Oft wird Erde regelrecht gesiebt. Toni Drexler und seine Mitstreiter finden darin immer wieder interessante Stücke. Auf der Baustelle in Althegnenberg genügte es, dass er mit den Händen den Schutt durchwühlte.

Archäologie im Brucker Landkreis

Das Knochen-Rätsel der vergessenen Burg

Oft sind es gar nicht die großen Funde, an die sich die Archäologie-begeisterten am häufigsten erinnern, sondern eher unbedeutende. Das gilt auch für die Speisereste der alten Hegnenberger. 

Althegnenberg – Die Familie residierte einst auf einer Burg in Althegnenberg. Heute steht dort eine Kirche. Als diese renoviert wurde, zog es Toni Drexler immer wieder an die Baustelle.

Sie verraten, was auf den Tisch der Ritter von Hegnenberg kam: Abgenagte Knochen von Tieren, die nach dem Essen einfach auf einen Abfallhaufen geworfen wurden. Jahrhunderte später kamen sie wieder ans Tageslicht.

„Die haben da das Fundament aufgegraben“, erinnert sich der ehemalige Kreisheimatpfleger und versierte Hobbyarchäologe. Er nutzte die günstige Gelegenheit und durchwühlte immer wieder den Schutt, den die Arbeit dabei aufhäuften. Neben diversen mittelalterlichen Scherben fand er jede Menge Knochen.

Drexler sammelte sie ein, und brachte sie einem Paläoanthropologen. „Des war ganz lustig“, erinnert er sich. Er hatte die Knochen zum Transport einfach in einen Schuhkarton gepackt. Der Spezialist nahm einen nach dem anderen aus dem Karton, warf ihn auf den Tisch wie Trümpfe beim Kartenspiel und kommentierte das mit den Worten Schwein, Rind, Schwein, Hirsch, und so weiter. Toni Drexler war schlicht und ergreifend auf einen Abfallhaufen gestoßen. „Die haben ihre abgefieselten Knochen einfach aus dem Fenster geworfen.“

Ein Wohnturm

Was den ehemaligen Kreisheimatpfleger besonders faszinierte: „Wie der einfach beim bloßen Hinschauen unterscheiden konnte, welcher Knochen von welchem Tier stammte, unglaublich.“ So konnten Rückschlüsse gezogen werden, was auf Burg Hegnenberg auf den Tisch kam. Ihre Bewohner stammten aus dem niederen Beamtenadel. „Man darf sich das nicht vorstellen, wie die Burg Trausnitz. Das war bloß ein Wohnturm, wahrscheinlich lediglich aus Holz.“

Interessant waren die Knochenfunde trotzdem. „Heute ist die Archäologie ja Gott sei Dank weggekommen von der reinen Schatzsuche“, sagt Drexler. Funde aus Edelmetall zu bergen und auszustellen sei in den Hintergrund getreten. „Unscheinbare Scherben sagen oft viel mehr aus.“ Oder eben abgefieselte Knochen. SABINE KUHN

BodenSchätze

Alle in dieser Serie beschriebenen Fundstücke und noch viele mehr sind bis 30. August dezentral ausgestellt – meistens in der Nähe der Fundorte. Die Tierknochen sind in der Sparkasse Althegnenberg, Augsburger Straße 4, zu sehen. Von 2. bis 27. September sind alle Objekte zentral im Landratsamt ausgestellt. Den Flyer mit weiteren Informationen gibt es im Internet unter www.historischer-verein-ffb.de unter dem Menüpunkt aktuelles, Ausstellungen zum herunterladen. Es gibt auch ein allgemeinverständliches Buch zur Ausstellung, in dem die Fundstücke erklärt werden.

Auch interessant: So fühlt sich ein Detektiv der Geschichte

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Maisach mahnt gerechtere Verteilung der Flüchtlinge an
 Die Gemeinde sagt Stopp: In Maisach werden keine weiteren Flüchtlinge untergebracht, die Zahl der Plätze wird durch Auflösung einer Unterkunft sogar reduziert.
Maisach mahnt gerechtere Verteilung der Flüchtlinge an
Sie wollen mitreden und die Stadt gestalten
Der neue Teilhabebeirat hat seine Arbeit aufgenommen und einen Vorsitzenden gewählt. Ziele und Vorgehen müssen aber noch feinjustiert werden.
Sie wollen mitreden und die Stadt gestalten
Diese Weihnachtsgeschichte hat kein Happy End: „Mir wird das Herz aus dem Leib gerissen“
Manfred Piringer, 55, aus Olching hat sich ins Weihnachtsfest verliebt. Jedes Jahr beleuchtet er sein Haus und denkt sich ein Musical mit Schneemann und Christkind aus. …
Diese Weihnachtsgeschichte hat kein Happy End: „Mir wird das Herz aus dem Leib gerissen“
Amper glänzt im Schein der Luzienhäuschen
Nach wochenlangem Basteln, unzähligen Tuben Kleber und fantasievollen Ideen war es endlich soweit: Am Freitagabend wurden die kunterbunten Luzienhäuschen zum …
Amper glänzt im Schein der Luzienhäuschen

Kommentare