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Da bin i dahoam: Toni Drexler kurz vor seinem 70. Geburtstag vor seinem Haus in Hörbach.

Kreisheimatpfleger feiert runden Geburtstag 

Der Erzähler der Heimatgeschichten: Toni Drexler wird 70

Würde man eine Liste der bekanntesten Personen im Landkreis aufstellen, er wäre ganz vorne mit dabei: Toni Drexler, der langjährige Kreisheimatpfleger und Gründer des Montagsbrettls. An diesem Samstag wird der Hörbacher 70 Jahre alt.

Hörbach – Toni Drexler und sein Bruder zogen Ende der 1960er-Jahre in München um die Häuser und lernten die damalige Subkultur und Szene in der Landeshauptstadt kennen. Da es auf dem Land zu dieser Zeit quasi keine Gruppen gab, die auf Bairisch sangen und dichteten, holten die Brüder sie eben nach Hörbach. In den Siebzigern gründeten sie das Hörbacher Montagsbrettl. Weil der Wirt am Montag immer Ruhetag hatte, gab er sein Okay.

Wegen des enormen Erfolgs gilt Drexler sogar als „heimlicher König der bayerischen Kleinkunstszene“. Dazu passt, dass der Hörbacher der Biermösl Blosn ihren Namen gegeben hat.

„Freilich, der Bekanntheitsgrad kommt zwangsläufig.“

Toni Drexlers zweite Leidenschaft ist die Geschichte. Seit 1983 ist er Kreisheimatpfleger, „zu der Zeit war das Wort Heimat noch verpönt und rechtslastig“, erinnert er sich. Mittlerweile ist es bei ihm so wie beim jeweiligen Bahnchef: Das „Kreisheimatpfleger“ ist schon zu seinem Vornamen geworden.

„Freilich, der Bekanntheitsgrad kommt zwangsläufig“, sagt Drexler dazu. Wobei es ja schon skurrile Blüten treibt, wie er erzählt. „Ich bekomme teilweise Anfragen, die mit Heimatpflege überhaupt nix zu tun haben, die absurdesten Geschichten.“ Die Leute denken sich eben, sie rufen mal beim Drexler Toni an. Und manchmal kann er sie dann auch an den richtigen Ansprechpartner weitervermitteln, er kennt ja Gott und die Welt.

Toni Drexler gräbt am liebsten im Haspelmoor

Drexler ist eine Instanz auf dem Gebiet der Volkskunde, Regional-Historie und Archäologie. Vor zwei Jahren bekam er die Rainer-Christlein-Medaille, so etwas wie der bayerische „Nobelpreis für Archäologen“. Sein beliebtestes Grabungsgebiet ist das Haspelmoor. Dort hat er eine Lagerstätte aus dem Mesolithikum entdeckt, 1994 war das. Mehr als 15 000 Artefakte sind dort seither geborgen worden, für den Landkreis hat Drexler das Mesolithikum erst auf die Landkarte geholt.

Seine Bibliographie umfasst mehr als 100 Titel, unzählige Aufsätze zu Themen der regionalen Geschichte hat er geschrieben. Sein Lieblings-Aufsatz war die Geschichte eines wildernden Pfarrers und seines Vikars in Hochdorf, die mit dem Zimmerstutzen zur Frühmesse gingen. Weil sie vom ortsansässigen Adeligen kein Wild geliefert bekamen, machten sich die resoluten Geistlichen selbst auf den Weg in den Wald. „Solche Geschichten faszinieren mich“, sagt Drexler. Die Entdeckung des Abseitigen, die Nischen der Landesgeschichte, die unerzählten Begebenheiten aus dem Alltag der Dörfler im westlichen Oberbayern – das war immer der Antrieb seiner Forschungen.

Drexler erarbeitete sich als  Autodidakt vieles selbst

Schon den jungen Drexler hatte der römische Grabstein in der Hörbacher Kirche begeistert, der sogenannte Römer-Xaverl. Sein Vorgänger als Kreisheimatpfleger, Wolfgang Völk, fungierte als Mentor und nahm den Jugendlichen viel mit, etwa ins Bayerische Staatsarchiv. Als Autodidakt ohne akademische Ausbildung erarbeitete sich Drexler über die Jahre einen Zugang zur Geschichte und Archäologie. Weil immer irgendeine Frage offen war, drang er tiefer und tiefer in die Materie vor.

In den frühen 1990er-Jahren konnte Toni Drexler diese Leidenschaft dann für zehn Jahre zum Beruf machen: Der Verwaltungsbeamte an der Ludwig-Maximilians-Universität München wurde zum Leiter des Jexhofs, damals ein auf landwirtschaftliche Themen ausgerichtetes Museum. Toni Drexler brachte Bereiche wie Volkskunde und regionale Historie hinzu und öffnete auch dadurch das Haus für Schüler, Kinder und Familien.

Jetzt will er es ruhiger angehen lassen, sagt Drexler. Beim Montagsbrettl kümmert er sich aber weiter mit um das Programm. Geschichtliche Projekte hat er auch noch in der Schublade. Zum Beispiel sein Buch über das Haspelmoor, an dem er schon länger arbeitet. „Andere Großprojekte packe ich nicht mehr an, aber kleine Sachen machen mir immer noch Spaß.“

von Fabian Dilger

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