+
Ein kleiner See im Moor: Staatsminister Helmut Brunner lässt Vize-Landrätin Martina Drech sler an einem Büschel Torfmoos riechen.

Vor-Ort-Termin

Forstminister besucht das Haspelmoor

27 Jahre dauern die Renaturierungsmaßnahmen im Haspelmoor bereits. Forstminister Helmut Brunner überzeugte sich nun vor Ort von den Zielen.

Hörbach„Man braucht viel Geduld, bis die Moore auf ihren Ursprung zurückgeführt sind und wieder einen naturgerechten Zustand erhalten“, stellte der Minister nach seinem Rundgang fest. Wobei auch die Zerstörung und Ausbeutung des Moores, die mit der Trockenlegung für den Bau der Bahnlinie München-Augsburg im Jahre 1839 begann, nicht von heute auf morgen passierte. Dass das Haspelmoor nach einhelliger Meinung der Experten heute „zu Ende renaturiert“ ist, sei dem Zusammenwirken von den Bayerischen Staatsforsten, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), dem Naturschutz und den Wissenschaften, der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft, aber auch dem örtlichen Verein Lebensraum Haspelmoor zu verdanken.

Im Haspelmoor wurden seit 2010 rund 35 000 Euro investiert

Trotz der forstlastigen Akteure ging es in den vergangenen Jahrzehnten darum, die Holznutzung einzustellen und Fichten ersatzlos zu roden. Denn allein den Torf, der früher für die Befeuerung der Dampflokomotiven und bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts auch in der Landwirtschaft genutzt wurde, nicht mehr abzubauen, reichte nicht aus. Zu den Aufgaben gehörten laut Brunner auch Gräben, die die Vorfahren zur Entwässerung des Moores angelegt hatten, wieder zuzuschütten und darüber hinaus neue Stauwehre zu bauen. „Diese waren anfangs noch aus Holz, heute sind das dauerhafte Kunststoff-Spundwände, die bis zur 2500 Euro kosten“, erklärte Robert Bocksberger, Leiter des zuständigen Forstbetriebs Landsberg am Lech.

Seit 2010 wurden über sogenannte „Gemeinwohlleistungen im Staatswald“ 35 000 Euro im Haspelmoor investiert. Zwei nagelneue Brücken sollen die Zugänglichkeit erleichtern. Weitere Maßnahmen, um das Haspelmoor ins Bewusstsein der Besucher zu rücken, könnte sich die stellvertretende Landrätin Martina Drechsler durchaus vorstellen.

Neben der Wasserspeicherungskapazität und dem Beitrag zum Klimaschutz (Stichwort Speicherung von Kohlenstoff) entwickelte sich im renaturierten Haspelmoor auch eine enorme Artenvielfalt. „Nachgewiesen sind 80 spezifische Moorarten“, so Stefan Müller Kroehling. Bei den Tieren gehört die Arktische Smaragdlibelle oder der Schwimmkäfer am Ufer des Haspelsees zu den gefährdeten Arten, in der Pflanzenwelt zählt die Spirke zu den botanischen Schmankerln.

Die Spirke – ein seltener Bewohner des Haspelmoors

Eine Spirke im Moor.

Die Spirke (botanisch Pinus rotunda) ist eine Kiefernart, die nur auf den zweiten Blick von der ebenfalls dort vorkommenden „gemeinen“ Waldkiefer zu unterscheiden ist. Sie wächst wesentlich langsamer und kugliger, hat dunklere Nadeln und an deren Zapfen sitzen kleine Haken.

Gefunden wurden (als nördlichstes Vorkommen überhaupt) im Haspelmoor exakt 351 Stück – vorwiegend aber von eingeschränkter oder sogar schlechter Vitalität. „Bayern hat eine große Schutzverantwortung für die Spirke“, sagt Stefan Müller Kroehling von der bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Petra Heber von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt verzeichnet erste mühsame Erfolge, Sämlinge im Haspelmoor anzupflanzen, denn eine Naturverjüngung findet praktisch nicht statt

von Max-Joseph Kronenbitter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Volksfestbesucher landet in Zelle statt Zelt
Ein 20-jähriger Puchheimer wollte nicht akzeptieren, dass das Volksfestwochenende für ihn gelaufen war. Er landete am Ende in einer Zelle. 
Volksfestbesucher landet in Zelle statt Zelt
Olchinger Jugendliche randalieren vor Polizeirevier
Ein Trio Jugendlicher hat in Olching quasi vor den Augen der Staatsgewalt randaliert. Nicht der einzige Fall von Jugendichen auf Abwegen am Wochenende. 
Olchinger Jugendliche randalieren vor Polizeirevier
79-Jähriger mit SUV völlig außer Kontrolle
Ein 79-jähriger Autofahrer war am Freitagabend zwischen Geltendorf und Moorenweis unterwegs und hatte seinen SUV nicht mehr unter Kontrolle. Die Polizei schickte ihn mit …
79-Jähriger mit SUV völlig außer Kontrolle
Moorenweiser kritisieren Wachstum
Das Wachstum der Gemeinde und die zunehmende Verkehrsbelastung – diese beiden Themen lagen den Moorenweisern in der Bürgerversammlung am meisten am Herzen. Kritisiert …
Moorenweiser kritisieren Wachstum

Kommentare