Zynisch angesichts der Not-Unterbringung oder Hoffnungsgruß? An der Turnhalle am Puchheimer Schulzentrum, in der Flüchtlinge untergebracht werden, prangt der Schriftzug „Welcome to Wonderland“ (Willkommen im Wundeland). Foto: Weber

Asyl in der Turnhalle: Willkommen im Wunderland?

Puchheim - In der Turnhalle am Puchheimer Schulzentrum sollen ab Montag Asylbewerber untergebracht werden.

An einem der Eingänge zur Halle prangt seit Wochen und völlig unabhängig von der eilig beschlossenen Not-Unterbringung ein Graffito: „Welcome to Wonderland“, steht da (Willkommen im Wunderland). Ist dieser Gruß, der sich den Asylbewerbern darbieten wird, unfreiwllig zynisch angesichts des notdürftigen Bettenlagers in der Halle? Oder ist der Schriftzug auch als Hoffnungsbotschaft zu verstehen? So doppeldeutig er ist, so differenziert die Haltung der Verantwortlichen gestern Nachmittag.

Bürgermeister Norbert Seidl ist angesichts des Graffitos zwiegespalten. „Es ist etwas heikel“, räumt er auf Tagblatt-Anfrage ein. Einerseits sei die Botschaft zweideutig, andererseits sei die Frage, ob man jetzt alles politisch korrekt machen müsse. „Gastfreundschaft heißt nicht, das wir alles ändern müssen.“ Sollte sich aber herausstellen, dass die Aufschrift falsch oder als beleidigend verstanden wird, dann müsse man reagieren - irgendwie. Ob man das Grafitto gleich wegmachen müsse, weiß der Bürgermeister nicht. Vielleicht würden auch Gespräche reichen.

Wie der Direktor des Gymnasiums, Georg Baptist, erklärt, ist das Grafitto im Rahmen einer Schulhausverschönerungsaktion entstanden. Ein Praxis-Seminar, das jetzt Abitur gemacht hat, hat es vor gut einem Jahr angebracht. „Es ist in einer Zeit entstanden, in der man von der jetzigen Situation natürlich noch nichts gewusst hat“, sagt Georg Baptist. Das Werk beziehe sich auch nicht nur auf die Turnhalle, sondern auf das gesamte Schulgelände. „Die Schüler haben es für ihre Mitschüler gemacht, als Willkommensgruß“, erklärt Baptist. Mit dem Ausdruck „Wonderland“ wollten sie zeigen, dass die Schule ein fantastischer Ort ist, an dem man kreativ sein kann - für Baptist das schönste Kompliment, das man einer Schule machen kann.

Ob das Graffito, dessen Bedeutung von der Realität praktisch überholt wurde, nun entfernt werden soll, dazu will sich Baptist nicht so recht äußern. Darüber müsse er erst nachdenken. „Spontan würde ich es lassen.“

Dass das Grafitto am Eingang zur Halle zu lesen ist, war den Verantworlichen im Landratsamt nicht bewusst, wie eine Sprecherin am Abend sagte. „Natürlich gibt das viel zu denken.“ Was ein Asylbewerber empfinde, wenn er es wahrnimmt, sei schwer zu prognistizieren. „Man wird mit ihnen mindestens darüber sprechen müssen.“ Andererseits sei es naheliegend, dass es sich um ein Schulgraffito handele. Zeichnungen solcher Art seien weltweit gängig. Wie gestern Abend bekannt wurde, werden die ersten Flüchtlinge am Montag erwartet.

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