Repräsentativ: Das war das erste Bahnhofsgebäude. Das Bild wurde 1908 aufgenommen und zeigt die Station. Davor haben sich Bahnbeamte aufgestellt.

Als die Bahn Grafrath aus dem Dornröschenschlaf riss

Grafrath - Der Grafrather Bahnhof wird 140 Jahre alt. Die Gemeinde feiert das Jubiläum mit einer Ausstellung.

Die Orts-Archivarin Christel Hiltmann hat jede Menge historisches Material zusammen getragen.

Neben dem Ortsarchiv konnte Hiltmann vor allem auf Unterlagen von Walter Meier, dem ehemaligen Sohn des Bahnhofsvorstehers zurückgreifen. Fotos, Spurpläne, schriftliche Dokumente - am Ende hatte Hiltmann so viel Material beisammen, dass es sogar für ein Buch über die Bahnhofsgeschichte reichte. Das Werk wird ebenfalls bei der Vernissage vorgestellt.

Die Geschichte der Zug-Haltestelle begann am 1. Mai 1873 mit Eröffnung der Bahnstrecke von München nach Kaufering. Eine Haltestelle entstand am Kloster des Grafen Rasso, nach dem auch die Haltestelle „Grafrath“ benannt wurde. Den Ort Grafrath gab es seinerzeit noch gar nicht, der entstand erst 1972 bei der Gebietsreform aus den damals noch eigenständigen Gemeinden Wildenroth und Unteralting.

Die beiden Dörfer kann man heute getrost als verträumt bezeichnen. „1874 lebten in Wildenroth 249 Menschen in 47 Häusern“, sagt Hiltmann. Nicht viel größer war Unteralting mit 242 Einwohnern und 44 Häusern. Doch mit dem neuen Bahnhof änderte sich das schlagartig. „Er hatte zur Folge, dass Grafrath aus seinem Dornröschenschlaf erwachte“, sagt Hiltmann. Rund um den Bahnhof entstanden ein Restaurant, mehrere Geschäfte und ein Kiosk.

Außerdem lockte der Bahnhof auch Geschäftsleute wie zum Beispiel den Farbenfabrikanten Fritz Behrendt an, der die Gleise als nahe Transportmöglichkeit schätzte. „Die reichen Neubürger suchten sich die schönsten Plätze aus, um ihre Villen zu bauen“, sagt Hiltmann. Noch heute zeugen die prächtigen Bauten in den Villenstraßen Nord und Süd entlang der Bahnlinie davon.

In Verbindung mit der Dampfschifffahrt auf der Amper wurde Grafrath dank des Bahnhofs immer mehr zum Touristenziel. Zahlreiche Sommerfrischler zog es hierher. Zum Teil reisten am Wochenende bis zu 2000 Menschen mit der Bahn an. 1919 wurde mit dem Verschönerungsverein sogar eine erste Tourismus-Organisation gegründet. Der Verein, dem eine Zeit lang auch Heinrich Orff vorstand, hatte sich unter anderem die Schaffung von Wanderwegen und Übernachtungsmöglichkeiten für den Fremdenverkehr zum Ziel gesetzt. Vor allem letztere waren dringend nötig. So geht aus Aufzeichnungen hervor, dass im Jahr 1936 insgesamt 11 270 Personen in Grafrath genächtigt haben.

Ein weiterer entscheidender Schritt war die Inbetriebnahme der S-Bahn, die seit dem Olympiajahr 1972 auch in Grafrath Halt macht. Doch die Geschichte des Bahnhofs als Gebäude für den Zugverkehr sollte nur sechs Jahr später enden.

1978 wurde der Bahnhof aufgelassen und verwaltungstechnisch an den Bahnhof Fürstenfeldbruck angegliedert. Heute dient das Gebäude der Bahn als Wohnhaus, immer wieder gibt es Gerüchte um einen Verkauf. Doch wie auch immer die Geschichte des Gebäudes weitergeht, eine entscheidende Rolle in der Historie hat er für Hiltmann schon heute: „Ohne den Bahnhof wäre Grafrath nicht das, was es heute ist.“

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