Zutritt erst ab 18 Jahren: In Alling an der Gilchinger Straße eröffnet bald eine Spielothek. symbolfoto: Britta Pedersen/dpa

In Alling

Trotz Bedenken kommt die erste Spielothek

Alling – Die Gemeinde Alling bekommt ihre erste Spielothek. Gegen die Stimmen von Freien Wählern (FW) und Bürgerschaft Alling (BsA) befürwortete der Gemeinderat ein entsprechendes Etablissement an der Gilchinger Straße.

Der künftige Pächter erhielt in der Sitzung Gelegenheit, den Bauantrag zu begründen und wehrte sich gegen Vorwürfe, mit einer solchen Einrichtung die Spielsucht zu fördern. Die Gegner sahen vor allem die Jugend gefährdet. Entstehen sollen auf dem Grundstück ein Salon mit zwölf Automaten, räumlich getrennt davon eine Sportsbar und im Obergeschoss Büros.

FW-Fraktionschef Hans Friedl sprach von großer Skepsis in der Bürgerschaft gegenüber dem Vorhaben, hatte aber auch persönliche Bedenken: In seiner näheren Verwandtschaft sei eine Existenz durch die Spielsucht zerstört worden. Fraktionskollege Werner Neumann sah keinen Grund, in Alling mit „reiner Geldmacherei“ die Automaten-Abhängigkeit der Jugend noch zu fördern. Stattdessen könne man einen Billardsalon bauen. Ingrid Schilling (BsA) stieß sich am Standort nahe Sportplatz, wodurch Minderjährige in Versuchung geraten könnten.

Bürgermeister Frederik Röder (CSU) bestätigte zwar Vorbehalte in der Bevölkerung. Ein Bürger hatte ihm geschrieben, dass ein Spielsalon „genauso wenig wie ein Swinger-Club“ nach Alling gehöre. Für Röder handelt es sich aber um einen kleinen Betrieb mit überschaubarem Publikumsverkehr. Der Zutritt sei erst ab 18 Jahren gestattet.

Sein Stellvertreter Hans Schröder (CSU) störte sich am Vorwurf der Geldmacherei: „Wenn er kein Geld macht, zahlt er auch keine Gewerbesteuer.“

„Ihr habt das in den Köpfen falsch drin“, fand der künftige Betreiber Gerhard Strunz, der außerhalb seines Heimatortes – die Automaten Strunz GmbH hat ihren Sitz im Gewerbegebiet Am Hartholz in Alling – schon mehrere Spielotheken eröffnet hat. Seine Salons seien allesamt TÜV-zertifiziert, wobei besonders auf den „Spielerschutz“ geachtet werde. Das Personal sei geschult und aufgefordert, offensichtlich Gefährdete anzusprechen. Frauen machten inzwischen 40 Prozent der Kunden aus, wirklich viel Geld könne man bei einem theoretischen Höchstverlust von 80 Euro in der Stunde nicht verlieren.

Die Betreiber selbst hätten kein Interesse an Spielsüchtigen, die oft aggressiv aufträten und das Image der Branche ramponierten. Spielotheken, so Strunz, seien heute „keine dunklen Löcher oder Räuberhöhlen, sondern freundliche Entertainment-Center“. Ein Gegenbeispiel aus Fürstenfeldbruck, das Ingrid Schilling anführte, ließ der künftige Inhaber als „uralten Laden“ und „Boazn“ nicht gelten. Und auch ihre Sorge, dass „die neuen Mitbürger“ ihr weniges Geld durchbringen könnten, verfing nicht. Auch Asylbewerber, weil ohne gültigen Ausweis, haben keinen Zutritt. (Olf Paschen)

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