Schüler und Eltern aus Althegnenberg ärgern sich darüber, dass das Brucker Landratsamt die Fahrtkosten für den Schulweg nach Mering nicht übernehmen will.
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Schüler und Eltern aus Althegnenberg ärgern sich darüber, dass das Brucker Landratsamt die Fahrtkosten für den Schulweg nach Mering nicht übernehmen will.

Althegnenberg

Landkreis will Kosten nicht erstatten: Eltern kämpfen um Geld für Schulweg

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Eltern im nordwestlichen Landkreis sind sauer. Ihre Kinder wollen Schulen in Mering im Landkreis Aichach-Friedberg besuchen, da diese deutlich schneller zu erreichen sind. Das Brucker Landratsamt will die Kosten für die Fahrkarten aber nicht erstatten.

Althegnenberg – Melanie Schoppes Tochter besucht die Realschule in Mering. Der Grund ist simpel: Vom Wohnort Althegnenberg aus braucht die Schülerin nach Maisach eine gute halbe Stunde – inklusive mehrmals Umsteigen. In Mering ist sie mit dem Zug in fünf Minuten, danach folgt noch eine kurze Strecke mit dem Bus. Melanie Schoppe verweist auf die wertvolle Freizeit, die ihre Tochter durch die kürzere Anbindung gewinnt. Aber: Bezahlen muss die Familie diesen Vorteil selbst.

Geld nur für die nächstgelegene Schule

Zwar gilt auch für die Familie Schoppe der Grundsatz der Kostenfreiheit des Schulwegs. Aber nur für die nächstgelegene Schule, die rechtlich aber nicht nach dem Fahrweg definiert wird. „Wenn wir nicht den aufwendigeren Weg nach Maisach nehmen, gibt es kein Geld“, sagt Schoppe. Dazu komme, dass weitere Fahrten nicht im Sinne des Klimaschutzes und die Kinder außerdem länger mit Maske unterwegs seien.

Wie Werner Krautloher, Leiter des Schulreferats im Landratsamt, auf Anfrage erklärt, wird die nächstgelegene Schule über die Fahrtkosten definiert. Konkret heißt das, der Landkreis bezahlt nur die günstigste Fahrkarte. „Auf den zeitlichen Aufwand beziehungsweise die Wegstrecke und eventuell zusätzlich erforderliches Umsteigen kommt es nicht an“, sagt Krautloher.

Grundlage ist die Monatskarte

Die Krux: Dabei werden die Monatskarten als Grundlage genommen. Damit kostet die Fahrt von Althegnenberg zur Realschule Maisach lediglich 39,90 Euro im Ausbildungstarif I und 42,80 Euro im Ausbildungstarif II des MVV. Die Fahrt nach Mering, das im Regierungsbezirk Schwaben liegt, fällt hingegen in den Bereich des Augsburger Verbundes AVV. Der Preis für die Monatskarte von Althegnenberg zur dortigen Realschule: 55,90 Euro.

Alles schön und gut, sagt Schoppe. Allerdings bezahle der Landkreis nicht die Monatskarte, sondern nur das günstigere 365-Euro-Ticket des MVV. Und das gibt es im AVV auch. „Die Monatskarte dient zwar als Grundlage, wird aber vom Landkreis gar nicht finanziert“, hebt Schoppe hervor. Für sie und zahlreiche andere Eltern – betroffen seien auch Schüler aus Mittelstetten, Hörbach, Haspelmoor, Hattenhofen und sogar Mammendorf – sei die Regelung daher unsinnig.

Krautloher bestätigt, dass die Kreisbehörde das 365-Euro-Ticket im AVV auch kennt. Er verweist aber auf den Wortlaut des Gesetzes, wonach die Schülermonatskarte als Grundlage zur Ermittlung der nächstgelegenen Schule dienen soll. Das Gesetz sei zum 1. August 2020 auch auf Drängen des Bayerischen Landkreistags und des Bayerischen Gemeindetags dahingehend geändert worden.

Schülerströme sollen gelenkt werden

„Die kommunalen Spitzenverbände erhoffen sich davon eine gewisse Lenkungs- und Steuerungswirkung der Schülerströme“, sagt Werner Krautloher. Denn Städte, Gemeinde und Landkreise würden die Schulen bauen und unterhalten und bräuchten daher auch eine gewisse Planungssicherheit. „Und letztlich muss auch der Staat den Einsatz seiner Lehrerschaft organisieren können“, sagt Werner Krautloher.

Der Grundsatz der freien Schulwahl sei dadurch nicht verletzt, betont der Schulreferatsleiter. „Es bleibt den Eltern unbenommen, ihr Kind in die Schule des benachbarten Landkreises zu schicken.“ Nur müssten sie die Fahrtkosten dann eben selbst übernehmen.

Schoppe und mehrere andere Eltern wollen das so aber nicht akzeptieren. „Wir haben bereits mit mehreren Bürgermeistern, Gemeinderäten, dem Landrat und dem Landtagsabgeordneten Benjamin Miskowitsch Kontakt aufgenommen“, sagt Schoppe. Überall hieß es jedoch, dass der Landkreis die Kosten für die Fahrt nach Mering nicht übernehmen werde. Dabei gebe es die Möglichkeit von Außnahmen sagt Schoppe und verweist auf den Landkreis Landsberg am Lech, der für die Orte Prittriching und Scheuring die Kosten übernimmt.

Eltern haben Petition gestartet

„Außerdem fordern wir lediglich, dass die gleichen Kosten von 365 Euro bezahlt werden, die alle Schüler im Landkreis erstattet bekommen – keine Mehrkosten“, sagt die Mutter. Weil der Vorstoß bei der Politik nichts brachte, haben die Eltern nun eine Interessengemeinschaft gegründet und eine Petition online gestellt. Diese kann unter www.change.org unterzeichnet werden.

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