Die Allinger Unternehmerin Patricia Eschenlohr ist Sprecherin des Sachverständigenrats Bioökonomie Bayern.
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Die Allinger Unternehmerin Patricia Eschenlohr ist Sprecherin des Sachverständigenrats Bioökonomie Bayern.

Seit November im Gremium

Allinger Unternehmerin berät Bayerns Regierung und setzt sich für Bio-Wirtschaft ein

Die Gründerin eines Allinger Unternehmens gehört seit kurzem zu den hochrangigsten Beratern der bayerischen Staatsregierung. Der Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern wählte im Beisein von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger jüngst Patricia Eschenlohr zu seiner neuen Sprecherin. Die 38-Jährige gehörte dem Experten-Gremium als Vertreterin der Bio-Wirtschaft erst seit vergangenen November an.

Alling - Zusammen mit ihrem Mann hat sie die Firma „Landpack“, einen Hersteller von natürlichen Verpackungs- und Isolier-Materialien, aufgebaut.

Der Sachverständigenrat (SVB) wurde erstmals vor sechs Jahren, damals noch vom Landwirtschaftsminister, berufen. Die Zielsetzung war (und ist) durchaus ehrgeizig. In einem Grundsatzpapier beschreibt er die Bioökonomie als ein Wirtschaftssystem, das Klimaschutz, Wohlstand und globale Gerechtigkeit miteinander vereinbaren könne. Die „post-fossile Gesellschaft“ erlaube eine Entkoppelung von (wirtschaftlichem) Wachstum und Umweltverbrauch. Kern-Aufgabe des Rats ist, der Staatsregierung für einen solchen Transformationsprozess die notwendige Expertise zu liefern.

Zu den zwölf Mitgliedern gehören Wissenschaftler, darunter ein Sozialethiker, Leiter von Forschungsabteilungen aus der freien Wirtschaft und eben Praktiker aus den Unternehmen der Branche. Das Gewicht der Letzteren sollte in dem Gremium offenbar wachsen, nicht mehr vor allem Professoren sollten den Sachverstand liefern. Außerdem war eine Stärkung des weiblichen Parts gewünscht, vermutet Eschenlohr. Die Mitglieder werden vom Minister berufen.

Unter Bioökonomie wird Wirtschaften auf der Basis nachwachsender Pflanzen verstanden

Die Bioökonomie ist ein weites Feld. Grundsätzlich bezeichnet sie alles Wirtschaften auf der Basis nachwachsender Pflanzen, geht aber weit über Land- und Forstwirtschaft hinaus. Natürliche Baustoffe und Bio-Kunststoffe finden auch in Gewerbe und Produktion immer mehr Verwendung. Die Staatsregierung hat eine eigene „Bioökonomie-Strategie“ entwickelt, mit der unter anderem 50 einzelne Projekte gefördert werden sollen.

Jüngstes, gerade gestartetes Kind ist ein Praxistest mit wiederverwendbaren Tüten in Straubing, dem Sitz der SVB-Geschäftsstelle. In vier Märkten der Stadt können die Kunden ihr Gemüse und Obst in kompostierbaren Beuteln abfüllen und lagern, bevor die Behältnisse später zur Entsorgung von Küchenabfällen im Biomüll dienen. Mit dabei sind auch die großen Einzelhandelsketten. Diese und andere Modellversuche zu begleiten und auf ihre Wirksamkeit zu prüfen, gehört zu den Aufgaben der Sachverständigen.

Mit Verpackungen kennt sich auch die neue Vorsitzende aus. Ihr Unternehmen „Landpack“ stellt isolierende und stoßdämpfende Verpackungen vor allem aus Stroh, zunehmend auch aus Hanf her. Kunden sind vor allem Lebensmittel-Unternehmen, die gekühlte oder gefrorene Ware an den Handel liefern müssen,

Wirtschaftskreisläufe sollen möglichst dezentral werden

Theoretisch könnte auch Ware mit höheren Temperaturen transportiert werden. Warm gehaltenes Essen beispielsweise wird aber praktisch noch ausschließlich in Kunststoff-Verpackungen geliefert. Und der Endverbraucher kommt in der Regel ohnehin nicht in den Genuss solcher Behältnisse, sie wären wohl auch noch zu sperrig, wenngleich das kleinste Format schon in einen Fahrradkorb passen könnte, wie Eschenlohr abschätzt. Landpack bezieht soweit möglich Rohstoffe aus der Region, das Stroh kommt allein aus dem Landkreis. Gewöhnlich von Landwirten, wenngleich es einige Firmen-Testfelder gibt. Lange Transportwege wären auch ein Widerspruch zur Philosophie von möglichst dezentralen Wirtschaftskreisläufen, die Teil einer künftigen Bioökonomie sein sollen.

Das ehemalige Start-Up-Unternehmen wurde in Puchheim-Ort gegründet, wo Patricia Eschenlohrs Schwiegereltern zuhause sind. Die Firma mit 35 Mitarbeitern hat ihren eigentlichen Sitz aber seit fünf Jahren in Alling. Über Umsatz-Zahlen oder Gewinne äußert sich die Gründerin, die sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, nicht. Aber die Nachfrage soll weit höher sein als die eigenen Produktionsmöglichkeiten. Die studierte Kulturwissenschaftlerin und spätere Unternehmensberaterin lebt mit Mann und zwei Kindern in München. (op)

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