Bürgermeister Rainer Spicker an seinem Schreibtisch am Rathaus . Er arbeitet mit einem Laptop an zwei Monitoren. „Ich bin halt ein IT-Fanatiker, sagt er.  Foto: Hartl
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Bürgermeister Rainer Spicker an seinem Schreibtisch am Rathaus . Er arbeitet mit einem Laptop an zwei Monitoren. „Ich bin halt ein IT-Fanatiker, sagt er. Foto: Hartl

INTERVIEW-SERIE - Rainer Spicker hatte als Ortschef von Althegnenberg einen schwierigen Start

„Ich bin 50 Stunden und mehr im Rathaus“

Knapp 100 Tage ist Rainer Spicker inzwischen als Bürgermeister im Amt – seit heuer ist der Rathauschef in Althegnenberg hauptamtlich tätig. Ein Interview.

Althegnenberg – Bis jetzt musste der 50-Jährige, der sechs Jahre lang Vize-Rathauschef war, zweigleisig fahren – als Gemeindeoberhaupt und bei seinem Arbeitgeber KUKA AG in Augsburg. Und das war nicht immer ganz einfach-

Wie war die erste Zeit als Erster Bürgermeister?

Es war natürlich alles nicht so einfach. Corona hatte großen Einfluss. Es ist alles nicht so gelaufen wie sonst. Antrittsbesuche, Veranstaltungen, Gemeinderat – das alles war sehr gewöhnungsbedürftig. Während des Lockdowns war es sogar einfacher, danach wurde es schwierig. Da kamen immer Fragen, was ist jetzt erlaubt und ab wann – egal ob Spielplätze, Hartplatz, Fußball. Auch unser Bürgermeister-Seminar am 17. März musste ausfallen. Das werden wir, also Robert Bals aus Adelshofen, Franz Ostermeier aus Mittelstetten (die neuen Amtskollegen im Bereich der Verwalungsgemeinsachaft Mammendorf, d. Red.) und ich demnächst nachholen.

War es ein Vorteil, dass Sie schon sechs Jahre Erfahrung als Vize hatten?

Auf jeden Fall. Ich bin von meinem Vorgänger Paul Dosch super eingearbeitet worden. Er steht mir auch jetzt noch mit Rat und Tat zur Seite, wenn es nötig ist. Aber für jemanden, der ganz neu ist, ging das von Null auf 100. Das Trauungs-Seminar habe ich inzwischen absolviert, Ende September ist die erste Trauung geplant.

Wie war die Doppelfunktion als hauptamtlicher Bürgermeister und Angestellter einer Firma?

Ich war seit dem 13. März im Homeoffice und ab dem 1. Mai im Rathaus. Es gab zwei Haupttage für meine Firma. Die Doppelbelastung war sehr stressig. Es gab bis jetzt sechs Gemeinderatssitzungen, zweimal tagte der Bauausschuss, dreimal hatten wir Bürgermeister-Sitzung in der VG. Ich hatte fünf Treffen mit meinen beiden Stellvertretern, und hinzu kam noch der Schulverband.

Nicht nur der Bürgermeister ist neu in Althegnenberg, der Gemeinderat ist um zwei Sitze gewachsen und es sind auch viele Neue dabei.

Der Start war in der Tat etwas holprig, aber es wird langsam. Wir hatten gleich eine Feuertaufe mit dem neuen Baugebiet, dem Bürgerentscheid, der Dorfmitte und der Kläranlage. Ein großes Thema ist auch der Sitzungssaal, der für uns inzwischen zu klein ist, gerade, wenn viele Zuhörer da sind. Momentan sind wir ja im Sportzentrum im Überbau, das ist auf Dauer aber auch keine Lösung. Das Pfarrheim könnte eine Möglichkeit sein. Die Althegnenberger sind sehr politikinteressiert, zum Teil haben wir 20 Leute da. Und wenn jetzt der Feuerwehr-Bedarfsplan vorgestellt wird, werden wir eventuell wieder in die Turnhalle gehen.

Gab es denn mal Tage, an denen Sie verzweifelt sind und wünschten, Sie hätten nicht kandidiert?

Tatsächlich hatte ich bisher einen solchen Tag, an dem ich wirklich am System gezweifelt habe. Da ging es um die Änderung der Fragestellung des Ratsbegehrens. Und dann wurde unser Flyer beanstandet – das hätte es alles nicht gebraucht. Aber bereut habe ich meine Bürgermeister-Kandidatur deswegen nicht. Ich bin noch da.

Wie schafft sich der Bürgermeister einen Ausgleich zum Amtsgeschäft?

Die Familie steht voll hinter mir, das hilft sehr. Der Zuspruch im Ort ist sehr positiv. Ich gehe nach wie vor meinem Hobby als Imker nach. Ich habe mit zwei Völkern angefangen, jetzt sind es schon neun. Und ich versuche auch abzuschalten, mache mindestens jeden zweiten Tag Sport.

Gab es denn in der turbulenten Zeit auch mal schöne Momente?

Ja natürlich. Viel Kraft gibt der Zuspruch aus der Bevölkerung. Ich rede auch gern mit den Leuten, aber man kann es natürlich nie allen recht machen.

Ist es ein Problem, wenn man vom Gemeinderatsmitglied zum Bürgermeister aufsteigt und dann der Boss ist?

Ich bin ja jetzt die vierte Periode im Gemeinderat, mit den meisten Ratsmitgliedern bin ich aufgewachsen. Es gibt auch nur einige Räte, die dienstälter sind als ich. Ich musste auch in meinem Beruf schon Entscheidungen treffen und Personen führen, das ist jetzt hilfreich. Vielleicht gehe ich einiges noch zu locker an, aber da wird sich das richtige Maß finden.

Viele Bürger dachten, Sie sind gleich mit Amtsantritt ausschließlich für die Gemeinde tätig. War das ein Problem?

Ja, das war tatsächlich so, aber es wird jetzt deutlich leichter werden nach meinem Abschied bei der KUKA. Ich hatte bisher keine Woche, in der ich nicht 50 Stunden oder mehr im Rathaus war, teilweise auch samstags und sonntags. Zwei Herren zu dienen ist eben schwierig. Künftig kann ich zweieinhalb Tage mehr verfügbar sein in der Gemeinde.

Was sind die Hoffnungen für die Zukunft der Gemeinde?

Liquide werden und das Thema Kläranlage in den Griff kriegen. Das musste jetzt leider lange liegen bleiben. Bürgerentscheid, Dorfmitte und das Baugebiet Erweiterung Graf-Dux-Straße haben bis jetzt viel Kraft und Zeit gekostet, aber es ist uns gelungen. Und mit dem Thema Feuerwehr geht es jetzt ja erst richtig los. Wie die erste Bürgerversammlung aussehen wird, wissen wir derzeit auch noch nicht. Und zum Thema Umwelt und Energie: Die Gemeinde muss zwingend CO2- und klimaneutral denken sowie handeln. Wir müssen mehr auf regenerative und erneuerbare Energien setzen.

Gab und gibt es Ratschläge von Vorgänger und Schwiegervater Paul Dosch?

Ja, am Anfang schon, aber es ist weniger geworden. Er ist noch sehr interessiert am Geschehen, aber er mischt sich nicht ein. Von sich aus sagt er nichts, nur wenn ich frage.

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