Haben viele Spuren in Althegnenberg hinterlassen: Georg und Anneliese Rieder. Repro: os
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Haben viele Spuren in Althegnenberg hinterlassen: Georg und Anneliese Rieder.

Nachruf

Zusammen gelebt, zusammen gegangen

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Georg und Anneliese Rieder sind gegangen, wie sie gelebt haben – gemeinsam. Die Eheleute verstarben im Abstand von nur zwei Tagen.

Althegnenberg – Alle sind sich einig: Für die beiden ist es ein Segen, dass keiner ohne den anderen zurückbleiben musste. Doch für die Familie ist der doppelte Verlust mehr als schmerzhaft. „Wir haben zwei großartige Menschen verloren“, sagt Barbara Rieder-Bauer, die jüngere der beiden Töchter.

Georg und Anneliese Rieder – das war ein verschworenes Team, 65 Jahre lang. In ihrem Wohnort Althegnenberg haben sie nachhaltige Spuren hinterlassen. Georg Rieder war 36 Jahre Mitglied des Gemeinderats und zwölf Jahre Dritter Bürgermeister. Er gab die Kommandos beim Maibaum-Aufstellen und spielte Theater. Vor allem aber gehörte sein ehrenamtliches Engagement dem SV Althegnenberg. Dort engagierte sich der gebürtige Aufkirchener als Fußball-Jugendtrainer und 14 Jahre lang als Vorsitzender. Insgesamt gehörte er 60 Jahre dem Verein an – fast so lange, wie er mit seiner Anneliese verheiratet war. Auch sie war dem SV verbunden, aktiv in der Damengymnastik und 20 Jahre lang Gemeindebotin.

Georg Rieder war einer, der die Dinge voranbringen wollte. „Wir schaffen das“, war ein Satz, den er lange vor Angela Merkel prägte. Federführend war der Maurermeister am Bau des Sportzentrums und dem nachträglichen Bühneneinbau beteiligt. Sein Fachwissen war für den Verein von unschätzbarem Wert. Ohne Menschen wie Rieder würde es vieles nicht geben, ist die heutige SV-Chefin Gabi Spicker überzeugt. „Er hat unglaublich viel für die Nachwelt hinterlassen. Das Sportzentrum ist so ein wichtiges kulturelles Zentrum in unserem Ort geworden.“

Beruflich war Rieder unter anderem am Bau der Olympiahalle in München beteiligt. Als Polier fiel ihm die Aufgabe zu, vor der versammelten Prominenz den Richtspruch zu halten. Er brachte das mit seiner gewohnten Gelassenheit sicher über die Bühne.

Barbara Rieder-Bauer beschreibt ihre Eltern als ungewöhnlich offene und tolerante Vertreter ihrer Generation. Engstirnige Spießigkeit lag beiden fern. Dass sie 1956 ihre Tochter Rita bekamen, aber erst drei Jahre später heirateten, sorgte damals für Gerede im Ort – dem jungen Paar war das egal. Sie wussten, sie bleiben zusammen.

Als Anneliese Rieders Gesundheit sie im Stich zu lassen begann, übernahm ihr Mann einen großen Teil der Pflege. Sogar um den heimischen Garten kümmerte der 84-Jährige sich noch – bis er im Sommer selbst für einige Wochen ins Krankenhaus musste. Anneliese Rieder bekam einen Platz im Seniorenheim in Jesenwang. Ihr Mann wollte unbedingt noch zu ihr ziehen – und schaffte das auch, trotz einer Verzögerung, während er das Ergebnis eines Coronatests abwarten musste.

Am 13. September starb Anneliese Rieder im Alter von 83 Jahren. Ihr Mann folgte ihr 52 Stunden später. Die dreifachen Großeltern wurden auf dem Friedhof in Althegnenberg beigesetzt. Gemeinsam. ULRIKE OSMAN

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