Bei Anruf Taxi: Das AST ist sehr beliebt und kann künftig per Handy-Ticket bezahlt werden. Beispielfoto: tb

Anrufsammeltaxi wird moderner

Landkreis Fürstenfeldbruck - Das beliebte Anrufsammeltaxi steht vor der wohl einschneidendsten Modernisierung seit seinem Bestehen - es wird, verkürzt gesagt, zum Ruf-Bus. Doch der bisherige Betreiber hat kein Interesse mehr.

Der Umgang mit dem Anrufsammeltaxi, das in dieser Form ziemlich vorbildhaft ist, soll für den Fahrgast transparenter werden. Der von der öffentlichen Hand subventionierte Service für die Zeit, in der keine Linienbusse mehr fahren, soll geschmeidiger, zuverlässiger, kurz: schöner und besser werden.

Derzeit läuft eine europaweite Ausschreibung, die nötig wurde, weil der bisherige Vertrag mit der Taxifunk Genossenschaft zum Ende des Jahres ausläuft. Den Service einfach wieder an einen geeigneten Anbieter vergeben, darf der Landkreis nicht, wie der ÖPNV-Beauftragte Hermann Seifert erklärt. Das europäische Recht verlangt mittlerweile eine EU-weite Ausschreibung. Diese läuft gerade, Interessenten können noch mitmachen. Nicht mehr darunter ist die Taxifunkgenossenschaft FFB, ein Zusammenschluss von Taxi-Unternehmen, die das Ast im Auftrag des Kreises anbieten und umsetzen. Die Mitgliederversammlung der Genossenschaft hat eine Teilnahme an der Ausschreibung abgelehnt, da sie Verschiedenes an den neuen Vorstellungen des Landkreises nicht gut finden.

Ändern sollen sich ab dem 15. Dezember 2014 vor allem zwei Dinge: Das Ast wird mit dem Münchner Verkehrsverbund (MVV) verzahnt und wird fester Bestandteil der MVV-Fahrpläne. Das heißt auch: MVV-Fahrkarten können im Ast verwendet werden. Die Taxis müssen entsprechend ausgerüstet werden. Damit gilt auch das MVV-Online-Ticket für das Anrufsammeltaxi. Sprich: Man kann mit dem Handy bezahlen.

Außerdem wird das Betriebssystem (bisher mit Ziel- und Zentralen Haltestellen) komplett überarbeitet. Der Fahrplan wird an die Buslinien angeschlossen. In Zusammenarbeit mit dem MVV wurden sieben Korridore definiert, auf diesen fährt das Ast, das die Busse ersetzt, wenn sie in den Abendstunden oder in der Nacht nicht mehr verkehren. Das Ast fährt damit einfach von Haltestelle zu Haltestelle. Die Regel, dass bei einer Tour eine so genannte Ziel- oder zentrale Haltestelle in einer bestellten Tour enthalten sein muss, wird es nicht mehr geben.

Der Unterschied zum Bus: Das Ast kommt nur, wenn es gerufen wird. Damit verliert es zwar ein wenig an Flexibilität, wird aber einfacher und für den Fahrgast leichter zu kalkulieren. Unklarheiten über die Fahrzeit gibt es damit kaum mehr. Gleichzeitig soll neben den Korridoren ein Ring um Fürstenfeldbruck entstehen. Hermann Seifert ist überzeugt, dass das höhere Fahrgastzahlen bringt.

Doch warum hat die Taxi-Funk-Genossenschaft kein Interesse an diesen neuen Lösungen? Sprecher Viktor Arnold versucht, die Befindlichkeiten der Taxiunternehmer zu erklären. Einige befürchten, dass der MVV als neuer Partner viel härter den Betrieb kontrollieren werde als es bisher der Fall war.

Andere hätten schlicht Panik, weil sie dachten, das Ast bleibt wie es ist. Außerdem stören sich einige daran, dass künftig behindertengerechte Fahrzeuge in der Flotte sein müssen. Für Arnold ist der Mehrheitsbeschluss der Genossenschaft allerdings nicht nachvollziehbar. Er ist beim Sammeltaxi von Anfang an dabei und will nun sehen, inwieweit ihm eine Teilnahme an der Ausschreibung möglich wird. Er rechnet mit einer Qualitätssteigerung beim Ast. Für die Fahrgäste werde die Nutzung des Asts einfacher. (st)

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