„Überall, wo ich war, gab es eine interessante Aufgabe für mich“: Franz Kratzel, hier bei der Einweihung des Kinderhauses 2018. Foto: gog

Althegnenberg

Pfarrer verabschiedet sich nach 17 Jahren

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 Es endet eine Ära an diesem Sonntag in der Gemeinde. Zum einen verabschiedet sich Pfarrer Franz Kratzel nach 17 Jahren mit seinem letzten Gottesdienst in den Ruhestand. Zum anderen gibt es künftig keinen eigenen Pfarrer mehr in Althegnenberg.

Althegnenberg – Eine Woche später wird in Baindlkirch (Kreis Aichach-Friedberg) ein Pfarrverband gegründet, der mehrere Gemeinden umfasst, auch Althegnenberg.

Als er vor 17 Jahren nach Althegnenberg kam, hatte sich Franz Kratzel, Jahrgang 1936, seinen Ruhestand eigentlich schon wohlverdient gehabt. Denn die 20 Jahre zuvor hatte er als Seelsorger beim Bundesgrenzschutz, der heutigen Bundespolizei verbracht – „eine interessante Zeit“, wie er sagt. Viel unterwegs war er damals, auch bei Demonstrationen in Wackersdorf in der Oberpfalz, wo Mitte der 1980er-Jahre eine Wiederaufbereitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren errichtet werden sollte.

Danach folgte statt dem Ruhestand eine eigene Pfarrei in Althegnenberg, zugehörig zum Erzbistum Augsburg.

Franz Kratzel hatte in seiner Jugend das Gymnasium in Bruchsal (Baden-Württemberg) besucht, danach die Hochschule in Schönstadt und bekam anschließend ein Pastoral-Referat in Mering. Im St.-Paulus-Heim in Bruchsal, seiner früheren Schule, unterrichtete er für 13 Jahre Religion. Danach folgte seine Zeit beim Bundesgrenzschutz.

Anstatt sich dann in ein Kloster zurückzuziehen, bat er um eine Pfarrgemeinde – die er auch bekam. 17 Jahre lang war er in Althegnenberg tätig, lebte im Pfarrhaus. Eine besonders schöne Erinnerung wird ihn immer mit dem Ort verbinden, an dem er so lange Zeit gewirkt hat: Das ist der Bau des Pfarrheims vor 15 Jahren. „Das gab es ja vorher hier nicht, und alle haben mitgeholfen“, erinnert er sich.

Kirchenpfleger Franz Heiß, der im Gemeinderat auch als Referent für Kindergarten, Kirche und Friedhof zuständig ist, schätzt an dem Geistlichen vor allem „seine weltoffene Art, die ihm trotz seines Alters geblieben ist“. Neben dem Pfarrheim, das ein wichtiger Treffpunkt außerhalb der Kirchenmauern geworden ist, gab es früher auch keinen Familiengottesdienst in Althegnenberg. Heute schon. Das sind nur zwei Veränderungen, die Franz Kratzel bewirkt hat.

„Unser Pfarrer wird eine große Lücke hinterlassen, wenn er geht“, bedauert Heiß. „Er ist ein sehr, sehr beliebter Mensch im Ort, hat immer ein Lächeln auf den Lippen und immer frische Ideen gehabt.“

Einfach fallen wird auch Franz Kratzel der Abschied nicht. „Ich habe ja nicht gedacht, dass ich so lange hierbleibe“, sagt der 83-Jährige. Nun wird er an den Bodensee ziehen, wo der Pallottiner-Orden, dem er angehört, ein Gemeinschaftshaus hat. „Ich freue mich schon, ich kenne das Haus von früheren Besuchen. Aber das Umziehen ist das weniger Schöne daran.“ Bisher wohnte er ja im Pfarrheim. „Und nun kommt die Umstellung: von einem großen Haus in ein Zimmer. Da werde ich auf das Meiste verzichten müssen.“

In Althegnenberg werden sie ihn vermissen, ihren Pfarrer. Denn dass ein Pfarrer inmitten der Gläubigen wohnt, „sozusagen Tür an Tür“, wie Kirchenpfleger Franz Heiß sagt, ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. 

Der Abschiedsgottesdienst in St. Johannes Baptist am Sonntag, 13. Oktober, beginnt um 10 Uhr.

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