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Die Korbinian-Penzl Straße findet man im Brucker Ortsteil Puch.

Fürstenfeldbruck

Der Urheber von 100 Jahren Pucher Schulgeschichte

Dass Puch einst über eine Schule und einen eigenen Ortsgeistlichen verfügte, war der Stiftung eines Bürgers zu verdanken. Das Schulbenefizium von Korbinian Penzl ermöglichte sowohl den Unterricht als auch die geistliche Betreuung der Gläubigen. 

Puch – Daher ist dem früheren Ortsvorsteher eine Straße in dem Stadtteil gewidmet.

An der Kirche St. Sebastian erinnert eine Gedenktafel an Korbinian Penzl. 

Wer am alten Schulhaus vorbeispaziert, stößt auf die Gedenktafel, die auf das Schulbenefizium hinweist. Auch an der Kirche St. Sebastian ist eine Tafel angebracht. Sie erinnert an Korbinian Penzl, der im Jahr 1773 das Licht der Welt erblickte und auf dem Loderhof lebte. Dieser war mit 182 Tagwerk einer der größten Bauerngüter im Dorf. Und er gehörte zu den fünf Höfen in Puch, die Teil der Grundausstattung des Klosters Fürstenfeld im 13. Jahrhundert gewesen waren, berichtet Stefan Thiery, der in Puch gelebt und sich mit der Geschichte des Ortes befasst hat.

Einige Jahre war Korbinian Penzl Ortsvorsteher – eine Vorstufe des nachmaligen Bürgermeisteramtes zu der Zeit, als die Gemeinden noch obrigkeitlich geführt wurden. Penzl war dreimal verheiratet, weiß der frühere Vize-Bürgermeister Franz Bauer. Als alleinstehender Privatier verkaufte er den Hof und zog schließlich nach Fürstenfeldbruck. „Er überlegte, wie er sich im Dorf verewigen könnte“, vermutet Bauer. Letztlich entschied er sich für ein so genanntes Schulbenefizium, das er auf der Basis von 10 500 Gulden für Puch stiftete.

Das bedeutete, dass in Puch eine Stelle für einen Geistlichen geschaffen wurde, die mit vollem Schuldienst verbunden war. Der Schulbenefiziat unterrichtete also alle Fächer. St. Sebastian wurde damals von den Landkooperatoren der Pfarrei St. Magdalena als Filialkirche betreut. Diese Hilfsgeistlichen kamen zu Fuß oder zu Pferd über den Herrenweg – der deshalb wohl auch so hieß – von Bruck nach Puch.

Im Jahr 1860 genehmigte der Landesherr das Schulbenifiziat, ein Jahr darauf auch die Erzdiözese. Die Gemeinde musste das Schulhaus bauen, denn bis dahin gingen die Kinder nach Bruck und Emmering zum Unterricht. Die Einweihung im Jahr 1862 erlebte Korbinian Penzl nicht mehr mit. Denn er verstarb am 27. Januar 1862.

Als erster Benefiziat zog Kaspar Rössle ins Schul- und Benefiziatenhaus. Im Jahr 1866 übertrug die Kirche dem Schulbenefiziaten auch die gesamte Seelsorge am Ort und verlieh ihm den persönlichen Status eines „Expositus“, der seinen Außenbereich weitgehend selbstständig betreuen konnte. Die Landkooperatoren wurden damit für Puch überflüssig. Dennoch blieb St. Sebastian eine Filiale von St. Magdalena – was bis heute Bestand hat.

Seit dem Jahr 1900 wurde in Puch ein Hilfslehrer angestellt, der den Unterricht übernahm, berichtet Thiery. Damit war der Geistliche nur noch für den Religionsunterricht zuständig. „Aber er blieb bis zum Ende der 1920er-Jahre Schulleiter.“ Erst dann erfolgte die rechtliche Trennung von Schule und Benefizium. Die Gemeinde hatte dem Geistlichen 1927 ein eigenes Haus gebaut, das neben der Kirche steht – die räumliche Trennung von Schule und Geistlichenstelle.

Die Schulbenefiziumsstiftung von Korbinian Penzl bestand bis in die 1950er-Jahre. Dann steuerte sie kaum noch nennenswerte Beträge zum Unterhalt des Geistlichen bei. Daher wurde das Schulbenefizium 1954 in ein so genanntes Kuratbenefizium umgewandelt. In dieses wurden das Geistlichenhaus und einige Hektar Grund eingebracht, um die materielle Sicherung zu gewährleisten.

Die Pucher Schule wurde 1966 geschlossen, das Schulhaus zunächst vermietet und dann verkauft. Der Erlös floss in den 1978 erfolgten Bau des Gemeinschaftshauses am Ortsplatz. Der letzte in Puch ansässige Geistliche starb 2010. Das Kuratiehaus ist heute vermietet. Der Loderhof existierte bis in die 1980er-Jahre als bäuerlicher Betrieb, berichtet Thiery. Danach wurden seine Wirtschaftsräume einige Jahre von der Sportschule Puch betrieben, bis diese in die Buchenau umzog.

Die Serie:

Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürgern, Künstlern und Äbten benannt. In der Tagblatt-Serie werden die Persönlichkeiten vorgestellt.

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