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Erster Gesundheitscheck bei einem Säugling: Florian Bernhardt aus Gernlinden war sechs Wochen lang Helfer bei humedica und arbeitete in einer serbischen Kleinstadt als Arzt.

Gernlindener hilft in Serbien

Ein Arzt an der Grenze

Gernlinden - Sechs Wochen lang hat Florian Bernhardt Flüchtlinge in Serbien untersucht und versorgt – bevor die Balkanroute vollständig geschlossen wurde.

Der 32-jährige Gernlindener ist mit vielen Erfahrungen zurückgekehrt. Und mit einer wichtigen Botschaft.

Presevo, eine Kleinstadt in Serbien, vor wenigen Wochen: Die Grenze zu Mazedonien ist nicht weit, viele Flüchtlinge auf der Balkanroute werden hier registriert. Hinter dem Sicherheitszentrum liegt die kleine Container-Klinik der Organisation humedica, in der Florian Bernhardt (32) in den vergangenen sechs Wochen gearbeitet hat.

Seit rund 15 Jahren ist der Gernlindner immer wieder im Einsatz, wenn medizinische, aber auch humanitäre Hilfe benötigt wird, in Westafrika, dem Kosovo und Serbien hat er sich bereits ehrenamtlich engagiert. „Diese Einsätze sind sehr sinnvoll“, erklärt der Mediziner. „Es macht mir Freude, mit und an anderen Menschen zu arbeiten und der Gesellschaft etwas zurückzugeben.“

Auf der Balkanroute, als sie noch offen war: Asylbewerber warten auf den Bus nach Serbien.

In Presevo hat er dazu genug Gelegenheit. Eine lange Eingewöhnungsphase gebe es nicht, berichtet Florian Bernhardt: „Man kommt an, macht seinen Arztkoffer auf und dann geht es los.“ Zwischen zwei und sechs Helfer von humedica sind ständig vor Ort, acht bis zehn Stunden dauert eine normale Schicht in Presovo. Täglich ziehen laut Bernhardt zwischen 2500 und 3000 Menschen durch die Straßen, einige brauchen noch vor Ort medizinische Hilfe: Schnupfen, Husten, Herz-Kreislauf-Probleme kommen häufig vor. Oft müssen die Ärzte kleine Patienten mit typischen Kinderkrankheiten behandeln, weil sie nicht gegen Windpocken oder Keuchhusten geimpft sind. Andere sind Opfer von Gewalttaten geworden, manche Schlepper misshandeln die Flüchtlinge.

Die meisten Patienten sind erschöpft und können sich nur schwierig verständlich machen. Doch Bernhardt und sein Team nehmen sich Zeit, schaffen einen sicheren Rahmen, in dem die Kranken ihre Probleme schildern können – und sei es mit Händen und Füßen sowie den Brocken Arabisch, die der Assistenzarzt mittlerweile gelernt hat.

„Guten Tag, wie geht’s?“ und ein paar Begriffe wie Arm oder Fuß können da sehr hilfreich sein. Sonst kommt eine Art „Flüsterpost“ zum Einsatz: Der Patient spricht Urdu, sein Begleiter übersetzt ins Serbische, das ein Helfer auf Englisch wiedergibt – kompliziert aber hilfreich.

Zurück in Deutschland bleiben Florian Bernhardt viele Eindrücke – auch positive. Der Gernlindner muss schmunzeln, wenn er an die Begegnung mit einem Syrer denkt, der ihn nach seiner Herkunft fragte. Als der Assistenzarzt „Munich“ sagte, zeigte sein Patient begeistert, was er unter seiner Jacke trug: ein FC-Bayern-Trikot. Denn Fußball und der FCB seien im Nahen Osten sehr bekannt. Gerne kickte Florian Bernhardt mit den Flüchtlingskindern ein paar Bälle herum oder setzte sich auf einen Tee mit den Patienten zusammen – Begegnungen, die alle schätzten.

Eindruck aus Serbien: Ein Flüchtlingskind steht vor dem Registrierungscamp in Presovo.

„Ich bin in Presovo Menschen aus dem alltäglichen Leben begegnet“, erinnert sich Bernhardt gerne zurück. Für sie sei alles besser, als dort zu bleiben, wo sie bisher gelebt hatten. Diesen könne man direkt hier, auf dem Weg, helfen. „Vor diesen Leuten muss man keine Angst haben.“

Sehr berührt ist Bernhardt nach wie vor von der Hilfsbereitschaft vieler Serben, die selbst überall mitanpacken und die Situation in Presovo verbessern wollen. Von den Einwohnern sind Florian Berhardt und seine Kollegen oft zum Kaffee eingeladen worden, auch Flüchtlinge hätten hier immer wieder am Tisch gesessen. Bernhardt resümiert: So ein direkter Umgang sei wichtig und könne Ängste nehmen. „So funktioniert Integration.“

Mittlerweile ist die Balkanroute dicht. Die Länder Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn und Slowenien lassen nur noch Menschen mit gültigen Reisepässen und Visa einreisen. Doch humedica ist noch immer mit einem vierköpfigen Team in Presevo, das auf dieser Route liegt, vor Ort und sichert die medizinische Versorgung von etwa 800 Flüchtlingen. Diese Menschen sitzen im Registrierungslager fest, da sie weder in Kroatien noch Mazedonien aufgenommen werden.

von Maria-Mercedes Hering

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