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„Bitte nehmen Sie Igel auf“ , sagt Armgard Götze – und erklärt wie das geht. Igel-Mutter Annemarie Eckl

Auf der Suche nach Winterquartieren

Hilferuf der Igel-Mütter

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Fürstenfeldbruck/Althegnenberg - Igel sind durch ihre Stacheln ganz gut gegen Angriffe geschützt. Doch gegen einen Feind hilft das nichts: die Kälte. Im Winter brauchen deshalb immer wieder Igel einen warmen Platz bei Menschen. Doch die wohl bekannteste Igelmutter im Landkreis kann keine Tiere mehr aufnehmen.

Wer so ein hilfloses Tier entdeckt, hat es bisher oft bei der privaten Igel-Station von Annemarie Eckl (70) abgegeben. Mittlerweile kann die Germeringerin aber keine neuen Igel mehr aufnehmen. Daher suchen sie und ihre Freundin Armgard Götze nun dringend tierliebe Menschen, die Igeln ein Winterquartier bieten.

Besonders gefährdet sind verwaiste Jungtiere. „Sie werden erst im September geboren und haben oft noch nicht genug Fettreserven“, sagt Armgard Götze. Die 78-Jährige, die in Hörbach wohnt, leitet den 1992 gegründeten Verein Mensch- und Tierhilfe Mering. „Um den Winterschlaf zu überleben, müssen Igel etwa 500 Gramm wiegen.“ Auch kranke und verletzte Tiere, oder jene, die nach einem Wintereinbruch noch draußen herumlaufen, bräuchten Hife, sagt sie.

Götze und Igel-Mama Eckl kennen sich seit fast 25 Jahren. 50 Jahre lang hat die Germeringerin Igel durch den Winter gebracht – teilweise hatten sie und ihr Mann über 100 Tiere einquartiert. Jetzt geht das wegen ihrer Gesundheit nicht mehr. Bei Armgard Götze leben derzeit sechs Tiere. „Mehr Platz habe ich leider nicht“, berichtet die 78-Jährige. Und die Tierheime und Tierschutzvereine in der Region würden kaum Igel aufnehmen.

Nun hoffen die Igel-Mütter, Mitstreiter in der Bevölkerung zu finden. Es sei gar nicht schwer, ein artgerechtes Igel-Quartier zu bauen. Ein Tier brauche etwa zwei Quadratmeter Platz in einem ruhigen Raum. „Bei mir leben sie in einem alten Kaninchenkäfig“, sagt Armgard Götze. Gesunde und ausgewachsene Igel können in einem Gehege überwintern, dessen Temperatur der Außentemperatur entspricht.

Für die Winterruhe in menschlicher Obhut sollten Jungtiere etwa 600 Gramm wiegen. Bis sie so schwer oder gesund gepflegt sind, sollte es etwa 17 Grad warm sein.

Die Unterkunft sollte mit Heu, Stroh oder Zeitungspapier ausgepolstert sein. Diese Unterlage sollte man einmal täglich, am besten morgens, wechseln. Das Tier benötige zudem einen Blätterhaufen oder ein Papp-Häuschen als Rückzugsmöglichkeit. „Es ist egal, ob der Raum hell oder dunkel ist. Am Tag schläft der Igel, er bewegt sich erst am Abend“, sagt Armgard Götze.

Was man keinesfalls tun sollte, ist Milch füttern. Daran können die laktoseintoleranten Tiere sterben. Mit einer Schale Katzenfutter täglich sei man auf der sicheren Seite. Wer Trockennahrung füttert, sollte zusätzlich ein Wasserschüsselchen bereitstellen.

„Wer einen geschwächten, kranken, verletzten oder verwaisten Igel findet, sollte ihn sofort zum Tierarzt bringen“, so die Hörbacherin. Gesunde Tiere könne man ohne Probleme daheim unterbringen. Nach ein paar Tagen, wenn sich das Tier eingewöhnt hat, sollte man es beim Tierarzt aber impfen und entwurmen lassen, rät die Seniorin.

„Ein Tier zu versorgen kostet nicht viel Zeit“, sagt auch Annemarie Eckl. Obwohl sie selbst keine Igel mehr aufnehmen kann, verspricht sie: „Bei Fragen können sich die Leute jederzeit an mich wenden.“ Die Germeringerin hofft, dass sich in Zukunft mehr Menschen um die stacheligen Tiere kümmern. Und die 70-Jährige wünscht sich mehr Verständnis für ihre eigene gesundheitliche Lage. „Die Leute wollen immer noch Igel bei uns vorbeibringen“, sagt sie. „Aber mein Mann und ich können das einfach nicht mehr leisten.“ (rm)

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