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Beispielfoto: dpa

Zu wenig Lehrer, zu wenig Plätze

Asyl: 400 Plätze in Schulen fehlen

Fürstenfeldbruck - Trotz aller Bemühungen der Verantwortlichen: Um die 400 jugendlichen Flüchtlinge werden heuer und im nächsten Jahr keinen Platz in einer Schule des Landkreises finden. Immerhin können aber rund 200 junge Asylbewerber unterrichtet werden.

„Die Gesellschaft muss wahrnehmen, welche Herausforderung vor uns liegt“, sagte Schulreferent Christian Stangl (Grüne) unlängst im zuständigen Ausschuss des Kreistags. Der Satz „Wir schaffen das“ führe dazu, dass „man geschafft ist“, so der Brucker. Viele Leute seien bereits jetzt an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Stangl, der am Gymnasium in Gröbenzell unterrichtet, forderte vernünftige, vorsichtige Schritte.

Tatsächlich leben derzeit 141 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Landkreis, 94 begleitete, 365 Flüchtlinge im Alter von 18 bis 21 Jahren sowie 234 Flüchtlinge im Alter von 22 bis 25 Jahren, heißt es in einem Papier des Kreis-Schulreferats. Bei den 16- bis 21-Jährigen müssten 600 junge Leute in den Schulunterricht geschickt werden. Dem gegenüber steht das akutelle Platzangebot von nur 60 Plätzen in der Brucker Berufschule. Daraus ergebe sich ein Defizit von 540 Plätzen – und dieses soll jetzt reduziert werden.

Junge Flüchtlinge unter enormem Druck

Mit großen Anstrengungen sei dies alles zu bewältigen, kommentierte Landrat Thomas Karmasin, nachdem Michael Schrodi (SPD) vor großen Folgeproblemen gewarnt hatte. Karmasin: „Genau das habe ich gemeint, als ich sagte: Wir dürfen nur so viele reinlassen, wie wir bewältigen können.“

Karmasin hofft auf die Schulkoordinatoren, die nun eingestellt werden sollen. „Wir dürfen keine Menschen heranziehen, die ohne Perspektive sind.“ Dies sei auch ein sicherheitsrelevantes Thema. Karmasins vorsichtiger Optimismus hängt davon ab, dass die Zuweisungszahlen von Asylbewerbern ganz allgemein so niedrig bleiben wie aktuell. Zu bewältigen sei die Herausforderung nur dann, wenn die Lage im „Durchschnaufe-Modus“ bleibe.

Zuvor hatte Andrea Reuß von der Brucker Berufschule von ihren Erfahrungen mit jungen Flüchtlingen berichtet. Die jungen Leute stünden unter enormem Druck, in Deutschland Arbeit zu finden. Denn die Familien wollten das Geld zurück, das sie für die Flucht aufgebracht haben. Unter den Asylbewerbern sei durchaus bekannt, dass unbegleitete Flüchtlinge besser gestellt würden.

Beweisen, dass es unter den unter-18-Jährigen auch wesentlich ältere gebe, könne man freilich nicht. Reuß forderte außerdem, die schwächeren deutschen Schüler nicht zu vergessen und nicht nur die Flüchtlinge im Auge zu haben.

Lehrer fehlen

Extrem aufwändig sei es, die Vorbildung eines jungen Flüchtlings zu prüfen. „Das überfordert uns total.“ Dabei sei das äußerst wichtig. Nur so lasse sich herausfinden, welche Art der Beschulung zielführend sein kann. Teil des Problems: Die Flüchtlingsklassen sind äußerst heterogen. Denn die jungen Leute kommen ja aus aller Herren Ländern. Außerdem fehle es an geignetem Lehrerpersonal auf dem Markt, so Reuß. Insgesamt muss klar sein: Die Rede ist von Jugendlichen. Die Kinder seien in den Grund- und Mittelschulen ja schon angekommen, sagte Reuß.

Als Schulreferent versprach Christian Stangl Hilfe bei den Schüler-Checks. Er forderte mehr Flexibilität in einem doch starren System. So sei es beispielsweise schwierig, Gymnasiallehrer, die derzeit keinen Job finden, für die Flüchtlingsarbeit zu gewinnen. Im Kreisausschuss, wo das Thema gestern erneut behandelt wurde, forderte Peter Falk (SPD) in diesem Zusammenhang, den Druck auf den Freistaat zu erhöhen.

So reagiert der Landkreis

Konkret plant der Landkreis für sofort beziehungsweise für den Beginn des neuen Schuljahrs:

1) Die Anstellung von Schulkoordinatoren: Sie sollen den Überblick behalten. Im Moment gibt es zu viele verschiedene Ansprechpartner, hieß es.

2) Verschiedene Modelle des Unterrichts: Sie zielen teils auf die Berufsausbildung und vor allem natürlich auf den Spracherwerb ab. Es soll Sprachintensivierungs- und spezielle Förderklassen geben. Jede Klasse ist maximal 20 Schüler stark – das sei ohnehin schon viel, sagte Andrea Reuß von der Berufschule.

 3) Neue Räume: Die Organisation von Klassenzimmern obliegt einer Arbeitsgruppe, der Vertreter verschiedener Schulen angehören. Außenstellen der Brucker Berufschule sollen am Gymnasium Olching und am Max-Born-Gymnasium in Germering gebildet werden. Hier werden Container frei. Auch an der FOS/BOS werden Klassen eingerichtet. Entweder ebenfalls als Außenstellen oder im Rahmen eines neuen Integrationsmodells. Die Räume stellt das Rasso-Gymnasium, das nicht ausgelastet ist. Außerdem soll in Bruck zum Schuljahr 17/18 ein neuer Container errichtet werden – dies entweder an der Wittelsbacher Halle oder an der Realschule.

4) Weitere Angebote: An der Brucker Realschule werden Intensiv-Sprachförderkurse (Sprint) eingeführt. Voraussetzung: Der Besuch einer Ü-Klasse zuvor, die Auswahl durch die Schulämter und die Realschuleignung.

5) Pilotprojekt: Das Rasso möchte das neue Pilotprojekt InGym (Integration am Gymnasium) einführen. Es richtet sich an besonders begabte Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache. Weil es ohnehin schon Raumkonflikte gebe und weil der Bedarf für ein gymnasiales Angebot für Asylbewerber derzeit eher als gering gilt, soll dieses Projekt erst 2017/18 kommen. Die Kosten soll großflächig der Freistaat tragen. Landrat Karmasin kommentierte: „In meiner ganzen politischen Tätigkeit habe ich noch nie ein Feld erlebt, bei dem man so wenig aufs Geld geschaut hat.

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