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Asyl: Landrat fühlt sich wie Schankkellner

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Puchheim – Die Nation sei bei dem Thema gespalten, in der Flüchtlingsdebatte scheine es keine neutrale Position mehr zu geben, hatte Puchheims JU-Chefin Ramona Weiß zu Beginn des Abends erklärt. Und tatsächlich erkannte man auch unter den Zuhörern der Podiumsdiskussion zur Asylpolitik zwei Lager, die sich besonders bei den Äußerungen von Landrat Thomas Karmasin (CSU) bemerkbar machten.

Der schaffte es mit manchmal zugespitzter Rhetorik jedenfalls eher zu polarisieren als seine beiden Mitdiskutanten. So machte der Landrat in punkto Turnhallen-Belegung einen interessanten Vergleich. Er fühle sich wie ein Schankkellner, der einen Maßkrug nach dem anderen auffüllen muss, sagte er. Bloß, dass er nicht Krüge, sondern Turnhallen auffüllen müsse.

Mit dem Landrat auf dem Podium saßen Puchheims evangelischer Pfarrer Markus Ambrosy und Karmasins Parteifreund Ludwig Kippes. Puchheims ehemaliger Zweiter Bürgermeister war von der Jungen Union wegen eines Leserbriefes an eine Lokalzeitung eingeladen worden, in dem er sich kritisch mit dem Begriff „Willkommenskultur“ auseinandergesetzt hatte. Als Scharfmacher taugte der frühere Ministerialdirigent allerdings nicht, Kippes überraschte mit moderaten Tönen. So etwa, als er von „ökonomischer Eugenik“ redete, falls Flüchtlinge nur bei Eignung für den Arbeitsmarkt bleiben dürften.

ifferenzierte Töne kamen auch von Pfarrer Ambrosy. Der zweifelte zwar wie der Landrat an der Anpassungsbereitschaft mancher Migranten: „Viele, die herkommen, wollen gar nicht so integriert werden wie wir uns das vorstellen.“ Der Geistliche forderte aber auch, ganz andere Dimensionen im Auge zu behalten: Deutschland stehe vor einem unfassbaren Wandel. Würden die Herausforderungen gemeistert, könne die Gesellschaft aber ungemein gestärkt daraus hervorgehen.

Karmasin sah sich in der schwierigen Rolle, „ekelhafte Fakten“ vortragen zu müssen statt die „romantische“ Sichtweise zu vertreten. 80 Prozent der Flüchtlinge seien nicht integrierbar, unter den Zuwanderern im Landkreis gebe es keine nennenswerte Zahl von Auszubildenden oder Studierenden. Ähnliches auf dem Arbeitsmarkt: „Fragen Sie mal im Job-Center, wieviele tüchtige Fachkräfte vermittelt wurden.“

All dies sei kein Grund, nicht zu helfen, nur dürfe man sich halt fragen, ob man schwimmen könne, bevor man einem Ertrinkenden helfe. Ein Pfarrer habe es da leichter: „Als Theologe komm ich eh in den Himmel.“ Mit der Bemerkung „noch“ kommentierte der Landrat den Hinweis auf das Deutsche als „Mehrheitssprache“. Später entschuldigte er sich: Nach einem Jahr im Ausnahmezustand müsse man ihm etwas Galgenhumor zubilligen. (op)

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