Kein großes Fest? Das macht gar nichts. Ich hab meinen 50., meinen 60. und meinen 70. Geburtstag groß gefeiert. Helmut Hilscher
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Helmut Hilscher.

Althegnenberg

Alt-Bürgermeister wird 80 Jahre alt

  • vonStephanie Hartl
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Eine richtige Geburtstagsfeier wird es heuer nicht geben für Althegnenbergs Alt-Bürgermeister Helmut Hilscher. Corona macht sämtlichen Festen einen Strich durch die Rechnung. Dabei wird der Ehrenbürger der Gemeinde am Montag (1. März) 80 Jahre alt. „Aber das macht gar nichts. Ich habe meinen 50., meinen 60. und meinen 70. Geburtstag groß gefeiert“, sagt er.

Althegnenberg - Helmut Hilscher kam 1946 in die Gemeinde. Seine Familie stammt aus Oberschlesien und wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wie so viele Sudetenländer aus der Heimat vertrieben. Unterwegs mit vier kleinen Kindern ging es für seine junge Mutter in eine ungewisse Zukunft Richtung Bayern.

Zimmer im Bergmüller-Anwesen

Die Familie kam zuerst in Maisach unter und wurde dann in Althegnenberg untergebracht. An diese Zeit hat Helmut Hilscher keinerlei Erinnerung mehr. „Das Einzige, was ich noch weiß, ist, dass ich im Güterzug nach Maisach von einer Dame einen Keks bekommen habe“, erzählt er im Tagblatt-Gespräch. Der Fünfjährige, seine Mutter und die drei Schwestern teilten sich in Althegnenberg ein Zimmer im Bergmüller-Anwesen, dem Gasthaus am Ort.

Der Vater war in Sibirien in Kriegsgefangenschaft, das war alles, was die Familie von seinem Verbleib wusste. Irgendwann wurde er aus der Gefangenschaft „zum Sterben entlassen“, wie Helmut Hilscher berichtet. Er und seine jüngere Schwester wollten den Vater am Bahnhof abholen. Es hielt aber statt des erwarteten Personenzuges nur ein Güterzug. Aus dem stieg nur ein Mann aus – abgemagert und in russischer Kleidung.

Die Kinder liefen erschreckt davon und versteckten sich, schlichen dem Mann dann hinterher, der Richtung Dorfmitte ging. Sie fanden ihn schließlich im Zimmer der Familie. Nachdem der erste Schock überwunden war, gab es Schokolade vom Vater, die er vom Roten Kreuz in München bekommen hatte. Für den vermeintlich zum Tode geweihten ging es auf Erholungskur. „Und dann wurde er gesund und ist sogar 85 Jahre alt geworden“, berichtet Helmut Hilscher.

Eine Gemeindewohnung - und dann ging es aufwärts

Die Familie bekam eine Gemeindewohnung zugeteilt. „Und von da an ging es aufwärts“, so Hilscher. Schnell wurden sie heimisch in der Gemeinde, die Kinder fanden Freunde, später wurden hier Hochzeiten gefeiert.

Helmut Hilscher heiratete 1966 seine Maria-Luise, „eine waschechte Mittelstettenerin“, die er beim Tanzen im Gasthof Eberl kennengelernt hatte. Die Eheleute bekamen drei Kinder und sind inzwischen siebenfache Großeltern. Bei den Namen seiner Enkel kommt er nie durcheinander. „Aber bei den Geburtstagen muss ich schon manchmal nachschauen“, sagt der Jubilar mit einem Schmunzeln.

Helmut Hilscher legte die Baumeisterprüfung ab. Er arbeitete erst als Bauleiter in Augsburg, ehe er sich mit einem Baugeschäft selbstständig machte.

Auch in der Gemeindepolitik war er engagiert. 1972 wurde er in den Gemeinderat gewählt und war von 1977 bis 2002 Bürgermeister.

Eingemischt hat er sich seit seinem Abschied nicht mehr ins politische Geschehen. Gemeinderatssitzungen besucht er nie, dafür jede Bürgerversammlung – mit Ausnahme der virtuellen im Vorjahr. Und tauschen mit den Politikern von heute – das möchte er auf gar keinen Fall.

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