von angespannter und bedrückter Stimmung in einem beengten Warteraum, in dem etwa 80 Flüchtlinge auf ihr Interview warteten.

„Von Seiten der Aufseher gab es nur eisige Mienen“, sagt die Asylhelferin. Sogar bei ihr selbst sei die Stimmung gesunken: „Obwohl ich nichts zu befürchten hatte, war ich nervös und bemühte mich, unsere allmächtigen Bewacher nicht zu verärgern.“ Von 8 bis 10 Uhr mussten die Allinger Helfer warten, ehe der erste Flüchtling aus ihren Reihen aufgerufen wurde.

Als Toiletten seien nur eine Reihe alter Dixi-Klos zur Verfügung gestanden. Und, so Jäger: „Hände waschen? Fehlanzeige!“ Auch zum Essen habe man sich nichts kaufen können. Bis in den Nachmittag hinein habe sich der Aufenthalt in Manching gezogen – inklusive langer Wartezeiten zwischen dem Nehmen der Fingerabdrücke, dem Leisten von Unterschriften und Nachfragen zu einer Urkunde. Die Flüchtlinge hätten zwar nicht gemurrt („Sie haben viel Schlimmeres erlebt“). Jäger war dagegen restlos bedient: „Ich habe mich an diesem Tag geschämt.“

von Andreas Daschner

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