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Bei der Feierstunde: Walter Dürl (r. ) übergibt Helmut Brunner einen Löwen aus Bienenwachs, den er modelliert hat.  

Porträt

Als Spätberufener auf die Biene gekommen

Es war eine Riesenüberraschung für den Türkenfelder Walter Dürl, als er erfuhr, dass er eine Auszeichnung bekommen würde. Seine Vorstandskollegen vom Imkerverein Fürstenfeldbruck und Umgebung hatten ihn heimlich bei einem Wettbewerb des bayerischen Landwirtschaftsministeriums angemeldet.

TürkenfeldIm Ministerium wollte man Imker auszeichnen, die sich besonders um den Nachwuchs kümmern. Und das tut der 61-jährige Türkenfelder seit Jahren mit Leidenschaft.

Er selbst ist als Spätberufener auf die Biene gekommen. Mit Mitte 40 entdeckte der Berufsfeuerwehrmann durch jüngere Kollegen die Imkerei für sich. „Am Anfang habe ich so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, erzählt er. So benutzte er zum Beispiel gebrauchte Kästen – nicht ahnend, dass das für die Bienen krankheitsgefährdend war. „Und man schaut viel zu oft in die Kästen hinein.“ Das stört die Insektenvölker.

Bald war Dürl hundertfünfzigprozentig bei der Sache. Grundwissen holte er sich in Kursen, doch vieles erarbeitete er sich auch selbst. Um festzustellen, welche Form der Bienenhaltung am besten funktioniert, arbeitete er zwei Jahre lang mit sieben verschiedenen Systemen gleichzeitig und führte mit Hilfe von Excel-Tabellen Buch über den Zustand der Völker und die Honigernte.

Inzwischen ist um die Imkerei ein regelrechter Hype ausgebrochen, hat Dürl festgestellt. „Es gibt einen großen Zulauf von jungen Leuten, besonders auch von Frauen.“ In seinem Verein hat sich die Mitgliederzahl innerhalb von drei Jahren auf rund 170 verdoppelt.

Dürls Nachwuchsarbeit hat das ihre dazugetan. Er gibt Kurse an der Imkerschule in Landsberg, ist Ansprechpartner für die Neulinge im Verein und hat diesem sogar einen Lehrbienenstand beschert. Oft sei der Naturschutz die Motivation, in die Bienenzucht einzusteigen, berichtet Dürl. Gerade Frauen wollen „den Bienen helfen“. Denn das nützliche Insekt wird von vielen Seiten bedroht – von Parasiten, vom Klimawandel, von Agrarwüsten und Umweltgiften.

Der Türkenfelder hält aber nichts davon, in diesem Zusammenhang auf die Landwirtschaft zu schimpfen. „Die Bauern stehen ja selber mit dem Rücken an der Wand.“ Da ärgert er sich mehr über die Kleingärtner, die ohne Not Spritzmittel einsetzen.

Es gibt einige Dinge, die ihm sein Hobby fast verleiden – zum Beispiel die Notwendigkeit, seine Völker ständig vor Erkrankungen zu schützen („25 Prozent der Arbeit sind Vorbeugemaßnahmen gegen die Varroa-Milbe“). Oder die panischen Anrufe von Leuten, die sich von Bienen, Wespen oder Hornissen in ihrem Garten bedroht fühlen. „Der Mensch hat den Bezug zur Natur verloren“, bedauert der 61-Jährige. Dass die Farbkombination Schwarz-Gelb oft als Gefahrenkennzeichnung verwendet wird, macht die Sache nicht besser.

Mit seinem selbst konzipierten Bienengesundheitsmobil ist Dürl inzwischen schon über die Region hinaus bekannt geworden. Er kann damit krankheitsbedrohte Völker sanieren, die sonst vernichtet werden würden.

Honigernte wird im eigenen Haushalt verbraucht

Seine Honigernte wird hauptsächlich im eigenen Haushalt verbraucht. Dass bei den Dürls außerdem Kerzen und Skulpturen aus Bienenwachs zu finden sind, ist keine Überraschung – besonders wenn man weiß, dass Schnitzen und Modellieren weitere Leidenschaften des zweifachen Vaters sind. „Das kommt aber mittlerweile extrem zu kurz.“ Vielleicht ändert sich das jetzt, da er mittlerweile die Ruhephase seiner Alterszeit angetreten hat.

Eine seiner Skulpturen steht neuerdings sogar im Landwirtschaftsministerium – ein kleiner Bayerischer Löwe, den Walter Dürl Helmut Brunner als Geschenk zur Preisverleihung mitgebracht hatte. (os)

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