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Die Verteilung der Asylbewerber auf kleinere Unterkünfte als Fursty läuft zu schleppend, findet Brucks OB Klaus Pleil. Er und der Integrationsbeauftragte der Stadt Bruck wenden sich deshalb an die Regierung von Oberbayern.

Aufgeladene Stimmung

Asyl in Fursty: OB prangert Missstände an

Fürstenfeldbruck - Zu lange Verweildauer, schlechtes Essen und Probleme mit dem Müll: In der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Fürstenfeldbruck häufen sich die Probleme.

Brucks OB Klaus Pleil und sein Integrationsbeauftragter Willi Dräxler drängen bei der zuständigen Regierung jetzt auf Abhilfe.

Die Dependance zur Münchner Bayernkaserne im ehemaligen Unteroffizierheim am Fliegerhorst besteht seit rund vier Monaten. Um die 600 Asylbewerber leben dort – und nun kristallisierten sich eine Reihe von Schwierigkeiten heraus, die dringend gelöst werden müssen, schreiben Dräxler und Pleil in einem Brief, der dem Tagblatt vorliegt. Empfänger ist die Regierung von Oberbayern, die die Einrichtung betreibt.

Die Verpflegung

Die Dependance-Bewohner bezeichnen das Essen als schlecht und eintönig. „Durch regelmäßige Besuche, vor allem während der Abendmahlzeit, kann dies bestätigt werden“, schreiben Pleil und Dräxler. Für kurze Zeit sei das Fursty-Essen schon akzeptabel. „Aber über Wochen und Monate hinweg ist es gerade bei völlig anderen Ernährungsgewohnheiten schwer zu ertragen.“ Gerade dieses Problem hält Willi Dräxler für relativ einfach und kostenneutral lösbar, wie er dem Tagblatt auf Nachfrage sagte. Er schlägt vor: Insgesamt weniger Essen ausgeben (es wird wegen der Größe der Portionen einiges weggeworfen) und dafür mehr Abwechslung bieten.

Das Wegwerfgeschirr

In der Dependance wird ausschließlich Einmalgeschirr aus Plastik verwendet. „Dadurch entstehen riesige Müllmengen.“ Pleil und Dräxler schlagen daher vor, statt dem Wegwerfgeschirr bruchsichere Campingartikel zu verwenden und die im Unteroffizierheim vorhandene Gastro-Spülmaschine zu reparieren.

 Die Verweildauer

Eines der Probleme außerdem: Die lange Verweildauer. Eigentlich sollten Flüchtlinge nur wenige Wochen, maximal aber drei Monate in der Erstaufnahmeeinrichtung bleiben, bevor sie in kleineren, Unterkünften unterkommen sollten, in denen sie sich dann auch selbst verpflegen können. Eine ganze Reihe von Asylbewerbern lebt mittlerweile aber bereits seit vier Monaten in Fursty, darunter Familien mit Kindern, schildern Pleil und Dräxler. „Das ist so nicht akzeptabel“, heißt es in dem Brief. Denn: Es verhindert, dass Betroffene Arbeit aufnehmen können und es verhindert die Eingliederung der Kinder in den Schulbetrieb. Warum die Flüchtlinge so lange warten müssen, könne ihnen niemand sagen – selbst wenn ehrenamtliche Helfer versuchen, in dieser Frage beim Bundesamt zu recherchieren, gebe es keine Antworten, ergänzt Dräxler auf Tagblatt-Anfrage. Er sieht eine gewisse Überforderung bei den Verantwortlichen. Zu Problemen in diesem Zusammenhang komme es „vor allem, wenn Langzeitbewohner erleben müssen, dass andere Mitbewohner schon nach wenigen Wochen an ihren Bestimmungsort verlegt werden“, heißt es im Brief. Es habe bereits Tumulte gegeben, die auch Polizeieinsätze nötig machten.

"Stimmung bereits aufgeladen"

Insgesamt bezeichnen Pleil und Dräxler die Stimmung im früheren Unteroffizierheim als „bereits aufgeladen“. Der Handlungsbedarf sei eilig. „Wir können nicht abwarten, bis sich ein öffentlicher Protest der Flüchtlinge formiert und dadurch die positive, aufnahmeorientierte Stimmung in Bruck zum Kippen bringt.“ Die Regierung prüft derzeit die Vorschläge aus Bruck und will in Kürze darauf antworten. Willi Dräxler rechnet mit einer Reaktion noch in dieser Woche.

Das sagt die Polizei

Während die kleineren Asyl-Unterkünfte im Landkreis der Polizei praktisch keine Probleme bereiten, zählen die Beamten seit Eröffnung der Fursty-Dependance „spürbar mehr Einsätze“, wie ein Sprecher der Brucker Polizei auf Anfrage berichtet. Er zählt drei bis vier Fursty-Notrufe pro Woche. Geholt wird die Polizei meist vom dort beschäftigten Sicherheitsdienst. In der Einrichtung komme es zu Streitigkeiten, die man im Gespräch lösen könne. Aber auch zu Diebstahl und Handgreiflichkeiten bis hin zur Körperverletzung. Manche Streitigkeiten entstünden wegen der verschiedenen Volkszugehörigkeiten. Große Probleme bereiteten der Alkohol und vor allem die Beschäftigungslosigkeit der Flüchtlinge. Außerdem stellt die Sprachbarriere alle Beteiligten manchmal vor schier unüberwindliche Hürden. Abgesehen davon sei die Lage aber wohl nicht problematischer als wenn 600 entwurzelte Deutsche auf engem Raum und ohne Arbeit zusammenleben müssten. Auch der Polizeisprecher hält die von OB Pleil kritisierte lange und ungleich verteilte Verweildauer für problematisch

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