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Ein schlechter Lebensraum für die Fische: Der Teil der Amper, der zwischen Schöngeisinger Straße und Lände fließt, führt einfach zu wenig Wasser.

Sind die Stadtwerke daran schuld?

Zu wenig Wasser in der Amper: Fische sterben

Fürstenfeldbruck - An vielen Tagen im Jahr herrscht in der Amper bei der Lände Niedrigstand. Das Wasser wird für das Kraftwerk der Stadtwerke benötigt. Nun fordern Bund Naturschutz (BN) und Bezirksfischereiverein: Das Energieunternehmen soll den Hahn aufdrehen – für die Fische.

Der von den Fischern Nasenbach genannte Teil der Amper bei der Lände in Fürstenfeldbruck hat seinen Namen nicht von ungefähr verliehen bekommen. Die Nase ist nämlich nicht nur ein Riechorgan, sondern auch ein Fisch aus der Familie der Karpfen. Und Nasen gab es früher dort in großer Menge.

Doch heute ist der Fisch in dem Arm der Amper trotz Stützmaßnahmen der Angler, die jährlich 2000 der Fische einsetzen, praktisch ausgestorben. Es gibt zu wenig Wasser. „Die Restwassermenge aus dem Ausleitungsstück ist gleich Null“, sagt Thomas Schiffler, der Vorsitzende des Brucker Fischereivereins.

Die Fischtreppe im Bach habe deshalb keine Funktion. Den Tieren sei dadurch die Möglichkeit zum Wandern genommen. Weil der Großteil der Fische in der Region aber zu ihren Laichplätzen und wieder zurück wandern, „ist ein Vorkommen im Nasenbach effektiv eigentlich nicht vorhanden“, sagt Schiffler. Dabei könnte ein breites Spektrum an Fischen hier eine Heimat finden: Die Amper ist neben der Nase vor allem für Barben, aber auch für Bachforellen, Huchen und Äschen prädestiniert.

„Es gibt auch Sichtungen, dass die Fische bis zur Treppe wandern“, sagt Schiffler. Dort heißt es dann aber: Nichts geht mehr. „Die Stadtwerke sollten mehr Wasser durchlassen und dem Nasenbach wieder Leben einhauchen“, sagt Schiffler. Dazu kommt ein weiteres Problem, wie der Fischerei-Sachverständige Christian Goetz erklärt. Der Diplom-Biologe hatte eine Führung mit Vertretern des BN, des Stadtrats und der Stadtverwaltung unternommen, bei der er die Missstände aufzeigte.

Nicht nur das Niedrigwasser bereitet den Fischen Probleme. Wenn die Stadtwerke weniger Wasser brauchen – zum Beispiel bei Hochwasser oder wenn etwas repariert wird – dann entsteht im Nasenbach laut Goetz quasi ein Sturzbach. „Dieses ständige An/Aus ist eine Katastrophe“, sagt er. Schiffler erklärt warum: „Wenn der Wasserstand hoch ist, können die Fische ein Stück weit wandern.“ Wird die Zuflussmenge dann reduziert, würden die Schwellen im Bach zu einer Barriere werden. „Die Fische sind dann eingesperrt“, sagt Schiffler. Goetz schlägt deshalb vor, die Sohlschwellen so zu gestalten, dass sie für Fische leichter passierbar sind. Außerdem solle die Durchflussmenge durch den Bach konstant gehalten werden.

Forderungen, die Stadtwerke-Geschäftsführer Enno Steffens durchaus bekannt sind: „Es gab bei uns diesbezüglich Anfragen des BN und des Fischereivereins“, bestätigt er dem Tagblatt auf Nachfrage. Den Wünschen nachzukommen, gestalte sich aber schwierig, denn: „Wenn wir mehr Wasser durch den Bach lassen, führt das zu Ertragsverlusten bei der Stromerzeugung.“ Und die können gravierend sein, wie der für die Erzeugungsanlagen und Rohrnetze zuständige Abteilungsleiter Christian Wiegner erklärt: Um die Sohlschwellen so zu umspülen, dass sie für Fische passierbar werden, brauche man eine sehr große zusätzliche Wassermenge, die aber zur Stromerzeugung benötigt wird.

„Wenn wir so viel ableiten, können wir das Kraftwerk praktisch gleich abschalten“, sagt Wiegner. Im Jahr 2010 habe man außerdem an anderer Stelle bereits ökologische Verbesserungen geschaffen. „Wir haben die Abflussmenge im naturbelassenen Abschnitt erhöht, der zum ehemaligen Polizeibad gegenüber der Amperoase führt.“

Ein sachkundiger Gutachter habe diese Maßnahme für sinnvoller erachtet. Es scheint nach derzeitigem Stand also kaum wahrscheinlich, dass die Stadtwerke auf die Forderungen von Bund Naturschutz und Fischern eingehen. Der Name „Nasenbach“ wird also auch in Zukunft wohl nur an vergangene Zeiten erinnern.

Andreas Daschner

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