Bericht: Linkin-Park-Sänger Chester Bennington ist tot

Bericht: Linkin-Park-Sänger Chester Bennington ist tot

Hilfsaktion der Heimatzeitung

Aus schwerer Vergangenheit zurück ins Leben

Landkreis –Sie wuchsen beide in einem sozialen Brennpunkt der Landeshauptstadt München auf und gerieten in den Strudel der Drogenszene.

 „Wir haben schon als Kinder Räuber und Schandi miteinander gespielt“, erzählen Silvia und Manfred B.. Diese halbwegs unbeschwerte Zeit ist lange her. Beide wuchsen in einem Umfeld auf, das ihnen keinen guten Start ins Leben ermöglichte. „Meine Mutter starb schon sehr früh und hinterließ drei Töchter“, erzählt die heute 51-Jährige. Über die legale Droge Alkohol war der Weg zu Haschisch und härteren Drogen nicht weit. „Damals wurden rund 90 Prozent der Jugendlichen unseres Viertels drogenabhängig“, erzählt Manfred B. (50). Auch sein Vater war Alkoholiker. Zwar trennte sich seine Mutter von ihm, doch sie nahm ihn immer wieder bei sich auf. „Irgendwann stand sie mit mir und meinem Bruder alleine da und ich geriet schließlich auf die schiefe Bahn“, erzählt der heute 50-Jährige.

Schon als Jugendlicher musste er Haftstrafen absitzen, zu denen er wegen Diebstahlsdelikten verurteilt wurde. Auch während der ersten Schwangerschaft seiner Frau saß er im Gefängnis. Ihr erster Sohn Dieter ist mittlerweile 26 Jahre alt. „Als er acht Jahre alt wurde, war ich wieder inhaftiert und meine Frau musste ihn in ein Heim geben“, erzählt Manfred B.

Während er seine Haftstrafe absaß, starb erst die Oma, dann die Schwester seiner Frau Silvia. „Auch mein Vater ist in dieser Zeit verstorben“, erinnert sich Manfred B. Doch das Schicksal schlug weiter unerbittlich zu: „Vor fünf Jahren erfuhren wir, dass meine Frau HIV-positiv ist“, berichtet Manfred B. Drei Monate vor der Diagnose entband sie ihr gemeinsames zweites Kind Nicky. Nicky kam kurz nach der Geburt in eine Pflegefamilie und lebt seither im Chiemgauer Land. Sie besuchen ihn regelmäßig, sehen ihn alle zwei Wochenenden und in den Ferien. „Es ist uns sehr wichtig, Kontakt zu ihm zu haben; wir hoffen, dass er sein Leben besser auf die Reihe bekommt als wir“, sagen die Beiden. Seit vielen Jahren werden sie von der Brucker Organisation AID e. V. in der Kontakt- und Begegnungsstätte des P 6 betreut und unter ärztlicher Aufsicht substituiert.

Auch die Besuche beim Sohn geben dem Paar Halt und Hoffnung. Wegen ihrer HIV-Erkrankung muss Silvia B. von ihrem Mann oft zum Arzt gebracht werden. „Seit zwei Jahren habe ich endlich meinen Führerschein wieder. Wir sind auf das Auto angewiesen, auch weil wir unseren Sohn regelmäßig besuchen wollen“, sagt Manfred B. Er hat endlich einen Geringverdiener-Job bei einer Carsharingfirma gefunden und ist glücklich, seit zwei Jahren ein wenig zum Unterhalt der Familie beitragen zu können. Seit einem Unfall ist er zu 80 Prozent gehbehindert und auch aus diesem Grund ist die Familie dringend auf das Auto angewiesen.

Geld für neue Reifen haben sie nicht. Auch wenn sie tanken müssen, fehlt oft das Geld. „Ich bräuchte auch eine neue Brille, aber das traue ich mich eigentlich gar nicht sagen“, meint Silvia B. Wie sie mit ihrer HIV-Diagnose umgeht und nicht aufgibt, das gibt auch ihrem Mann Manfred Halt. Die beiden sind Zeit ihres Lebens mehr durch Dick denn durch Dünn gegangen. Aber sie stehen auch nach über 30 Jahren füreinander ein und sind füreinander da. Mit einer kleinen Hilfe der Tagblatt-Leser könnten sie ihr Leben, das viel zu früh aus geordneten Bahnen lief, ein wenig leichter meistern. 

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