Kerstin Polsterleitet die Grundschule in Alling.    Foto: tb

In Alling

Die neue Rektorin und ihr Traumberuf

Alling – Traumberuf Lehrerin? Vor knapp 40 Jahren gab es so etwas noch. Da machte die kleine Kerstin am Nachmittag aus ihrem Kinder- ein Klassenzimmer. Längst muss Kerstin Polster nicht mehr Schule spielen, sondern darf ihren Traum leben: als Rektorin.

Schon als kleines Kind wusste Kerstin Polster genau, was sie werden wollte – und was alles zu ihrem Traumberuf dazu gehört. Ihre kleineren Geschwister mussten als Schüler herhalten und für die verfasste sie sogar Arbeitsblätter in Lesen, Rechnen und Schreiben.

Unterrichten und das mit Freude, wie sie sagt, tut sie immer noch, nur kommt sie heute nicht mehr ganz so oft dazu. Denn Kerstin Polster ist zwar wirklich Lehrerin geworden, aber seit diesem Herbst ist sie auch Rektorin – an der Allinger Grundschule. Nach acht Jahren in Germering und einem Jahr in Gröbenzell hatte sie sich auf die frei gewordene Stelle beworben. Ihre Vorgängerin Gudrun Beck war auf den Chefsessel der Ährenfeldschule in Gröbenzell gewechselt.

Kerstin Polster ist in einem Dorf in der Fränkischen Schweiz aufgewachsen („Da fährt der Schulbus durch und das war’s“) und wollte wieder an eine kleine, familiäre Schule in eher ländlicher Umgebung. Außerdem kannte sie Alling von einer Fortbildung und hatte damals den angenehmen „Geist der Schule“ erlebt. Auch in den ersten Wochen hier hat sie keine gegenteiligen Erfahrungen gemacht, sondern fühlt sich freundlich aufgenommen. Was auch daran liegen mag, dass sie mit der Devise „Erst mal hinhören und schauen, was läuft“ angefangen hat. Nur weil man neu sei, wisse man noch nicht alles besser.

"Stillstand ist Rückschritt"

Grundsätzlich gehört die 41-Jährige aber schon zu den Veränderungswilligen. Schule könne man immer verbessern, „Stillstand ist Rückschritt“, sagt die heutige Personalrätin und ehemalige Landesvorsitzende der Junglehrerschaft im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), die zu ihrer Zeit nicht zu den Leisetretern gegenüber dem Kultusministerium gehörte. Ihr Hauptthema: Die damalige Einstellungspraxis, viele Junglehrer standen auf der Straße.

Und es gab damals auch ein Thema, das sie heute noch beschäftigt: Das anfängliche Überengagement vieler junger Kollegen, die bald nur noch „Schule und Schlafen, sonst gar nichts mehr“ kennen würden. Aus diesem Alter ist Polster heraus. Sie hält sich zwar auch für eine belastbare „Viel- und Langarbeiterin“, aber sie lässt wenigstens einen Tag am Wochenende Schule Schule sein. Dann ist sie an der frischen Luft, beim Garteln oder Radeln, oder, wenn’s draußen frischer wird, beim Sockenstricken, ein von der Oma geerbtes Talent.

An der Uni in Bayreuth gab es eine Zeit, als sie am Traumberuf zweifelte und Biologie und Chemie nicht explizit fürs Lehramt studierte. Aber schließlich siegte doch der pädagogische Anspruch – und Bio und Chemie kommen ja schließlich auch irgendwie im Heimat- und Sachkunde-Unterricht vor.

Nur Musik ist vielleicht nicht ihr Lieblingsfach. „Ich singe gerne, aber manche Kollegen können es besser“, findet sie, um dann gleich von einem typischen Erwachsenenproblem, nämlich den Zweifeln an der eigenen Qualität, zu reden. Was die Kinder betrifft: Sie selber habe noch nie eine Klasse gehabt, in der ihr der Unterricht kein Vergnügen bereitet habe, versichert Polster. Aber Schule könne eben nicht nur Spaß machen, auch sich anstrengen könne befriedigend sein.

„Kinder, euer Beruf ist Schüler“, sagt sie manchmal. Und wie in jedem Beruf kann man auf mehr und auf weniger Leistungsfähige treffen. Aber „schwierige“ Kinder gebe es nicht, sagt sie. Nur unterschiedliche. (op)

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