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Eine Schulklasse im „Alten Schulhaus“ am Kirchberg: Wann war das? Wer erkennt sich wieder? Das Bild stammt aus dem Nachlass der Großeltern von Andrea Binder. Informationen dazu gibt es (noch) nicht.

Bürger sollen mithelfen

Sie löst die Rätsel im Allinger Archiv

Alling - Andrea Binder arbeitet sich seit zwei Jahren durch das Allinger Gemeindearchiv. Immer wieder entdeckt sie Interessantes und Kurioses – manches erklärt sich selbst durch die Funde. Oft lösen alte Fotos aber neue Fragen aus – deshalb bittet die Archivarin die Bürger um Hilfe.

Die Besucher der jüngsten Bürgerversammlung wurden nicht nur über die letzten zwölf Monate in der Gemeinde informiert, sondern konnten vor dem Bürgerhaussaal einen Blick in die Vergangenheit werfen. Ein Schwarz-Weiß-Foto von 1936 etwa zeigte den Weg hinauf zur Pfarrkirche, sie sieht aus wie ein abgelegenes Gotteshaus in den Bergen. Auf anderen Schautafeln klebten Zeitungsausschnitte über den früheren Bader und weniger geheure Gestalten aus dem örtlichen Sagenschatz.

Die Mär vom Mann ohne Schatten

Die kleine Ausstellung war eine Idee der Gemeindearchivarin Andrea Binder, die beim Sortieren immer wieder auf alte Fotos und Dokumente aus der Ortsgeschichte trifft, die für die breitere Bevölkerung interessant sind. Die Schau sollte die Allinger animieren, mit eigenen Dokumenten oder Fotos das Archiv zu unterstützen. Kein Original muss hergegeben werden, wie Andrea Binder immer wieder betont. Heutzutage kann alles kopiert und gescannt werden.

Einige der präsentierten Fundstücke muten etwas gruselig an. Ein früherer Kollege – die alten Zeitungsartikel stammen in der Regel aus dem Brucker Tagblatt – hatte offenbar eine kleine Serie mit unheimlichen Geschichten geliefert. So die Mär vom Mann ohne Schatten, der einen fast zu Tode erschrockenen Bauern von Holzhausen nach Alling in mondheller Nacht begleitete. Oder die Legende vom „feurigen Manndl“, das sich auf dem Ross eines Fuhrmanns niederließ und erst nach einem Stoßgebet wieder verschwand.

Ein Licht auf das Alltagsleben wirft dagegen das Porträt des letzten praktizierenden Baders im Landkreis: der Allinger Max Brunner. Als er 1955 in einem Artikel vorgestellt wurde, war der approbierte Heilkundige noch berechtigt, kleinere chirurgische Eingriffe vorzunehmen, praktisch fungierte er als Gemeindesanitäter und Krankenpfleger. Sechs Jahre später, als die Zeitung zum 70. gratulierte, war er nur noch Friseur. In seinem Haus Am Weinberg hatte aber auch noch die Gemeindekanzlei ihren Sitz. Ein Rathaus gab es noch nicht.

Kurios ist eine Episode über den Bergmaier Schorsch, der in Alling geboren – und auch zu Grabe getragen – wurde, aber sein Leben als offenbar wohlhabender Schlossermeister in München verbrachte. In die Schlagzeilen geriet er, nachdem er dem damaligen Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel am Münchner Flughafen einen Nelkenstrauß ins Gesicht geschlagen hatte. Laut der etwas undurchsichtigen Vorgeschichte war er angefressen, weil doch er die Olympischen Spiele nach München geholt habe, sein Wirken aber von der Stadt unterschlagen wurde. Offiziell geehrt wurde er dann, zum 80. Geburtstag, von Vogels Nachfolger Georg Kronawitter. Freilich nicht als Olympia-Macher, sondern für seine großzügige Spende von 263 000 Mark für den Wiederaufbau der Münchner Mariensäule. Die Verbindung nach Alling war allerdings nie abgerissen: Auch für die Renovierung der dortigen Pfarrkirche hatte er einen ansehnlichen Betrag gespendet.

Früherer Rektor vergaß Datierung

Solche und viele andere Beiträge aus der Heimatzeitung hatte Binders früher Vorgänger Herbert Kuhn in insgesamt fast 20 Ordnern zusammengetragen. Der eifrige Sammler bewahrte auch andere Dokumente, Fotos und Postkarten auf, die teilweise auch als Material für seine kleine Chronik über Alling dienten. Ein besonderes Augenmerk galt der Schule, deren Neubau er vor 50 Jahren als Rektor eröffnen durfte.

Etwas nachlässig war der Herr Lehrer nur bei der Beschriftung: Auf vielen Artikeln und Fotos fehlt eine Datierung. Gerade bei den Bildern, auf denen Menschen abgebildet sind, hofft Binder auf ältere Allinger, die sich noch an das Wann und Warum erinnern können. Und vielleicht haben solche Tippgeber ja auch noch Material aus früherer Zeit.

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