Ortsbegehung der Waldbauern

So trotzt der Wald Wind und Wetter

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Sturmschäden, große Trockenheit – der Wald muss sich dem Klimawandel anpassen. Über Ursachen und Folgen diskutierten rund 30 Waldbauern im Forst. Ihre Erkenntnis: Es muss sich einiges ändern.

Hörbach – Als der Hörbacher Waldbauer Jakob Drexler seinen Wald 1993 kaufte, bestand dieser zu 90 Prozent aus Fichten, wie viele deutsche Wälder. Heute sind es noch 40 Prozent. Damit ist sein Wald ein Musterbeispiel für die Veränderungen, die alle Brucker Wälder dringend brauchen.

Früher war die Fichte wegen ihres schnellen Wachstums beliebt. Durch den Klimawandel steht der Baum nun vor einer ungewissen Zukunft. Revierleiterin Anita Ottmann (46) ist seit sechs Jahren selbst Forstbesitzerin und Organisatorin der Begehung, zu der sich rund 30 Waldbauern trafen. „Die Fichte ist ein Gebirgsbaum und leidet unter den warmen, trockenen Sommern“, erklärt sie. Waldbauer Jakob Drexler fügt hinzu: „Bei mir geht die Fichte noch, weil ich einen guten Boden habe.“ In anderen Wäldern um Bruck sehe es aber anders aus. „Schon in wenigen Jahren könnte es für die Fichte an vielen Stellen sehr eng werden.“

Um für die Veränderungen gerüstet zu sein, hat sich Drexler schon früh breit aufgestellt. „Die Herren Kyrill und Lothar haben mir der Umstrukturierung des Waldes sehr geholfen“, scherzt Drexler in Anspielung auf die zwei Orkane, die 1999 und 2007 jeweils etwa ein Drittel seiner Bäume entwurzelt haben. „Bei der Naturverjüngung haben wir bewusst neue Sorten getestet und einen Mischwald aufgebaut.“ Etwa 9000 neue Pflanzen setzte Drexler in den vergangenen fast 25 Jahren. „Heute haben wir 29 Baumarten, von der Schwarznuss bis zur Edelkastanie.“

Diese Vielfalt hat viele Vorteile. „Es wird immer wichtiger, mehrere Baumsorten anzubauen, wenigstens fünf oder sechs“, erklärt Ottmann. Das schützt unter anderem vor Schädlingen. „Wird eine Baumsorte von einem Käfer befallen, kann ein vielfältiger Wald das besser kompensieren. Selbst im schlimmsten Fall trifft es nur einen kleinen Teil des Waldes.“ Durch die Laubbäume entsteht außerdem der wertvolle Humusboden, der den Wald langfristig gedeihen lässt. „Die Laubbäume holen die Nährstoffe tief aus der Erde und geben sie über das herabfallende Laub wieder an den Boden ab“, erklärt Drexler. „Ein reiner Fichtenwald kann das nicht.“

Für den Landkreis Fürstenfeldbruck sind intakte Wälder besonders wichtig. Zwar liegt der Kreis mit einem Waldanteil von 22 Prozent unter dem bayerischen Schnitt von 36 Prozent, dennoch besitzen 1500 Privatleute etwa 4000 Hektar Wald. „Diese Fläche müssen wir schützen“, meint Revierleiterin Anita Ottmann. Dazu soll auch nächstes Jahr wieder eine Waldbegehung stattfinden. „Wir wollen uns jedes Jahr einen gut aufgestellten Wald in einer anderen Ecke des Kreises anschauen. Voneinander lernen funktioniert einfach besser, als von oben herab dozieren.“

Die mehr als 30 Teilnehmer der Waldbegehung stimmten zu. Trotz schlechten Wetters fachsimpelten sie über zwei Stunden lang über den richtigen Wald. „Es ist schön, dass so viele kamen, sich austauschten und etwas mitnehmen konnten“, sagt Ottmann.

Christian Masengarb

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