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„S23X“: Mit der zweiten Stammstrecke drohen Probleme - Nun gibt es acht Forderungen an Regierung

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Von: Thomas Steinhardt

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Der Bahnhof in Mammendorf.
Der Bahnhof in Mammendorf. (Archivfoto) © tb

Wenn die zweite Stammstrecke in München einmal fertig ist, drohen Verschlechterungen im Schienenverkehr für die kleinen Kommunen im Westen des Landkreises. Sie haben einen Forderungskatalog aufgestellt.

Westlicher Landkreis Fürstenfeldbruck – Im Kern geht es um die Haltepunkte Althegnenberg, Haspelmoor und Mammendorf – darüber hinaus aber um sehr viel mehr. Denn die genannten Orte sind Anlaufpunkte für etliche Pendler aus dem gesamten nordwestlichen Landkreis. Deren Verkehrsausschuss kämpft seit Jahren um Verbesserungen – und muss sich nun sogar noch gegen mögliche Verschlechterungen wehren. Dabei will der Fachausschuss des Kreistageshelfen.

Das Problem: Wenn die zweite Stammstrecke in Betrieb ist, sollen Regionalzüge zwischen Mering und München-Pasing gar nicht mehr halten. Stattdessen soll zwischen Augsburg und München eine neue S-Bahn mit der Bezeichnung S23X verkehren. Diese S-Bahn soll stündlich in Althegnenberg und Haspelmoor halten und darüberhinaus Mammendorf, Maisach, Olching, Gröbenzell, Pasing und Laim bedienen. Sprich: Die Reisezeit steigt deutlich – und der Vorteil der Regionalzüge ist weg.

Der Verkehrsausschuss der Gemeinden im nordwestlichen Landkreis hat die Pläne für die S23X bereits abgelehnt, wie es in einem Papier der ÖPNV-Stabsstelle im Landratsamt heißt. Begründung: Eben die längere Reisezeit, aber auch der stark zunehmende Mischverkehr (Fernverkehr, Regionalzüge, S23X , S3 und Güterzüge), der zu Verspätungen und Zugausfällen führen könnte. Im Gegensatz zum heutigen Fugger-Express werde die S23X außerdem über keine Toiletten verfügen.

Fürstenfeldbruck: Sorge wegen zweiter Stammstrecke - Die Forderungen im Einzelnen

Der Landkreis Fürstenfeldbruck stellt acht ganz Konkrete Forderungen an Staatsregierung und Landtag.
1. Beim künftigen Schienen-Fahrplanangebot auf dem Gebiet des Landkreises Fürstenfeldbruck soll es – auch nach Fertigstellung der zweiten Stammstrecke – zu keinen Angebotsverschlechterungen gegenüber dem Status quo kommt,
2. Zur morgendlichen Hauptverkehrszeit zwischen 6.30 Uhr und 7.30 Uhr soll für die Bahnhöfe Althegnenberg, Haspelmoor und Mammendorf gegenüber dem Status quo ein weiterer Regionalzughalt in Fahrtrichtung München eingerichtet werden.
3. Die derzeit nicht direkt ans Münchner S-Bahn-Netz angebundenen Bahnhöfe Althegnenberg und Haspelmoor dürfen beim SPNV-Fahrplanangebot nicht schlechter gestellt werden als aktuell die Bahnhöfe Kissing, Mering und St. Afra auf dem Gebiet des Landkreises Aichach-Friedberg.
4. Für den S3-Endhaltepunkt Bahnhof Mammendorf von und nach München sollen in Kombination zwischen Regionalzug und Münchner S-Bahn mindestens vier Zughalte je Stunde eingeplant werden.
5. Die Umsetzung der Punkte 2. bis 4. wird spätestens für den Betriebsübergang des derzeitigen „Fugger-Express“ von der DB AG auf Go-Ahead vorgesehen.
6. Unabhängig von den Angebotsplanungen wird der Zugang zum Bahnsteig am Bahnhof Haspelmoor zeitnah barrierefrei gestaltet.
7. Ein aktuelles Gutachten hinsichtlich einer gegebenenfalls erforderlichen Ertüchtigung der Leit- und Sicherheitstechnik soll vorgelegt, beziehungsweise erstellt werden.
8. Eine aktuelle Auswertung der Ein- und Aussteigerzahlen an den Bahnhöfen des derzeitigen „Fugger-Express“ sollen in Verbindung mit einer Erhebung über den jeweiligen Start- und Zielbahnhof vorgelegt oder zeitnah erstellt werden.

Der zähe Kampf der Pendler im westlichen Landkreis

Die Bahnhöfe Althegnenberg und Haspelmoor (Gemeinde Hattenhofen) haben keinen S-Bahn-Anschluss, Regionalzughalte bieten die einzige Möglichkeit für eine direkte Schienenverbindung nach Augsburg und München. Der Bahnhof Mammendorf verfügt zwar über S-Bahn-Halte, ist aber gleichzeitig Endstation der S-Bahn-Linie S3 und somit eine Art Schnittstelle für den Umstieg zwischen S-Bahn, Regionalzug und Bus, wie die ÖPNV-Stabsstelle des Landkreises zusammenfasst.

Nachdem 1987 sämtliche Regionalzughalte an Sonn- und Feiertagen gestrichen worden seien und 1990 alle Nahverkehrszughalte wegen des damals neuen ICE-Betriebes eingestellt werden sollten, habe man mit Hilfe der Politik erreicht, dass anfangs zumindest noch fünf Zughalte pro Tag erhalten blieben.

Auch eine 1992 von der Deutschen Bahn im Rahmen des anstehenden viergleisigen Ausbaus geplante Zusammenlegung der Bahnhöfe Althegnenberg und Haspelmoor habe man auf politischem Wege gerade noch verhindern können. Damals wurde gegenüber den betroffenen Gemeinden kommuniziert, dass eine Verbesserung der Regionalzuganbindung für Althegnenberg, Haspelmoor und Mammendorf ausschließlich nach Realisierung des viergleisigen Ausbaus möglich wäre. Bei einer öffentlichen Veranstaltung am 27. März 1998 sei für die Regionalzuganbindung ein Stundentakt zugesagt worden.

Auch in dieser Phase habe es immer wieder Rückschläge gegeben, berichtet die ÖPNV-Stabstelle. Beispielsweise sollte der Abschnitt bei Haspelmoor doch nicht ausgebaut werden oder es wurde zu Lasten eines Nahverkehrsangebotes über eine neue Art von Fernverkehrsverbindung (Magnetschwebebahn) diskutiert. Obwohl ursprünglich vorgesehen, blieb letztlich auch der barrierefreie Ausbau des Bahnhofes Haspelmoor auf der Strecke, der Mittelbahnsteig ist nur über eine steile Treppe erreichbar.

Im Laufe der Zeit kamen sporadisch zusätzliche Regionalzughalte hinzu, letztmals fünf Halte im Jahr 2017. Den 1998 zugesagte Stundentakt der Regionalzuganbindung nach München und Augsburg gibt es für Althegnenberg, Haspelmoor und Mammendorf bis heute nicht.

Dafür mussten in 23 Jahren unterschiedliche Begründungen herhalten – etwa der Engpass am sogenannten Westkopf München-Pasing, die Wendezeiten am Hauptbahnhof, aber auch finanzielle Probleme durch Ausgleichszahlungen zwischen MVV-Tarif und DB-Tarif beim Halt an Bahnhöfen im MVV-Tarifgebiet.

Für erhebliches Unverständnis bei den betroffenen Fahrgästen aus dem nordwestlichen Landkreis sorgt dabei die Tatsache, die es zum Beispiel für die Bahnhöfe im Landkreis Aichach-Friedberg, unabhängig vom tatsächlichen Fahrgastpotenzial, schon seit langem ein deutlich besseres Regionalzugangebot gibt.

Thomas Steinhardt

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