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Der Bereich um die Gröbenzeller Straße gehört nicht mehr zum Moos, ebenso die Teile des Mooses, die auf Dachauer Flur liegen (Grafik).

Bauen im Moos – eine knifflige Sache

Graßlfing - Entwicklungsperspektiven für ihre Familien und Betriebe: Das wollen die Bewohner des Graßlfinger Mooses. Doch Bauen ist schwierig in diesem Teil von Olching. Deshalb hoffen die Mösler, wie sie sich selbst nennen, auf eine Fibel, die das Ganze erleichtern soll.

Armin Sirtl hat einen Traum. Der 49-Jährige will ein Haus bauen. Für sich, seine Frau (48), seine Tochter (20) und seinen Sohn (23). Ein Zweifamilienhaus soll es werden, mit einer Einliegerwohnung. „So könnte mein Sohn seinen abgeschlossenen Bereich haben“, sagt Sirtl. Denn der 23-Jährige braucht die Unterstützung seiner Eltern. Derzeit wohnt die vierköpfige Familie in einer 100-Quadratmeter-Wohnung.

Das Grundstück für seinen Traum hat Sirtl, der im Gasthaus Haderecker als Koch arbeitet, schon lange. „Das habe ich vom Großvater bekommen“, erzählt er. Vor 25 Jahren – damals hatte er noch keine Kinder – hat er schon einmal einen Versuch unternommen. Doch der Bauantrag wurde von Gemeinde und Landratsamt abgelehnt. Genauso wie der, den er im vorletzten Jahr gestellt hat. Denn Sirtl will im Graßlfinger Moos bauen – genauer gesagt an der Birkenhofstraße – und das ist äußerst kompliziert.

„Das Moos ist ein besonderer Fall“, erklärt Markus Brunnhuber, Bauamtsleiter im Olchinger Rathaus. Planungsrechtlich gehört es zum Außenbereich, sprich nur privilegierte Vorhaben sind erlaubt. Das sind vor allem solche, die der Landwirtschaft zuzurechnen sind. Zudem gilt in weiten Teilen des Graßlfinger Mooses eine Landschaftsschutzverordnung (siehe Kasten). Genehmigungsbehörde für Bauvorhaben ist das Landratsamt.

„Baurechtlich kann man das Moos aber nur ganz schwer katalogisieren“

Planungsrechtlich ist das Areal damit eingeordnet. „Baurechtlich kann man das Moos aber nur ganz schwer katalogisieren“, sagt Brunnhuber. Denn es sei landwirtschaftliche Fläche, die aber durchaus Siedlungscharakter habe. „Das ist historisch bedingt“, erklärt der Bauamtsleiter. „Da haben früher ein paar Kleinhäusler gelebt, die ein bisschen Landwirtschaft betrieben haben, und das hat sich dann irgendwann zur Wohnnutzung ausgewachsen.“

Eine weitere Besonderheit: Das Graßlfinger Moos ist von dichter Besiedlung umgeben. Es grenzt direkt an München, Dachau und Gröbenzell an. Brunnhuber: „Es ist einfach schwierig da draußen.“

So wie Armin Sirtl geht es vielen der rund 500 Mösler. Sie möchten gerne ein Haus bauen, ihren Betrieb erweitern, die Terrasse vergrößern oder einfach nur einen Carport errichten. Doch im Außenbereich braucht’s für alles ab der Größe eines Hasenstalls eine Genehmigung, wie es Brunnhuber stark vereinfacht ausdrückt. Und einen langen Atem.

„Es geht schon was, aber man muss sich alles erkämpfen“, sagt Stadtrat Alois Waltl (FW), dem die gleichnamige Baumschule im Moos gehört. Waltl ist auch Mitglied der Interessengemeinschaft (IG) Graßlfinger Moos, die wie der Name schon sagt, die Interessen der Mösler vertritt. Klaus Leiseder ist ihr Vorsitzender. Und auch Sirtl gehört ihr an.

Bauen im Moos ein Spagat

„Das Bauen im Moos ist ein Spagat“, sagt er. Denn einerseits wollen viele Mösler ein Haus errichten oder erweitern. Andererseits wolle man aber nicht, das das Moos offiziell zu Bauland wird. Denn dann, so befürchtet die IG, kommen die Spekulanten und kaufen die Grundstücke auf. Und jeder, der möchte, kann dann dort bauen. „Wir wollen nicht, dass das Moos ein zweites Schwaigfeld wird“, so Sirtl. „Es soll Moos bleiben.“ Und auch im Olchinger Rathaus will man nicht, dass das Moos zum Siedlungsgebiet wird, vor allem nicht für Münchner, die es immer mehr in den Speckgürtel zieht.

Im Rahmen der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes hat die Stadt deshalb gemeinsam mit der IG und einem Zusammenschluss von Graßlfinger Bürgern nach Lösungen gesucht. Herausgekommen ist die Ausweisung des Mooses als sogenannte Kulturlandschaft. Zudem soll eine Fibel erstellt werden, sprich eine Art Anleitung zum Bauen im Moos.

Was aber heißt das – Kulturlandschaft? Darauf kann keiner der drei Vertreter der IG eine konkrete Antwort geben. „Sie soll Bebauung mit Rücksicht auf die Landschaft ermöglichen“, versucht es Waltl.

Und auch Bauamtsleiter Brunnhuber tut sich schwer. Als Kulturlandschaft bezeichne man ein Nebeneinander von Siedlungsbereichen und Landschaft, sagt er. „Es ist eine Art Weichspüler, der von vornherein verhindern soll, dass Vorhaben abgelehnt werden können, nur weil sie dem Flächennutzungsplan, der das Moos für die Landwirtschaft vorsieht, nicht entsprechen“, führt er weiter aus.

Richtlinien sollen helfen

Das Ganze werde durch eine Fibel ergänzt, die bestimmte Richtlinien vorgibt, zum Beispiel zu Länge und Breite der Gebäude und so weiter. „Sie hat aber keine planungsrechtliche Relevanz,“ erklärt Brunnhuber. Sie stecke lediglich Rahmenbedingungen fürs Bauen im Moos ab. Das heißt aber nicht, dass man automatisch eine Baugenehmigung bekommt, wenn man sich an die Vorgaben hält.

Der Bauamtsleiter sieht vor allem einen großen Vorteil, den die Fibel bringt: „Sie trägt zur Klarheit und Verständigung bei. Das ist auch schon ein Gewinn.“ Denn es herrsche viel Unsicherheit bei den Möslern, was überhaupt erlaubt ist und was nicht.

Zudem enthält die Fibel Empfehlungen und Gestaltungsbeispiele. „Es geht auch darum, Optionen aufzuzeigen, was man mit den bestehenden Gebäuden machen kann, wie man diese erweitern kann“, erklärt Brunnhuber und nennt ein Beispiel. So habe jemand neben einer alten Hofstelle ein Haus bauen wollen. Das Vorhaben wurde aber abgelehnt. Gemeinsam mit dem Bauamt sei man dann auf die Idee gekommen, den alten Stadl auszubauen. Denn dafür gab es bereits eine Genehmigung aus den 1990er-Jahren.

Was genau in der Fibel stehen wird, das erarbeitet derzeit das Bauamt gemeinsam mit der IG. Und die Zusammenarbeit läuft gut, wie beide Seiten betonen. Im kommenden Jahr soll das Ergebnis dann mit dem Landratsamt besprochen werden. Einen Zeitpunkt, wann die Fibel fertig sein soll, gibt es nicht, so Brunnhuber. Denn es gebe viele Unwägbarkeiten wie Ehrenrunden im Landratsamt, weitere Abstimmungsprozesse und so weiter.

Die IG begegnet „der Krücke Kulturlandschaft mit Fibel“, wie es Waltl bezeichnet, mit einer gewissen Skepsis. Prinzipiell sei die Fibel eine gute Sache, aber sie sei ja nicht rechtlich bindend. „Deshalb schätze ich, dass sie ein zahnloser Tiger ist“, sagt der Graßlfinger. Besser wäre es nach Meinung der IG gewesen, wenn das Moos – oder Teile davon – als Sondergebiet ausgewiesen worden wäre. „Dann hätte die Stadt es in der Hand, was dort passiert, man könnte das Gebiet entwickeln“, so Waltl. Im Moos gibt es bereits ein Sondergebiet: der Bereich Müllverbrennung und Kläranlage.

Auch Sirtl kann nicht so recht an die Fibel glauben, auch wenn er sie grundsätzlich gut heißt. „Was sie letztendlich bewirkt, ist fraglich“, sagt er. „Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Eva Dobler

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