+
Rund 50 Stunden saß Daniel Götz aus Alling am Computer und am Telefon, um die Produktion der Schutzschilder zu organisieren. 

Corona-Krise

Der Schutzschild-Organisator aus Alling

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
    schließen

Hygienische Schutzausrüstung ist in der Corona-Krise gefragter denn je. Deshalb hat sich eine Gruppe Automobil-Ingenieure zusammengetan, um im großen Stil Schutzschilder herzustellen. Ein logistischer Kraftakt, bei dem der Allinger Daniel Götz sein ganzes Organisationstalent aufbieten musste.

Alling – Wer sich in seinem Autositz besonders wohl fühlt, hat das womöglich Daniel Götz zu verdanken. Der gelernte Ingenieur für Verfahrenstechnik entwickelt eigentlich Komponenten bei einem Automobil-Dienstleister – unter anderem für den Sitzkomfort. Ein schöner Job, sagt der 39-Jährige. Doch die Corona-Krise hat den Allinger nachdenklich werden lassen. Er wollte helfen – irgendwie. Als dann ein Anruf eines Kollegen kam, der in seiner Quarantäne-Zeit per 3D-Druck ein Schutzschild entwickelt hatte, war Götz Feuer und Flamme. „Natürlich habe ich sofort zugesagt, bei dem Projekt zu helfen.“

Die Unterstützung des Vertriebs-Profis war dringend nötig. Denn so faszinierend die Technologie des 3D-Drucks auch ist – für eine Massenproduktion der Schilder ist sie nicht geeignet. Schnell war dem 39-Jährigen und den anderen Ingenieuren klar, dass die Bügel, die das transparente Schutzschild am Kopf halten, nur im so genannten Spritzgussverfahren in größeren Mengen hergestellt werden können.

Jetzt war das Netzwerk des Allingers gefragt. Götz hat viele Kontakte zur Industrie und ins Handwerk. Der Ingenieur machte sich auf die Suche nach Partnern für das Projekt. Gebraucht wurde eine Firma, die das Spritzguss-Werkzeug herstellt, ein Unternehmen, dass die Teile fabriziert und ein Lieferant für den Kunststoff. Gut 50 Stunden hing der Allinger am Telefon, schrieb E-Mails, organisierte Treffen. Dann stand das neue Netzwerk.

Spendenplattform

Weil für die Spritzguss-Form aber immer noch rund 20 000 Euro fällig wurden, brauchte es einen Geldgeber. Den fanden die Ingenieure in dem Münchner Verein Heimatstern. Der unterstützt benachteiligte Menschen und sagte 10 000 Euro zu. Der Rest kam über eine Spendenplattform im Internet zusammen.

Mittlerweile läuft die Produktion der Schilder auf Hochtouren. Gut 7500 Schilder wurden bisher gefertigt. Sie gehen an Firmen, Behörden, Institutionen oder Krankenhäuser – für fünf Euro das Stück. Das Geld geht an den Heimatstern, der damit wieder Projekte finanzieren kann. Organisationen, die keinen großen finanziellen Spielraum haben, bekommen sie umsonst. So habe man etwa einem ambulanten psychologischen Hilfsdienst bereits helfen können, sich geschützt um seine Patienten kümmern zu können.

Die Ingenieure haben das Projekt ehrenamtlich auf die Beine gestellt. Entlohnt wurden sie trotzdem – mit vielen E-Mails und Anrufen, in denen sich die Empfänger der Schutzschilder bei ihnen bedanken. Darüber freut sich Daniel Götz ganz besonders. „Es ist schön, etwas zu machen, das einen Mehrwert für die Gesellschaft hat.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Fahrschein-Kontrolle eskaliert: Bahn-Mitarbeiter gewürgt - Mann (24) rastet aus und muss fixiert werden
Fahrschein-Kontrolle eskaliert: Bahn-Mitarbeiter gewürgt - Mann (24) rastet aus und muss fixiert werden
Coronavirus in FFB: 16 neue Infektionen - wieder Reise-Rückkehrer betroffen
Coronavirus in FFB: 16 neue Infektionen - wieder Reise-Rückkehrer betroffen
Corona-Lage in Bayern spitzt sich zu: Immer mehr Schüler in Quarantäne - ganze Klassen vom Unterricht ausgeschlossen
Corona-Lage in Bayern spitzt sich zu: Immer mehr Schüler in Quarantäne - ganze Klassen vom Unterricht ausgeschlossen

Kommentare