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Der Alte Schlachthof: Man sieht deutlich, wo der Putz ausgebessert wurde. Im Toilettenwagen (r.) gibt es auch während der Herbstsaison kein warmes Wasser.

Der Verein Subkultur wartet

Alter Schlachthof: Wann wird saniert?

Fürstenfeldbruck – Im Alten Schlachthof ist dank des Vereins Subkultur immer was los – das sieht man zum Beispiel im neuen Imagefilm der Stadt. Das Gebäude selbst gammelt aber vor sich hin. Dabei sollte 2016 eigentlich Geld in die Hand genommen werden.

Der Alte Schlachthof, in dem der Verein Subkultur seit 1999 Mieter ist, ist in einem maroden Zustand. Eigentlich sollte 2016 einiges an dem Gebäude gemacht werden, so dachten es zumindest die Mitglieder der Subkultur und die Stadträte. Rund 90 000 Euro waren für Reparaturen im Haushalt 2016 eingestellt. Investiert wurden aber nur 2400 Euro. Dabei regnet es in das Gebäude hinein, der Blitzableiter ist kaputt, die Fenster sind undicht und der Putz von der Fassade bröckelt ab, sodass Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindringt.

Warum wurde das Geld nicht investiert?

Der Innenraum: Hier veranstaltet der Verein Subkultur seine Konzerte.

Wieso wurden nun die restlichen 87 000 Euro nicht genutzt? Davon waren auch die Subkultur und einige Stadträte überrascht. Der Grund wird auf Tagblatt-Anfrage klar: Es werden aktuell nur die notwendigsten Arbeiten ausgeführt, um das Gebäude zu erhalten, erklärt die Stadtverwaltung. „Das Budget sollte ausschließlich größeren Sicherungsmaßnahmen an Dach und Fach vorbehalten bleiben und musste nicht eingesetzt werden. Da der Alte Schlachthof unter Denkmalschutz steht und von Grund auf saniert werden muss, beziehen sich die Unterhaltsmaßnahmen nur auf die Sicherung der Gebäudesubstanz.“ Salopp gesagt: Solange das Dach nicht einstürzt, reicht das der Stadt erst einmal. Daher wurden lediglich einige Fensterscheiben und Fugen erneuert.

Erklärung aus dem Rathaus: „Weitere Investitionen sind nur bei Vorlage eines Nutzungs- und Sanierungskonzeptes für das gesamte Schlachthofareal sinnvoll.“ Im Zuge der Stadtwerke-Verlagerung möchte die Stadt nämlich den gesamten Bereich Aumühle/Auf der Lände neu überplanen.

Stadträte fordern Sofortmaßnahmen

Der Blitzableiter: Der Draht ist kaputt.

Das wird von einigen Stadträten, die nun auch wieder auf den Zustand des Schlachthofes aufmerksam geworden sind, durchaus anders gesehen. SPD und Grüne befürworten zum Beispiel schnellere Maßnahmen. SPD-Fraktionschef und OB-Kandidat Phillipp Heimerl fordert etwa: „Da muss deutlich mehr passieren.“ Auf Antrag von Heimerl wurde im Zuge der Haushaltsberatungen für 2017 mit 50 000 Euro ein doppelt so hoher Betrag eingeplant, als ursprünglich gedacht. Heimerl konnte sich bei der Vollversammlung des Vereins dieser Tage selbst von dem maroden Gebäudezustand überzeugen. Für ihn ist in dieser Frage auch nicht entscheidend, wie das gesamte Areal letztendlich entwickelt wird. Denn der Schlachthof als Gebäude sei so oder so denkmalgeschützt, die Stadt komme um Reparaturen also gar nicht herum.

Auch die Grünen sind in der Causa aktiv geworden und stellen den Antrag, alle dringend erforderlichen Baumaßnahmen „umgehend einzuleiten“. Außerdem soll die Raumnutzung des Gebäudes geändert werden, damit könnte die Subkultur dann mehr als die bisher zulässigen 99 Leute pro Veranstaltung hineinlassen. Stadtrat Jan Halbauer sagt dazu: „Wir schieben da etwas schon viele Jahre vor uns her.“ Der Schlachthof habe nach all den Jahren der Vernachlässigung eine gewisse Priorität verdient.

Dass Handlungsbedarf besteht, darüber herrscht im Stadtrat Einigkeit – die beiden größten Fraktionen CSU und BBV sind ebenfalls dieser Meinung. Die BBV könne mit dem Antrag der Grünen konform gehen, sagt der Fraktionsvorsitzende Klaus Quinten. „Alles was möglich ist“, solle in Absprache mit dem Denkmalschutz in Angriff genommen werden.

Die Heizung: Der Lüfter soll bei den Veranstaltungen im Winter für aushaltbare Temperaturen sorgen.

CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Lohde hofft, dass mit der Gesamtplanung für das Aumühle/Lände-Areal vieles greifbarer werde. Diese Gesamtplanung soll 2017 angeschoben werden, dann ist ein Ideen- und Realisierungswettbewerb geplant. Lohde zeigt sich jedoch ebenfalls erstaunt darüber, dass die Gelder aus dem diesjährigen Haushalt ungenutzt blieben. Er macht die fehlende Kommunikation als Ursache aus.

Fehlende Gespräche

Gesprungene Fensterscheiben: Das Glas wurde provisorisch geklebt.

In der Tat scheint die Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und der Subkultur als Mieter eingeschlafen zu sein. Zu möglichen Reparaturen oder dem Umstand der nicht abgerufenen Haushaltsgelder gab es keinen Informationsfluss. Zu der kleinen Fenster-Reparatur sagt die neue Vorsitzende Aline Pronnet zum Beispiel: „Ich weiß von nichts.“ Der kaputte Blitzableiter, den die Subkultur der Stadt gemeldet hat, ist noch immer nicht repariert.

Ein anderes Beispiel sind übergelaufene Gullys im Hof des Schlachthofs, die erst nach mehrmaligem Nachfragen gesäubert wurden. Generell könnten einige Maßnahmen das Leben der Subkultur natürlich um einiges leichter machen, sagt Kunsthistorikerin Pronnet. Doch zuerst müsse eine Bestandsaufnahme erfolgen, dann müsse ein Sanierungskonzept erstellt werden, welches mit dem Denkmalschutz abgesprochen wird – hier stimmen Pronnet und Stadtverwaltung überein.

Allein die lange Warterei zehrt an den Nerven der Vorsitzenden: Eine Bestandsaufnahme hätte auch mit den nicht verbrauchten Geldern von 2016 erfolgen können – oder auch schon vor einigen Jahren, meint Aline Pronnet. Für 2017 hat die Verwaltung aber nun immerhin entsprechende Vorarbeiten angekündigt. Es soll ein „digitales Aufmaß“ erstellt und das Gebäude statisch untersucht werden. 

Neuwahlen

Aline Pronnet ist die neue Vorsitzende der Subkultur.

Bei eisigen Temperaturen haben sich unlängst 30 Subkultur-Mitglieder im Alten Schlachthof eingefunden, um die Neuwahlen für 2017 vorzunehmen. Neue erste Vorsitzende ist die bisherige Pressesprecherin Aline Pronnet. Als zweiter und dritter Vorsitzender unterstützen sie dabei Max Spieler und Jannik Heinzelmann. Letzterer hatte den Verein bisher angeführt. Außerdem gibt es einen zehnköpfigen Beirat. Vergangenes Jahr hat der Verein zwar einen Verlust von circa 10 000 Euro gemacht, dies ist jedoch hauptsächlich dem Kauf einer neuen Anlage zu verdanken, welche 14 000 Euro gekostet hat. Diskutiert wurde von den Mitgliedern, dass es immer schwieriger werde, junge Bands aus Fürstenfeldbruck für Auftritte zu gewinnen. Es gebe fast keine Schülerbands mehr, so der Tenor. Auch das Anwerben von Schülern zur Mitarbeit im Verein laufe eher schleppend. Möglicher Grund dafür: Durch die Belastung von G 8 und anderen Aktivitäten bleibt den Schülern zu wenig Zeit.

Fabian Dilger

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