Asylbewerber: Dramatische Ereignisse bei Abschiebungen

Fürstenfeldbruck/Grafrath/Gröbenzell - Wegen der geltenden europäischen Rechtslage müssen auch im Landkreis immer wieder Asylbewerber abgeschoben werden, zuletzt in Grafrath.

Die Polizei rückt bei solchen Gelegenheiten mittlerweile in großer Kopfstärke an - und hat dafür ihre Gründe.

Insgesamt gab es bisher drei Abschiebeverfahren nach der Dritt-Staatenregel. Dabei ging es nicht um abgelehnte Asylbewerbungen, sondern um eine Abschiebung aufgrund der „Dublin II“ genannten Vereinbarung. Sie soll verhindern, dass Asylanträge mehrfach bearbeitet werden. Das heißt: Die betreffenden Personen, deren Antrag inhaltlich noch gar nicht geprüft ist, sollten nicht in ihr Heimatland abgeschoben werden, sondern dorthin, wo sie als erstes europäischen Boden betreten haben und von wo aus sie möglicherweise illegal nach Deutschland weitergereist sind.

Ende Januar musste ein in der Brucker Hasenheide untergebrachter Afghane nach Österreich abgeschoben werden, Anfang Februar sollte es eine vierköpfige Familie aus Afghanistan treffen, die in Gröbenzell lebte, wie Pia Schmahl vom Landratsamt berichtet. Der Vater habe sich angesichts der drohenden Zwangs-Ausreise nach Italien aber selbst verletzt, weswegen der Vollzug zumindest vorerst verschoben werden musste, so die Behördensprecherin. Der dritte Fall, besonders Aufsehen erregend, weil die Familie des Abgeschobenen hierbleiben darf, war jetzt in Grafrath: Ein Syrer (22) musste nach Polen gebracht werden, wo sein Antrag nun bearbeitet wird.

In Grafrath gab man sich entsetzt über die Art des Vorgehens, wie Monika Glammert-Zwölfer sagt. Sie betreut zusammen mit anderen Graf-rathern die Asylbewerber und beklagt, dass der 22-Jährige in Handschellen abgeführt worden sei.

Wie Brucks Polizeisprecher Michael Fischer dagegen erklärt, hätten die letzten Erfahrungen etwa in Gröbenzell gezeigt, dass bei abzuschiebenden Bewerbern ein hohes Selbstgefährdungspotential herrscht. Oberste Prämisse für die Polizei ist es deshalb, zu verhindern, dass sich jemand im Angesicht der Abschiebung etwas antut. Auch wenn es martialisch aussehe, wenn die Polizei vielköpfig anrücke, sei das im Sinne der Sicherheit der Asylbewerber doch notwendig, sagt Fischer. „Wir wissen, dass es sich nicht um Schwerverbrecher handelt.“

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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