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Farben veranschaulichen den Zustand der Gewässer: Grün (Amper) bedeutet guter ökologischer Zustand, orange (Maisach) steht für unbefriedigend, rot (Starzelbach, Ascherbach, Gröbenbach und Erlbach) signalisiert schlechten Zustand. Gelb (Amper nach den Zuflüssen aus dem Landkreis) heißt mäßig. 

Ökologischer Zustand der Fließgewässer

Alarmstufe Rot an vielen Bächen

Um die Flüsse und Bäche im Landkreis steht es schlecht. Fast alle sind in ökologisch miserablem Zustand. Das hat das zuständige Wasserwirtschaftsamt München herausgefunden. Es gibt aber Pläne, wie den Gewässern neues Leben eingehaucht werden soll.

Der Gröbenbach in Gröbenzell.

Landkreis – Der Anblick dieser Karte lässt Naturfreunde erschaudern. Gröbenbach, Starzelbach, Ascherbach, Erlbach: Alle sind rot eingefärbt. Rot bedeutet, dass der ökologische Zustand der Gewässer schlecht ist. Ein ähnliches Bild geben die Maisach und ihre Zuflüsse ab. Ihr Zustand: mangelhaft.

Entworfen hat die Karte das Umweltbundesamt. Sie zeigt sämtliche Fließgewässer der Republik und ihren Zustand. Erstellt wurde sie mit Daten der Wasserwirtschaftsämter (WWA). Im Landkreis hat das zuständige WWA München in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Umwelt und der Fachberatung für Fischerei an der Regierung von Oberbayern Daten gesammelt. Das Fazit von Behördenleiter Christian Leeb: Der Landkreis liefert ein ähnliches Bild wie der Rest der Republik ab. In ganz Deutschland sind nur sieben Prozent der Bäche und Flüsse in einem ökologisch guten Zustand.

Aufgrund vieler Hindernisse können Fische nicht mehr wandern

Dieser wird im Wesentlichen auf Basis des Vorkommens verschiedener Arten bestimmt. Sie werden mit dem Bestand verglichen, der natürlicherweise in dem entsprechenden Gewässertyp vorhanden wäre. Je nach Grad der Abweichung werden fünf Zustandsklassen von „sehr gut“ bis „schlecht“ vergeben.

Der Starzelbach in Eichenau.

An Gröben- und Starzelbach sowie am Ascher- und Erlbach hat vor allem der Zustand des Fischbestandes zur Bewertung „schlecht“ geführt, erklärt Christian Leeb. Viele Hindernisse machten es den Fischen nicht mehr möglich zu wandern. Das hat gravierende Folgen.

„Es gibt dort keine sich selbst erhaltenden Populationen mehr“, sagt Leeb. Das heißt: „Würden Fischereivereine keine Tiere einsetzen, gäbe es dort bald gar keine Fische mehr.“ Ein ähnliches Bild ergibt sich an der oberen Glonn und ihren Zuflüssen.

Problematisch für die Gewässerökologie ist auch die zunehmende Verschlammung. Zum einen gebe es immer mehr Ackerflächen, die zudem immer öfter ohne Zwischenfrüchte brach lägen. Sie seien besonders anfällig für die immer häufiger auftretenden Starkregenereignisse. Boden und Nährstoffe würden so in die Bäche und Flüsse gespült.

Es sollen Wehre entfernt oder Fischtreppen eingebaut werden

Der Ascherbach in Gröbenzell.

Geht es nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, sollten alle Gewässer der Gemeinschaft bereits in gutem oder sehr gutem Zustand sein. Dieses hehre Ziel hatte man sich für 2015 gesetzt – es wurde mit Pauken und Trompeten verfehlt. Jetzt hat Brüssel das Jahr 2027 im Auge. Bis dahin soll die Gewässer-Wende geschafft sein. Christian Leeb hält dieses Datum aber schon jetzt für fraglich. „Es gibt bereits Verhandlungen, das zu verschieben.“

Gearbeitet wird aber trotzdem daran. „Wir erstellen für alle Gewässer Umsetzungskonzepte“, sagt Christian Leeb vom Wasserwirtschaftsamt.

Geplant sei etwa, Bauwerke wie Wehre zu entfernen oder Fischtreppen einzubauen. Zudem sei angedacht, Ufer wieder naturnah zu gestalten. Auch im Plan: Totholz oder große Steine bleiben im Gewässer. Sie dienen Jungfischen als Versteck. Außerdem arbeiten die Wasserwirtschafter mit den Landwirtschaftsämtern zusammen. Ziel: Es soll möglichst wenig Boden in die Bäche gespült werden. „Das ist doch auch im Sinne der Bauern“, sagt Leeb.

Einen Lichtblick gibt es bereits jetzt: Die Amper zwischen Grafrath und der Einmündung der Maisach befindet sich bereits jetzt in einem ökologisch guten Zustand – der einzige grüne Strich auf der Karte.

von Tobias Gehre

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