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Katharina Huber wurde 81 Jahre alt.

Nachruf

Als Wirtin war sie in ihrem Element

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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„Wenn ich nochmal jung wäre, ich würd’s genau wieder so machen.“ Diesen Satz hat Katharina Huber oft gesagt, wenn sie auf ihr Leben zurückschaute.

Steinach–  Sie war in einer Gastwirtsfamilie aufgewachsen, hatte in eine Gastwirtschaft eingeheiratet und war als Gastwirtin bis ins hohe Alter in ihrem Element. Im Landhotel Gasthof Huber in Steinach klafft nun eine schmerzliche Lücke. Katharina Huber ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Sie stammte aus dem Nachbarort Hausen bei Hofhegnenberg, keine drei Kilometer von Steinach entfernt. Im Mai 1938 wurde sie als drittes von vier Kindern in eine Landwirtschaft mit Gasthof hineingeboren und ging nach der Schule als Herdmädchen in die Lehre. So nannte man damals eine angehende Köchin.

Nach Stationen in Bad Wörishofen, Sonthofen und Mering kehrte sie nach Hause zurück und lernte Franz Huber kennen, den sie 1959 heiratete. Dass ihr Angetrauter 14 Jahre älter war, störte sie nicht. „Er hat aber auch gut und jung ausgeschaut“, erzählt Sohn Karl Huber und schmunzelt. Er ist das mittlere der drei Huber-Kinder und führt den Gasthof, der auch viele Stammgäste aus dem dem Brucker Land hat, inzwischen in dritter Generation. Seit 1914 ist der Betrieb, der einst Postkutschenstation war, im Familienbesitz.

Sieben Tage die Woche von früh bis spät arbeiten – das war für Katharina Huber ganz normal. In der Anfangszeit stemmte sie Küche, Schankbetrieb und Service allein, erst später wurden Küchenhilfen und Bedienungen eingestellt. Bis in die 1970er-Jahre hinein gab es keinen Ruhetag. Die Chefin war morgens die erste und abends die letzte. Ihre Mitarbeiter respektierten sie, weil sie niemanden von oben herab herumkommandierte, sondern genauso schuftete wie alle anderen.

Die Gäste liebten sie, weil sie auf jeden offen zuging. Mit auswärtigen Besuchern klappte die Verständigung mit Händen und Füßen – Katharina Huber wusste auch ohne Fremdsprachenkenntnisse immer schnell, was sie jemandem Gutes tun konnte.

Ihre drei Kinder wuchsen unbeschwert im Gasthof auf, genau wie einst sie selber. „Wir hatten eine sorglose Kindheit“, erzählt Karl Huber. „Es war schön, dass unsere Eltern einfach immer da waren, auch wenn sie viel arbeiten mussten.“

2014, ausgerechnet im 100. Jubiläumsjahr des Familienbetriebs, hatte Katharina Huber einen Unfall, von dem sie sich nicht mehr komplett erholen sollte. Sie stolperte über die sprichwörtliche Teppichkante und zog sich eine Kopfverletzung zu. In der Folge schwanden ihre Kräfte zunehmend. Den regelmäßigen Kirchgang ließ sich die dreifache Großmutter trotzdem nicht nehmen. Der Gottesdienst war ihr wichtig – besonders, da sie in ihren vielen Jahren als Gastwirtin selten am Sonntag Vormittag Zeit für die Kirche gehabt hatte. Sogar am Abend vor ihrem Tod ließ sie sich noch im Rollstuhl zur Messe fahren.

Auch gefeiert hat Katharina Huber immer gern, kleine und große Feste wie die Goldene Hochzeit mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann im Jahr 2009. Und wer das letzte Silvester im Gasthof Huber gefeiert hat, sah sie glücklich und zufrieden unter den Gästen sitzen und das Festmenü genießen, das ihr Sohn gekocht hatte. Ganz bis Mitternacht hielt sie nicht mehr durch. Aber fast. 

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