Eigentümer schafft Fakten

Bagger schneller als der Denkmalschutz

Hattenhofen - Schon lange dämmerte der ehemalige Gasthof in Haspelmoor vor sich hin. Endlich entschloß man sich, auf dem Areal Wohnungen zu bauen. Dieses Vorhaben drohte der Denkmalschutz in letzter Sekunde zu stoppen. Doch inzwischen gibt es nichts mehr zu schützen – außer Trümmern.

 Anstelle der ehemaligen Wirtschaft Krieglmeier im Ortsteil Haspelmoor sollen Wohnhäuser gebaut werden. Über zehn Jahre wurde über die Zukunft des Areals diskutiert. Am 9. Dezember wollte das Landesamt für Denkmalschutz das Objekt prüfen. Doch vorher haben die Eigentümer Nägel mit Köpfen gemacht. In der vergangenen Woche wurden in dem alten Gebäude Inneneinrichtung und Elektrik entfernt. Am Freitag rückten die Bagger an. Wo kein Haus, da kein Denkmalschutz. Die Eigentümer sehen sich im Recht. Eine Veränderungssperre während eines anlaufenden Verfahrens besteht nicht, bestätigt auch die Denkmalschutz-Behörde.

Im Januar war endlich die Grundsatzentscheidung gefallen: Der Gemeinde beschloss, das Grundstück nicht zu kaufen. Es sei zu teuer, das Gebäude zu marode. Die rechtlichen Weichen für eine Bebauung mit Wohnhäusern wurden im Lauf des Jahres gestellt. Die Eigentümer vereinbarten mit der Gemeinde einen Flächentausch – als Ausgleich für die Grünfläche des ehemaligen Biergartens. Die Umrisse eines neuen Gebäudes sollten dem der alten Wirtschaft gleichen. Die Verwaltung hatte der Öffentlichkeit die vorgeschriebene Möglichkeit zur Beteiligung an den Planungen gegeben.

Alles schien in trockenen Tüchern. Da schaltete sich überraschend Kreisheimatpfleger Toni Drexler ein, der in Haspelmoor lebt. Drexler regte an zu prüfen, ob der Krieglmeier erhalten werden solle, weil das ehemalige Wirtshaus aus den 1890er-Jahren ein ortsbildprägender und sehr dominanter Bau sei. Das typische Landgasthaus mit Schlachthaus und Biergarten sei zudem ein zentraler Punkt auch in der ganzen Region gewesen. „Ich wollte mir nicht im Nachhinein Vorwürfe machen, es nicht versucht zu haben“, erklärt Drexler.

Doch die Prüfung durch die Denkmalschützer ist nun wohl hinfällig. Die Eigentümer haben mit dem Beginn der Abbrucharbeiten vollendete Tatsachen geschaffen. In einem Brief an das Landratsamt betonen sie aber, dass der Abbruch schon zeitnah zum letzten Beschluss des Gemeinderates, also Ende Oktober, in Auftrag gegeben worden sei. Eigentlich hätten die Abbrucharbeiten, für die im Frühjahr ein Kostenvoranschlag eingeholt worden sei, bereits Mitte November beginnen sollen. Sie wurden wegen der Wetterlage verschoben.

Viele Haspelmoorer weinen dem Krieglmeier kaum eine Träne nach. Die alte Burg könne ruhig weg, darüber waren sich die Schaulustigen an der Abbruchstelle am Wochenende einig. Bürgermeister Franz Robeller hatte sich über den Vorstoß von Drexler ohnehin geärgert. Es sei dessen gutes Recht zu versuchen, das Gebäude zu erhalten. Er hätte es aber mit ihm absprechen können. So informierten die Eigentümer Robeller von dem Denkmal-Vorstoß. Diese beklagen ihrerseits, nicht korrekt Bescheid bekommen zu haben.

Beide Parteien waren nicht gerade begeistert davon, einen eventuell geschützten Krieglmeier erhalten zu müssen. Damit wären alle bisherigen Planungen für die Katz gewesen. Generell sei die Durchsetzung von Denkmalschutz gegen den Willen der Eigentümer eine schwierige Sache, so Robeller. Die Eigentümer unterstellen Toni Drexler zudem, sein Vorgehen habe lediglich politische Hintergründe. Während des langen Prozesses der Entscheidungsfindung wäre Zeit genug gewesen, Einfluss zu nehmen. Der Kreisheimatpfleger selbst sieht den Abriss pragmatisch: „Es ist so, wie es ist.“ Auch Drexler weiß: Wenn bei Gemeinde und Eigentümer keine Bereitschaft vorhanden ist, ist es schwer, etwas zu erhalten.

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