Puchheim-Ort

Asyl: Bürgermeister fühlt sich übergangen

Puchheim - In einem alten Wohnhaus an der Bergstraße  in Puchheim-Ort sollen um die 30 Asylbewerber unterkommen. Bürgermeister Norbert Seidl fühlt sich vom Landratsamt komplett übergangen und ist sauer.

Seidl beklagt, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. Es habe im Vorfeld keinerlei Gespräche über das Vorhaben des Landratsamts gegeben, berichtete er am Montag auf Anfrage. Schon am Sonntag hatte er seinem Ärger in sozialen Netzwerken im Internet Luft gemacht.

Von den Plänen der Kreisbehörde erfuhr der Bürgermeister erst, als der Mietvertrag für das Haus schon unterschrieben war. „Das geht gar nicht. Ich verstehe einfach nicht, warum man nicht miteinander spricht“, sagte Seidl. Eine solche Art des Vorgehens hält er für schädlich im Sinne der Sache. „Es geht um Akzeptanz und die erreicht man nur durch Information.“ Stattdessen werde man immer wieder vor den Kopf geschlagen, sagt er unter Bezug auf die schwierige Vorgeschichte bei der Unterkunft an der Siemensstraße und unter Bezug auf die eilige und überraschende Belegung der Turnhallen im Schulzentrum wenige Tage nach einer Bürgerversammlung.

Angesichts der bald in Puchheim lebenden Zahl an Asylbewerbern müsse man über die Turnhalle ohnehin wieder disktuieren, so der Bürgermeister. Puchheim trage seinen Teil der Verantwortung, könne aber nicht all das tragen, was andere nicht tragen wollten, so Seidl in Zusammenhang mit aktuellen Diskussionen. Außerdem sei er sich nicht sicher, ob der Standort an der Bergstraße gegenüber des Restaurants Colonial wirklich gebietsverträglich ist.

Im Landratsamt, wo dieser Tage die Hiobsbotschaft hereinflatterte, dass der gerade eben erst zum Asylkoordinator ernannte Martin Schuster zur Regierung versetzt wird (siehe Kasten), gab man sich gestern in der Causa Bergstraße etwas zerknirscht. Normalerweise würden bei Unterkünften dieser Größe Bürgermeister informiert, wenn ein Vertrag spruchreif, aber eben noch nicht unterzeichnet ist. Das sei sinnvoll so, weil sich während der Vorfeld-Untersuchungen Pläne für Objekte immer wieder zerschlügen.

Im Falle Bergstraße sei die Information in der Tat ein bisschen spät geflossen, räumte eine Sprecherin ein – aber auch nicht zu spät. Denn anders als es bei Seidl angekommen war, könne das Haus nicht schon in diesen Tagen mit Flüchtlingen belegt werden. Es müsse renoviert werden, so dass Asylbewerber erst Ende des Jahres oder Anfang 2016 einziehen könnten.

Ganz unabhängig davon geht Seidl davon aus, dass der Bauausschuss ein anderes aktuell zu prüfendes Objekt ablehnen wird. Die Kreisbehörde untersucht, ob in einem Gewerbegebäude an der Benzstraße 150 weitere Flüchtlinge Platz finden können.

Angesichts der Nähe zur bereits bestehenden Unterkunft an der Siemensstraße sei das nicht mehr gebietsverträglich, findet der Puchheimer Bürgermeister. Er geht von einem klaren Nein des Bauausschusses aus, der über den Antrag auf Nutzungsänderung entscheiden wird müssen. Für das Landratsamt befindet sich die denkbare Unterkunft an der Benzstraße in einem sehr frühen Stadium der Prüfung, quasi der Vorklärung. Manchmal, so hieß es, unterschätzten potentielle Vermieter den Investitionsbedarf.

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