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Paul Dosch am Spielplatz hinter dem Rathaus, der dem fünffachen Opa sehr am Herzen liegt. Im Obergeschoss der Gemeindeverwaltung ist noch eine Kindergarten-Gruppe untergebracht.

Die neuen Bürgermeister im westlichen Landkreis - Halbzeit im Amt 

„Für den Job braucht man Standvermögen“

Seit drei Jahren ist Paul Dosch für die Bürgerinitiative Rathauschef in Althegnenberg. Wenn seine Amtszeit 2020 endet, hat er 30 Jahre seines Lebens auf der kommunalen Bühne verbracht, davon zwölf als Zweiter und sechs als Erster Bürgermeister. Der 68-Jährige ist verheiratet, hat drei Kinder und fünf Enkel. Wie ihm die erste Halbzeit als Rathauschef gefallen hat, erzählte er Tagblatt-Mitarbeiterin Stephanie Hartl.

-Sie waren damals der Einzige, der sich als Bürgermeisterkandidat aufstellen lassen hat, Herr Dosch. Haben Sie die Entscheidung je bereut?

Nein, überhaupt nicht. Ich würde auch nichts anders machen im Nachhinein. Das Amt bringt ja eine Fülle von zusätzlichen Terminen wie runde Geburtstage von Bürgern, Veranstaltungen von Vereinen, Kindergärten, Schule, Jubiläen mit sich.

-Wie treffen Sie da eine Auswahl, die alle zufrieden stellt?

Ich habe ja zwei Stellvertreter (Rainer Spicker, Ludwig Schmid, d. Red.) und versuche zu delegieren. In der Regel sind wir schon überall, aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel.

-Sie kommen aus Mittelstetten und haben vor 45 Jahren nach Althegnenberg „eingeheiratet“. Ist der Umgang mit der Bevölkerung schwieriger, wenn man Bürgermeister ist?

Nein. Wenn man geradlinig ist, geht alles. Und ich habe ja 30 Jahre Erfahrung als Geschäftsführer gehabt, von dem her war das kein Problem.

-Stehen denn auch am Sonntag Bürger mit Problemen bei Ihnen vor der Haustür?

Ja. Das scheint ein Prinzip unserer Zeit zu sein bei manchen Leuten, dieses egoistische Denken. Da heißt es: Ich bin wichtig. Aber es gibt Gott sei Dank sehr viele, die denken noch anders.

-Ist das nicht ärgerlich, wenn man auch ständig außerhalb der Dienstzeiten greifbar sein muss?

Die Gattin ist manchmal nicht begeistert. Ich muss auch sagen, die Familie ist oft zu kurz gekommen. Als Geschäftsführer hatte ich ja eine Sechs-Tage-Woche mit zwölf Stunden Arbeitszeit täglich. Aber es stimmt schon, was man sagt: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau.

-Gibt es denn Rückmeldungen aus der Bevölkerung zu Ihrer Arbeit als Gemeindeoberhaupt?

Ja, es gibt Feedback und auch Lob. In meiner Zeit als Bürgermeister auch mehr Lob als Kritik. Die Leute haben gemerkt, es hat sich viel verändert, es wird viel angeschoben. Und das wird positiv gesehen. Ein Beispiel ist die Linksabbiegespur beim Netto-Markt. Oder die Urnengräber, die Toilette am Friedhof, die Mittagsbetreuung. Es sind viele kleine Sachen, aber das sagen einem die Leute auch. Manches hat ja zehn Jahre warten müssen, bis es angepackt wurde. Aber wenn es gemacht ist, heißt es schon: Gut habt’s des gmacht!

-Und Kritik gibt’s auch?

Schon. Aber bei der Kanalsanierung, die 600 000 Euro kostet, das muss ja langfristig über die Beitragsgebühren reinkommen, da gab es jetzt nur zwei, drei Beschwerden.

-Was war denn die größte Herausforderung bisher für Sie als Bürgermeister?

Die Unterbringung der Flüchtlinge. Da gab’s auch die meisten Anfeindungen. Das hat mich persönlich ganz schön getroffen, denn von einigen hätte ich das gar nicht erwartet. Man braucht für dieses Amt eben schon einen breiten Rücken und Standvermögen. Aber wir haben das hier sehr gut gemeistert, dank des Helferkreises. Der hat hervorragende Arbeit geleistet. Wir hatten bis zu 26 Flüchtlinge bei uns im Ort, fünf Familien, die so zusammenbleiben konnten.

-Haben Sie ein Projekt, das Sie in Ihrer Amtszeit noch umsetzen wollen?

Dass Althegnenberg auch den Stunden-Takt bei der Bahn bekommt. Aber das kriegen wir auch noch hin.

-Wie sieht es denn für die nächste Wahl aus?

Ich hoffe, dass ich bis dahin viel erledigt habe und alles geordnet übergeben kann. Ich werde mich ja nicht mehr aufstellen lassen und bin gerade dabei, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu suchen.

-Hat man denn als Bürgermeister überhaupt Zeit für Hobbys?

Wenn man dazu kommt. Ich fahre gern mit dem Rad und bin heuer das 18. Mal bei der BR-Radltour dabei. Skifahren und Urlaubsreisen machen wir auch sehr gerne.

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