Wasserversorgung beunruhigt die Allinger

Alling - Vor rund 300 Allingern in der Sporthalle hat Bürgermeister Frederik Röder (CSU) versucht, den Streit um die Wasserversorgung zu ordnen. Das Thema ist kompliziert – und wird die Gemeinde noch lange beschäftigen.

 Zwar schien der Rathauschef dem Beifall nach zu schließen mehr Anhänger auf dem Info-Abend zu haben. Aber auch die Initiatoren des schließlich obsolet gewordenen Bürgerbegehrens gegen einen Beitritt zum Wasserzweckverband WVA hatten ihre Anhänger in der Halle. Streitpunkt war insbesondere, warum sich die Gemeinderatsmehrheit so früh auf einen möglichen Partner festgelegt hatte, ohne andere Optionen zu prüfen. Offen blieb auch am Donnerstagabend, wie die Sanierung des Leitungsnetzes finanziert werden soll. Zur allseits akzeptierten Metapher für den Konflikt wurde eine „Waschmaschine“. Bevor sie eine solche anschaffe, vergleiche sie Modelle, sagte eine Mitinitiatorin der Unterschriftensammlung, die rund 750 Allinger unterstützt hatten. Soweit sei man leider gar nicht gekommen, entgegnete Röder. Zunächst hätte es um die Frage gehen sollen, wie überhaupt man Wäsche waschen könne, bevor man sich für einen bestimmten Waschmaschinen-Hersteller (WVA) entscheide. Das angelaufene Bürgerbegehren habe das verhindert.

Die Zweckverband-Gegner bezweifelten, dass der große Wasserversorger aus der Nachbarschaft die Sanierungskosten – die Rede ist von mindestens acht Millionen Euro – ohne weiteres übernommen hätte: „Umsonst hätten wir die neuen Rohre auch vom WVA nicht bekommen“, sagte eine Frau. Dennoch hätte es Verhandlungsspielraum gegeben, meinte der Wasserreferent des Gemeinderats, Thomas Muderlak (CSU), mit Blick auf die Trinkwasser-Schutzgebiete des Zweckverbands vor allem auf Allinger Flur.

Umstritten auch, ob die Gemeinde früher von den gewaltigen Investitionskosten hätte wissen können. Erst in den letzten Jahren hätten die Rohrbrüche deutlich zugenommen, sagten Röder und sein Bauamtsleiter im Rathaus. Er habe schon 2008 darauf gedrängt, das Problem ernst zu nehmen, sagte Hans Friedl, Chef der Freien Wähler im Gemeinderat. Wie es jetzt weitergehen soll, ist offen. Die Sanierung von bis zu 15 der 25 Kilometer Rohrnetz wie bisher allein über die Wassergebühren zu finanzieren sei „nicht mehr zeitgemäß“, meinte Kämmerer Rainer Kempka. Rücklagen für solche Aufgaben gibt es kaum, eine Alternative wäre eine Umlage in Form eines „Verbesserungsbeitrags“. Wobei wiederum unklar ist, in welchem Zeitraum ein wie großer Anteil des maroden Netzes saniert werden muss. „6000 Euro für jeden Haushalt in den nächsten sechs Jahren“, hatte ein Zuhörer ausgerechnet.

Obwohl Röder an diesem Abend ausdrücklich „keine politische Diskussion“, sondern nur informieren wollte, konnte er sich bisweilen doch nicht zurückhalten. Nicht mehr nur eine Stilfrage, sondern eine des Demokratie-Verständnisses sei es, wenn Gemeinderatskollegen einstimmig getroffene Entscheidungen auf Flugblättern wieder in Frage stellten. Und mit den Worten „Gut, dass du gesagt hast, was dir aufgetragen wurde“ verabschiedete er einen Kritiker nach dessen Wortmeldung. Aber nach den Worten eines anderen Allingers ist der Wasserstreit ohnehin nicht demokratisch gelöst worden. Ein Teil der 750 Unterzeichner bedauere inzwischen die Unterschrift. Und: „Die Mehrheit der Bevölkerung ist nicht gefragt worden.“ (op)

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