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Direkt neben der Geiselbullacher Müllverbrennungsanlage sollte die Aluminiumsaufbereitungsanlage entstehen. Die Betreiber wollten die Abwärme nutzen. Das Foto stammt aus den 1980er-Jahren.

Als die Bürger gegen die Alu-Fabrik kämpften

Landkreis - Wie kann man die Abwärme der Müllverbrennungsanlage Geiselbullach nutzen? Darüber wurde bereits vor 25 Jahren diskutiert. Eine Aluminiumsaufbereitungsanlage war geplant. Doch das Vorhaben scheiterte – an einer der größten Protestbewegungen in den Landkreisen Bruck und Dachau.

Die Nachricht, auf die die Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck so sehr gehofft hatten, war nur wenige Zeilen lang. „Das Projekt wird nicht weiterverfolgt“, verkündeten am 3. September vor 25 Jahren die Bauherren. Es war das Aus für die geplante Aluminium-Wiederaufbereitungsanlage (Alu-WAA) in Geiselbullach. Eine der größten Protestaktionen in der Geschichte der beiden Landkreise war erfolgreich.

Schon im Jahr 1987 gab es ein Raumordnungsverfahren, bei dem es darum ging, dass die Firma „Süddeutsche Aluminium-Salzschlacke-Aufbereitungs-Gesellschaft mbH“ (SASAG) eine Aluminium-Wiederaufbereitungsanlage bauen möchte. Geplant war, dass jährlich 116 000 Tonnen Material verwertet werden, „darunter 80 000 Tonnen Aluminium-Salzschlacke, 17 500 Tonnen minderwertige Krätze und 18 500 Tonnen Krätzestaub“.

Geplant war das Areal neben der Müllverbrennungsanlage

Die neue Einrichtung sollte direkt neben der Geiselbullacher Müllverbrennungsanlage entstehen, da die Betreiber deren Abwärme nutzen wollten. Ein weiterer Vorteil des Standortes für die SASAG: Die Firma Sommer, der die SASAG zur Hälfte gehörte, hatte ihren Sitz ganz in der Nähe in Emmering und betrieb außerdem die Sondermülldeponie in Wiedenzhausen (Kreis Dachau). In der Politik gab es Spekulationen, dass die Wiedenzhausener Deponie zum Zwischen- oder Endlager für Salzschlacke werden könnte. Dabei verursachte die Wiedenzhausener Sondermülldeponie sowieso schon Probleme.

„Bei der Deponie in Wiedenzhausen hat man schlechte Erfahrungen mit der Firma gemacht“, erinnert sich Roderich Zauscher, der damals gemeinsam mit dem Bund Naturschutz gegen die Alu-WAA gekämpft hatte. In der Umgebung der Wiedenzhausener Deponie gab es Pflanzen- und Baumschäden, ein starker Ammoniakgeruch hing in der Luft, ob für die Bevölkerung gesundheitliche Gefahren bestanden, war unklar. Die Wiedenzhausener gründeten sogar eine Bürgerinitiative gegen die Anlage.

Als die Pläne für die Wiederaufbereitungsanlage in Geiselbullach bekannt wurden, formierte sich in beiden Landkreisen sofort riesiger Protest. „Die Anlage wollte eigentlich niemand“, erzählt Zauscher. „So einen Widerstand habe ich noch nie erlebt.“

Hand in Hand gekämpft

Gemeinden, Naturschutzorganisationen, die Kirchen, Lokalpolitiker aus allen Parteien, der damalige Landrat Hansjörg Christmann, Dachaus Oberbürgermeister Dr. Lorenz Reitmeier, viele Ärzte und die Bürger kämpften Hand in Hand gegen das Projekt. „Es war hochemotional und hochdramatisch“, sagt Zauscher. „Jeder hatte Angst, dass, wenn man einmal das Tor aufmacht, weitere Negativeinrichtungen kommen.“ Tausende von Bürgern beteiligten sich an Unterschriftenaktionen, schrieben Einwendungen an die Regierung oder gingen zu Demonstrationen. Alle waren sich einig: Sollte die Anlage genehmigt werden, kommt es zu einer Klage.

Auf der anderen Seite kämpfte die SASAG vehement für ihr Vorhaben. Zauscher wurde sogar ein Millionenprozess angedroht, weil er ihm zugesteckte Unterlagen weiterleitete. Auch als das Abfallheizkraftwerk Geiselbullach signalisierte, seine Abwärme nicht zur Verfügung stellen zu wollen, gab es juristische Drohungen.

Passiert ist letztlich nichts, stattdessen kündigte die SASAG im September 1991 an, die Aluminium-Wiederaufbereitungsanlage aufzugeben. „Der Widerstand der Bevölkerung war einfach zu groß“, sagte Udo Boin aus Frankfurt, einer der Anteilseigner, damals. Ernüchtert stellte er fest: „Wir hätten das Geld ebenso gut in den Gully stopfen können.“ Den Gegnern wäre das wohl auch recht gewesen.

Claudia Schuri/Max Wagner

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