Die Telefonnummer 112 steht auf einem roten Fahrzeug
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Eigentlich brauchen Althegnenberg und Hörbach je einen Feuerwehrstandort.

Althegnenberg

Feuerwehr-Plan stellt Bürgervotum in Frage

  • vonStephanie Hartl
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Im Juli haben sich die Althegnenberger per Bürgerentscheid für ein gemeinsames Feuerwehrhaus ausgesprochen. Doch der nun vorgestellte Feuerwehrbedarfsplan zeigt, dass das schwierig werden könnte. Denn mit nur einem Haus können die Hilfsfristen nicht eingehalten werden.

Althegnenberg – Rund 40 Zuhörer waren zu der Gemeinderatssitzung in die Turnhalle gekommen. Dorthin war man wegen des zu erwartenden großen Interesses ausgewichen. Das Gremium nahm den Plan vorerst zur Kenntnis. Bürgermeister Rainer Spicker (BI) will nun noch auf die Stellungnahme von Kreisbrandrat Hubert Stefan warten. Zudem möchte er sich beim Bayerischen Gemeindetag juristischen Rat holen, speziell was die Hilfsfrist, also die Dauer von der Alarmierung bis zum Eintreffen am Einsatzort, betrifft.

Das Problem: Im Falle eines gemeinsamen Hauses am Ortsrand von Althegnenberg würde sich die Hilfsfrist verschlechtern – sowohl für Hörbach als auch für Althegnenberg. Auch im Hinblick auf eventuelle neue Baugebiete sagte Ingenieur Stefan Knoblauch, der den Plan erarbeitet hatte: „Bleibt die Feuerwehr Hörbach am Ort mit einem modernen Fahrzeug, ist alles sauber.“

Hilfsfristen sind der Knackpunkt

Bei der anschließenden Diskussion fragte Marianne Dunkel (SPD): „Ist die Hilfsfrist der Knackpunkt?“ Dies konnte Knoblauch eindeutig mit Ja beantworten. Bürgermeister Spicker meinte hierzu: „Der Plan ist eine Ausarbeitung. Wir müssen schauen, was wir davon mitnehmen.“ Im Hinblick auf ein gemeinsames Haus sagte er: „Wir können doch nicht Millionen ausgeben und dann die Hilfsfristen nicht einhalten – das wäre ein Schildbürgerstreich.“ Mit dem jetzigen Stand müsse man womöglich noch „zwei, drei Jahre leben“. Denkbar sei als Übergangslösung auch das Aufstellen von Containern.

Benedikt Wex (BI) fragte direkt Kreisbrandrat Hubert Stefan nach dessen Meinung. Der betonte, dass, beide Standorte beizubehalten, das Vernünftigste wäre. „Man muss tätig werden“, forderte Marcus Drexl (Grüne), der monierte, dass die Mängel an beiden Häusern schon 2016 festgestellt worden sind.

Bevor der Plan vorgestellt wurde, informierte Spicker noch einmal kurz über die Historie zum Thema Feuerwehrhaus und dem Beschluss vom Dezember 2019. „Es ist uns als Gemeinde als Nachlässigkeit anzukreiden, dass wir uns nicht rechtzeitig um einen Feuerwehrbedarfsplan gekümmert haben“, musste Spicker zugeben. In vielen Bundesländern ist ein solcher Plan Pflicht, in Bayern lediglich eine Empfehlung. Alle fünf Jahre soll der Plan überprüft werden.

Für das Papier war viel Recherche nötig. In den Jahren 2017 bis 2020 waren im Gemeindegebiet zwölf Brände, 38 Technische Hilfeleistungen und acht Sicherheitswachen verzeichnet worden. Die Einsatzstatistiken wurden ebenfalls herangezogen, um Rückschlüsse auf die Ausrückzeit zu erhalten. Es wurden nur Einsätze mit Dringlichkeit gewertet, sprich mit Brand und Gefahr für Menschenleben. Insgesamt ergaben sich so 23 wertbare Einsätze.

Auch bezüglich der Verfügbarkeit der aktiven Feuerwehrler – in Althegnenberg 32, in Hörbach 34 – wurde recherchiert. Das Ergebnis: Tagsüber wird es schwierig, alle für einen Einsatz notwendigen Positionen zu besetzen.

Fehlende Ausstattung bei beiden Häusern

Ebenso wurde der Zustand der Häuser erfasst. An beiden fehlen eine Schlauchwaschanlage, ein Übungsplatz und Duschen. Die Stellplätze sind zu wenig. In Hörbach gibt es nicht einmal eine Heizung und auch keine Toiletten.

Die Hörbacher Wehr bräuchte laut Plan ein neues Fahrzeug mit Wasser und Atemschutz. Ein solches wäre aber für das jetzige Haus ohnehin zu groß. Und Zuschüsse gibt es laut Knoblauch nur, wenn eine „ordentliche Unterbringung des Fahrzeuges gesichert ist“.

Laut Definition muss Hörbachs Feuerwehr aktuell als „Kompensationsmaßnahme“ eingestuft werden. Der Grund: Man verfügt über keine Ausstattung für eine wirksame Hilfeleistung – weder eine Drehleiter noch Wasser sind im derzeitigen Fahrzeug vorhanden.

Die große Frage ist nun, wie es weitergehen soll. Denn im Bürgerentscheid hatten zwei Drittel der Wahlberechtigten dafür gestimmt, dass ein gemeinsames Haus am Standort Althegnenberg gebaut werden soll. Das ist ein Jahr bindend, wie VG-Geschäftsstellenleiter Robert Köll auf Anfrage sagt. Für die Gemeinde ist es nun wichtig, abzuklären, ob man auf der sicheren Seite sei, sollte tatsächlich nur ein Haus gebaut werden. Es stelle sich auch die Frage, ob der Entscheid tatsächlich umsetzbar sei, so Köll. „Die Rechtslage muss man sauber abarbeiten.“

Sollte ein Haus für beide Wehren nicht machbar sein, müsse eine Lösung mit allen Beteiligten gefunden werden. Köll: „Oft gibt es nicht das Gewünschte, aber das Akzeptable.“

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