Nach Jahren der Debatte

S 4-Ausbau: Bahn beauftragt Planer

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Allen Unkenrufen zum Trotz: Der Ausbau der S 4 kommt ins Rollen. Gleichzeitig plant die Bahn schon vorher weitere Verbesserungen an verschiedenen Bahnhöfen.

Landkreis – Die Vorplanung zum Bau eines dritten Gleises auf der S 4 zwischen Pasing und Eichenau beginnt. Das geht aus einer Übersicht hervor, die die Deutsche Bahn jetzt im Internet veröffentlicht hat. Aufgelistet in den Vorhaben sind auch barrierefreie Ausbauten. Die versprochene Ertüchtigung des Bahnsteigs 1 in Bruck allerdings fehlt auf der Seite – sie soll aber ebenfalls kommen.

„Die Planung ist in Auftrag gegeben“, sagt ein Sprecher der Bahn auf Nachfrage zur S4. Sprich: Der lange diskutierte Ausbau kommt nun wirklich ins Rollen. Demnach wird ein drittes Gleis zwischen Pasing und Eichenau gebaut. Die Stationen München-Leienfelsstraße, München-Aubing und Eichenau sollen barrrierefrei ausgebaut werden. Im Zuge der Arbeiten sollen auch die drei höhengleichen Bahnübergänge an der Hellensteinstraße, am Germeringer Weg und am Waldweg beseitigt werden. Sprich: hier entstehen Unterführungen.

Außerdem werden Schallschutzmaßnahmen eingeplant. Ziel: Mehr Reiseangebote nach München durch Schaffung von zusätzlichen Kapazitäten (z.B. Express-S-Bahn), Entspannung des Knotens Pasing durch Entflechtung des S-Bahnbetriebes vom Fern-, Regional- und Güterverkehr, Sicherheits- und Komfortgewinn durch Aufhebung der Bahnübergänge, Entlastung der Anlieger vom Schienenlärm, Herstellung barrierefreier Zugänge zu den Bahnsteigen, stufenfreies Ein- und Aussteigen in die S-Bahn-Züge und Verbesserung des Erscheinungsbildes an den Stationen München-Leienfelsstraße, München-Aubing und Eichenau. Die Kosten sollen sich auf rund 500 Millionen Euro belaufen. Die Finanzierung obliegt dem Bund, dem Freistaat und der Bahn. Aktuell werde die Vorplanung (HOAI-Leistungsphasen 1+2) vorgenommen. Das erfolgt im Jahr 2019. Das Planfeststellungsverfahren soll im Dezember 2020 starten. Das Baurecht und die Finanzierung sollen 2024 stehen. Danach soll gebaut werden.

In der Buchenau sollen die Bahnsteige an Gleis 1 und 2 auf 96 Zentimeter über Schienenoberkante erhöht werden. Die Bahnsteigkante am Gleis 3 wird entfernt und durch einen neuen, 96 Zentimeter hohen Bahnsteig südlich des Gleises ersetzt werden. Zudem entsteht eine Personenunterführung mit Aufzügen und Treppenaufgängen zu den Bahnsteigen. Die Kosten werden auf rund 9,3 Millionen Euro geschätzt. An der Finanzierung beteiligt sind der Freistaat, die Bahn sowie die Stadt Fürstenfeldbruck. Die Planfeststellung läuft: Baubeginn soll im 1. Quartal 2019 sein, die Inbetriebnahme im 2. Quartal 2020.

In Puchheim sollen die Bahnsteige erneuert werden. Die Bahnsteige werden auf 96 Zentimeter über der Schienenoberkante erhöht. An Gleis 1 entsteht ein Dach. Außerdem auf der Agenda: die Errichtung einer neuen, barrierefreien Personenunterführung mit Aufzug zum Mittelbahnsteig und barrierefreier Rampe zum Hausbahnsteig. Eingebaut wird auch ein Blindenleitsystem. Die Kosten werden auf rund zwölf Millionen geschätzt. Zahlen sollen der Freistaat und die Bahn. Hier läuft die Vorplanung. Das Baurecht soll noch im Jahr 2018 beantragt werden. Inbetriebnahme ist für Ende 2021 geplant.

Was ist aber mit der Ertüchtigung des Bahnsteigs 1 in Bruck, der seit Jahren nicht genutzt wird? Die werde ebenfalls wie geplant kommen, versichert ein Bahnsprecher. Sie sei wegen der verschiedenen Beteiligten noch nicht im Online-Ausbauplan enthalten. Das werde bei der nächsten Aktualisierung nachgeholt.

Kommentar: 

Mehrfach schon hat auch die Heimatzeitung massive und angesichts der Umstände berechtigte Zweifel daran geäußert, dass es je einen Ausbau der S 4 geben wird. Wenn nun wirklich, tatsächlich, real und wahrhaftig die Vorplanungen für den Ausbau immerhin bis Eichenau beginnen, dann muss man das aus Sicht der Region natürlich als positive Nachricht werten: Bisher geschah außer vielen Debatten gar nichts. Jetzt wird immerhin geplant, wenn auch sehr spät – man könnte auch sagen: sehr sehr spät, so man die Ankündigungen des einstmals zuständigen Ministers Wiesheu noch im Kopf hat, wonach der Ausbau viergleisig bis Buchenau schon im Jahr 2009 fertig sein sollte. 

Jetzt freilich tauchen weitere Hürden auf: Allein das Planverfahren als solches ist schwierig und langwierig. Noch länger wird es dauern, wenn Klagen gegen das Projekt eingereicht werden, was wohl tatsächlich zu erwarten ist. Außerdem stellt sich die Frage des Geldes: Der für solche Mittel zur Verfügung stehende Fördertopf des Bundes gilt als chronisch unterfinanziert. Als vor wenigen Wochen quasi vorab durchsickerte, dass die Planung wirklich beginnt, kommentierte ein Beobachter vor dem Hintergrund der Vorgeschichte: „Dass der Ausbau kommt, glauben die Leute erst, wenn da draußen wirklich Bagger anrollen.“ 

Dem kann man sich nur anschließen, wobei derjenige, der die etwas kuriose Geschichte des geplanten S 4-Ausbaus verfolgt hat, selbst dann noch die Sorge haben wird, dass die Bagger plötzlich wieder heimrollen, weil die Fahrer die Lust am S 4-Bau verloren haben. Die Planung also beginnt, gut so. Den Fortschritt derselben wird man aber genau zu beobachten haben. (st)

Rubriklistenbild: © dpa

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