Schreiben

Ausgefallene Zughalte: Jetzt soll der Minister einschreiten

Landkreis – Nach Landrat Karmasin schaltet sich nun auch der Verkehrsausschuss der nordwestlichen Gemeinden in die Debatte um ausgefallene Zughalte ein. Zusammen mit den betroffenen S 3-Kommunen Olching, Gröbenzell und dem Münchner Bezirksausschuss 22 (Lochhausen und Langwied) wendet er sich mit einem Schreiben an Innenminister Joachim Herrmann.

„Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung, dieses Vorgehen zu unterbinden“, heißt es in dem Brief an den für Verkehrsfragen zuständigen Minister. Mit Vorgehen gemeint, ist die Praxis der Bahn, Zughalte ausfallen zu lassen, um Verspätungen aufzuholen.

Das Konzept der Bahn sei kontraproduktiv, heißt es in dem Schreiben. Es gehe zu Lasten derjenigen, für die das Unternehmen eigentlich zur Verfügung steht: Der Kunden. Der Weg hin zu umweltfreundlicher Beförderung werde durch die Praxis schlicht und einfach ad absurdum geführt. Die Pendler könnten sich auf ihre Züge nicht mehr verlassen. Es bestehe die Gefahr, dass sie sich von der Bahn abwenden und wieder aufs Auto umsteigen.

Dem Ausschuss sei bewusst, dass viele Mitarbeiter der Bahn hervorragende Arbeit leisteten, um das gewaltige Verkehrsaufkommen auf der Schiene zu bewältigen. Bewusst sei dem Ausschuss auch, dass zahlreiche Verspätungen durch von der Bahn nicht verschuldete Vorfälle zustande kommen. Plausible Verspätungen würden daher auch akzeptiert, heißt es in dem Schreiben. Wenn die S-Bahn einfach durchfährt, werde das aber nicht mehr akzeptiert. „Tatsache ist, dass die Bahn auf diese Weise die vom Freistaat bestellte und mit ihm vereinbarte Leistung nicht erbringt“, so der Ausschuss. Entsprechende Bes-trafungen der Bahn brächten aber den Kunden nichts.

Der Ausschuss bezieht sich auch auf das „ausgesprochen filigrane Regionalbuskonzept“ im Landkreis. Jeder ausgelassene S-Bahn-Halt stelle das gesamte System in Zweifel. Der Ausschuss bittet den Minister nun um Antwort, wie sein Haus die Praxis der Bahn beurteilt und wie es sie gegebenenfalls sanktioniert.

Die Bahn indes hatte ihr Vorgehen unlängst noch einmal verteidigt. Es diene dem Kunden, da Verspätungen aufgeholt würden. Durchfahrten gebe es nur, wenn wenige Minuten später eine andere S-Bahn folge. Durchfahrten würden außerdem rechtzeitig angekündigt. Insgesamt sei das System an seinen Kapazitätsgrenzen.

Wie jetzt auch klar wurde, wähnte sich die Bahn in der Frage der Durchfahrten im Besitz der Zustimmung durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die die Züge bestellt. Bei der BEG dagegen findet man die Durchfahrten zumindest mittlerweile nicht mehr ganz so lustig. (st)

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